ROUNDUPHantavirus, Schiffspassagiere

Vier Schiffspassagiere nach Deutschland gebracht

11.05.2026 - 11:25:22 | dpa.de

Vier in die Niederlande ausgeflogene deutsche Passagiere des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs sind nach Deutschland gebracht worden.

Ein Sprecher der Uniklinik Frankfurt bestĂ€tigte am Morgen die Ankunft des sogenannten Sonderisoliertransports. In der Klinik sollten die Passagiere zunĂ€chst weiter untersucht und beobachtet und anschließend zur vorsorglichen QuarantĂ€ne in die jeweiligen BundeslĂ€nder gebracht werden. Über die konkreten Maßnahmen dort entscheiden die zustĂ€ndigen GesundheitsĂ€mter.

Ein weiterer deutscher Passagier wurde nach Großbritannien geflogen, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete. Der Deutsche, der in Großbritannien lebe, sei zusammen mit 20 britischen StaatsbĂŒrgern und einem Japaner zum Arrowe Park Hospital auf der Halbinsel Wirral im Nordwesten Englands gebracht worden.

Einer der deutschen Passagiere soll in die Berliner CharitĂ© gebracht werden. Nach Angaben der zustĂ€ndigen Berliner Senatsverwaltung fĂŒr Gesundheit zeigt die Person bisher keine Symptome und kommt "aus der Region Berlin-Brandenburg". Eine symptomfreie deutsche Kontaktperson soll in Baden-WĂŒrttemberg in hĂ€usliche QuarantĂ€ne gehen. Das teilte das Sozial- und Gesundheitsministerium in Stuttgart am Abend mit.

Unterdessen wurde eine Französin positiv auf das Virus getestet. Der Zustand der Frau habe sich in der Nacht verschlechtert, sagte Frankreichs Gesundheitsministerin StĂ©phanie Rist im Sender France Inter. Nach Angaben des US-Gesundheitsministeriums zeigte von den 17 Landsleuten, deren RĂŒckholung die Regierung organisierte, einer milde Symptome. Bei einem weiteren habe ein PCR-Test "mild positiv" angeschlagen. PCR-Tests können bereits eine sehr geringe Virenmenge nachweisen.

Am Sonntag waren erste SonderflĂŒge von der Kanareninsel Teneriffa - wo die "Hondius" nach mehreren Wochen auf See angelegt hatte - gestartet, um die Menschen vom Schiff aus insgesamt 23 Nationen unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimat zu bringen.

Weiterhin drei Tote und vergleichsweise wenig Nachweise

Das Andesvirus, der Virustyp, mit dem sich die Reisenden infizierten, gilt als wenig ansteckend von Mensch zu Mensch. Nötig ist Experten zufolge enger Kontakt ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum. Stand Sonntag hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sechs bestĂ€tigte Hantavirus-FĂ€lle und zwei VerdachtsfĂ€lle erfasst - es gab also vorerst keinen grĂ¶ĂŸeren Anstieg der Fallzahl. Drei dieser acht Personen waren gestorben: ein Ă€lteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine deutsche Frau.

Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederlĂ€ndischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt haben könnte. Da die Symptome denen verschiedener Atemwegserkrankungen Ă€hneln, war erst verzögert auf das Hantavirus getestet worden. Erst dann kamen strengere Isolierungs- und Überwachungsmaßnahmen in Gang. Dadurch war es zunĂ€chst zu einigen Folgeansteckungen gekommen.

RKI-Chef: Keine GefÀhrdung oder gar Pandemiegefahr

Der Chef des deutschen Robert Koch-Instituts sieht weiter keine Gefahr fĂŒr die Bevölkerung. Das Virus könne Menschen zwar sehr krank machen, sagte Lars Schaade am Sonntagabend im ZDF-"heute journal". "Aber die gute Nachricht ist eigentlich, das ist kein Virus, das sich verbreitet. Und insofern kann ich, glaube ich, sagen: Ich sehe eigentlich keine GefĂ€hrdung fĂŒr die Bevölkerung in Deutschland und auch keine Pandemie-Gefahr."

Mit Blick auf den dieser Tage oft gezogenen Vergleich mit dem Coronavirus sagte Schaade: "Das ist ein ganz anderes Virus, und die Gefahr ist ĂŒberhaupt nicht vergleichbar." Man kenne das Virus schon sehr lange und könne es deshalb sehr gut einschĂ€tzen. Das Coronavirus sei damals ein neues Virus mit spezifischen Eigenschaften gewesen. "Hier haben wir ein Virus, das wir seit 31 Jahren kennen."

Schaade sprach von sicherlich einigen Tausend FĂ€llen seit der Entdeckung 1995. "Und immer ist es gelungen, die Ausbruchssituation entsprechend unter Kontrolle zu bringen."

Diese EinschĂ€tzung teilt auch die EU-Gesundheitsbehörde ECDC: Selbst wenn es zu einer Übertragung des Andesvirus durch Passagiere kĂ€me, die vom Schiff evakuiert wurden, sei das Virus nicht leicht weiter ĂŒbertragbar, "so dass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen InfektionsfĂ€llen oder einem großflĂ€chigen Ausbruch in der Bevölkerung kĂ€me".

Mittlere einstellige Zahl deutscher Staatsangehöriger auf dem Schiff

Auf der "Hondius" waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 ReisegÀste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums war darunter eine mittlere einstellige Zahl deutscher Staatsangehöriger.

Die "Hondius" sollte nach Ausschiffung der Menschen mit einem Teil der Crew in Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fĂ€hrt. Erst nach der Ankunft im Hafen Rotterdam soll die an Bord gestorbene Deutsche vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffs soll in den Niederlanden erfolgen. Bis nach Rotterdam wird die "Hondius" rund fĂŒnf Tage unterwegs sein.

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