Deutschland, Hauptziel

Deutschland Hauptziel fĂŒr FĂ€lschungen - Milliardenschaden

09.10.2025 - 06:17:33

Videospiele, T-Shirts, Kinderspielzeug, ParfĂŒm: Deutschland ist nach Angaben des Markenverbandes grĂ¶ĂŸtes Ziel fĂŒr FĂ€lscherware in der EU.

Den Unternehmen entstehe dadurch jedes Jahr ein Milliardenschaden, sagt PrĂ€sident Franz-Olaf Kallerhoff. "Wir dĂŒrfen nicht lĂ€nger hinnehmen, dass unser Markt mit gefĂ€hrlichen und gefĂ€lschten Produkten ĂŒberschwemmt wird, die unter Missachtung von Umwelt- und Arbeitsstandards produziert sind."

Der Verband vertritt Unternehmen wie Hugo Boss DE000A1PHFF7, Haribo, Henkel DE0006048432, Miele und Vileda und veranstaltet am Donnerstag den Tag der Markenwirtschaft in Berlin. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz wird erwartet.

Wie viele gefÀlschte Artikel gelangen nach Europa?

Die EU-Agentur fĂŒr geistiges Eigentum (EUIPO) veröffentlichte kĂŒrzlich neue Zahlen. 2024 stellten die Behörden an Außengrenzen und im Binnenmarkt 112 Millionen gefĂ€lschte Waren sicher. Das war weniger als im Vorjahr, doch der geschĂ€tzte Verkaufswert stieg auf 3,8 Milliarden Euro - so viel wie nie zuvor. Grund dafĂŒr sind höhere StĂŒckpreise.

Deutschland war das Ziel fĂŒr rund ein Viertel des an den Außengrenzen sichergestellten Warenwerts. Das ist mehr als fĂŒr jeden anderen Mitgliedsstaat. Warum das so ist? "Deutschland ist als grĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft in Europa besonders betroffen", sagt Markenverbands-PrĂ€sident Kallerhoff. Deutsche Marken wĂŒrden international fĂŒr ihre QualitĂ€t geschĂ€tzt, das mache sie fĂŒr FĂ€lscher so attraktiv. Die EU-Behörde Ă€ußerte sich zu möglichen GrĂŒnden nicht.

Eine FÀlschung ist ein Produkt, das einen Markenartikel nachahmt und so Àhnlich aussieht, dass es mit dem Original verwechselt werden kann.

Welche Produkte werden besonders oft gefÀlscht?

Die meisten Beschlagnahmungen betreffen CDs und DVDs, einschließlich Videospielen und Softwareprogrammen. Rund ein Drittel der sichergestellten Artikel entfĂ€llt auf diese Kategorie. An zweiter Stelle stehen Spielwaren mit 18 Prozent, gefolgt von Kleidung (7,5), Mode-Accessoires (6), Zigaretten und E-Zigaretten (4,5) sowie ParfĂŒm und Kosmetika (3). Der wichtigste Vertriebsweg sind große Online-Plattformen. Die meisten Waren stammen aus China und der TĂŒrkei.

Zu den Versendern der gefĂ€lschten Ware machen weder EUIPO noch die Generalzolldirektion Angaben - aus DatenschutzgrĂŒnden.

Wie hoch ist der Schaden?

Der tatsĂ€chliche Schaden fĂŒr Hersteller in Deutschland lĂ€sst sich lediglich schĂ€tzen. Der Markenverband geht davon aus, dass er wegen der hohen Dunkelziffer weit ĂŒber den offiziellen Zahlen liegt - bei rund acht Milliarden Euro pro Jahr. Jede Woche erreichten etwa 144.000 Pakete mit FĂ€lschungen das Land.

Die TĂ€ter bleiben meist straffrei, nur 0,74 Prozent der aufgegriffenen FĂ€lschungen endeten zuletzt in gerichtlichen Verfahren. Beschlagnahmte Waren werden vernichtet.

Laut EUIPO erleichtern technische Fortschritte die Herstellung und Verbreitung immer raffinierterer FĂ€lschungen. Begrenzte KontrollkapazitĂ€ten und der stark wachsende Onlinehandel machten "proaktive Maßnahmen dringend erforderlich".

Was tun gegen FĂ€lschungen?

Markenverband und Handelsverband Deutschland (HDE) drĂ€ngen auf stĂ€rkere Kontrollen und eine klare Haftung der Online-Plattformen. Sie fordern mehr Personal und bessere Ausstattung fĂŒr Zoll und MarktĂŒberwachung, die Abschaffung der Zollfreigrenze von 150 Euro und eine Anmeldepflicht fĂŒr jedes Paket. Zudem soll es verboten werden, entfernte FĂ€lschungen wieder online einzustellen.

"Wer hierzulande Waren verkauft, muss sich an die hiesigen Regeln halten. Ansonsten blutet in diesem unfairen Wettbewerb der heimische Einzelhandel aus", sagt HDE-PrÀsident Alexander von Preen. Rund 64.000 ArbeitsplÀtze seien bedroht.

Was können betroffene Verbraucher machen?

Wer ein gefĂ€lschtes Produkt erhĂ€lt, kann Anzeige erstatten. Markenverband und VerbraucherschĂŒtzer raten außerdem, beim Kauf ĂŒber eine Online-Plattform den Betreiber zu informieren. Der Erwerb einer FĂ€lschung ist in den meisten EU-Staaten nicht grundsĂ€tzlich strafbar, der Weiterverkauf jedoch verboten. Inhaber von Markenrechten können juristisch gegen Hersteller und VerkĂ€ufer vorgehen.

GefĂ€lschte Produkte stellen fĂŒr KĂ€ufer sogar ein Risiko dar. Bei der Herstellung könnten gesundheitsschĂ€dliche Substanzen verwendet worden sein. Sicherheitsstandards fehlen und auch eine Produkthaftung gibt es nicht.

@ dpa.de