Vida-Chef, Gastronomie

Vida-Chef wirft Gastronomie organisierte Kriminalität vor

08.02.2026 - 17:24:12

Der vida-Chef kritisiert hohe Preise und systematische Ausnutzung von Corona-Hilfen in der Gastronomie. Die WKO weist die Vorwürfe scharf zurück und verweist auf massive Kostensteigerungen.

Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, hat der österreichischen Gastronomie- und Tourismusbranche schwere Vorwürfe gemacht. Er spricht von einer „beispiellosen Subventionskultur“ und sieht sogar Züge von organisierter Kriminalität. Auslöser sind Berichte über extrem hohe Preise, wie 8,70 Euro für einen Cappuccino. Die Wirtschaftskammer (WKO) kontert scharf und fordert eine Entschuldigung.

„Rote Linie überschritten“: WKO weist Vorwürfe zurück

Die Reaktion der Branchenvertreter ließ nicht lange auf sich warten. Die Fachverbände Hotellerie und Gastronomie in der WKO erklärten, Hebenstreit habe mit seinen pauschalen Anschuldigungen eine rote Linie überschritten. Sie fordern eine umgehende Entschuldigung des Gewerkschaftschefs.

Hebenstreits Kritik zielt auf einen wunden Punkt. Er wirft der Branche vor, horrende Preise zu verlangen, gleichzeitig aber Lohnverhandlungen zu verweigern. Sein Hauptvorwurf: Große Konzerne und Hotelketten hätten während der Corona-Pandemie staatliche Fördergelder systematisch ausgenutzt – etwa durch Standort-Splitting – und gleichzeitig Dividenden ausgeschüttet.

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Preisschock: Was treibt die Kosten wirklich in die Höhe?

Die Gastronomie kontert mit einer anderen Erzählung: Sie sei Opfer, nicht Treiber der Inflation. Die WKO verweist auf eine drastische Kostenlawine, die die Betriebe in die Knie zwingt.

  • Der Energieanteil an den Erlösen hat sich seit 2019 verfünffacht.
  • Beim Wareneinkauf explodieren die Preise für Grundnahrungsmittel wie Öl, Butter und Mehl.
  • Allein Kaffee wurde zeitweise um über 20 Prozent teurer.
  • Auch die Personalkosten sind deutlich gestiegen.

Laut WKO haben über 90 Prozent der Gastronomen ihre Preise nicht im vollen Umfang der gestiegenen Kosten angepasst. Ohne diese Anpassungen, so das Argument, wären viele Betriebe nicht überlebensfähig. Die Branche verzeichnete 2025 eine hohe Insolvenzwelle.

Politischer Zündstoff in der Inflationsdebatte

Der scharfe Schlagabtausch fällt in eine heikle Phase. Die Politik versucht, die lange Zeit überdurchschnittliche Inflation in Österreich zu bekämpfen. Erst im Januar sorgte ein Regierungsvorschlag für ein staatliches „Sparmenü“ in Lokalen für Empörung bei der WKO.

Als konkrete Entlastung hat die Bundesregierung eine Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Lebensmittel auf 4,9 Prozent ab Juli 2026 angekündigt. Eine aktuelle Schätzung für Januar zeigt zwar eine überraschend niedrige Teuerungsrate von 2,0 Prozent. Die Lage bleibt aber fragil.

Der „Cappuccino-Streit“ ist mehr als eine Preisdebatte. Er wirft grundlegende Fragen nach Fairness, Verteilung und Transparenz auf. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Fronten verhärten – oder ob ein Weg zurück zum Dialog gefunden wird.

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