ROUNDUP, Spur

Keine heiße Spur nach Millionen-Coup - Klagen gegen Bank

28.01.2026 - 17:11:20 | dpa.de

Vier Wochen nach dem Millionen-Coup in einer Gelsenkirchener Sparkasse hat die Polizei trotz fieberhafter Suche mit rund 350 BeschĂ€ftigten noch keine heiße Spur.

Der GeschÀdigten-Anwalt Daniel Kuhlmann erhebt wÀhrenddessen scharfe Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen der Bank.

Er hat nach eigenen Angaben beim Landgericht Essen drei Musterklagen erhoben und fordert darin die volle Haftung fĂŒr die bei dem Einbruch entstandenen SchĂ€den. Bisher ist die Haftung fĂŒr den Inhalt der Bank-SchließfĂ€cher auf 10.300 Euro begrenzt, falls die Kunden nicht privat zusĂ€tzliche Versicherungen abgeschlossen haben.

3100 SchließfĂ€cher sind ausgerĂ€umt

Bei dem Einbruch Ende Dezember hatten die TĂ€ter mehrere Sicherheitssysteme ĂŒberwunden und sich direkt in den Tresorraum der Sparkassen-Filiale gebohrt. Dort rĂ€umten sie rund 3.100 KundenschließfĂ€cher aus. Der Gesamtschaden wurde kurz nach dem Einbruch von der Polizei auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag geschĂ€tzt, er könnte aber auch noch wesentlich höher liegen.

Die Polizei hat nach ihren Angaben schon mehrere Hunderttausend GegenstĂ€nde vorsortiert, die die TĂ€ter im Tresorraum zurĂŒckließen. Viele seien durch die TĂ€ter aber durch Chemikalien kontaminiert worden, so dass sie nicht mehr auf Spuren untersucht werden könnten.

Polizei kommt bei Ermittlungen und Vernehmungen voran

Zugleich ist die Polizei bei der Vernehmung der Schließfachbesitzer, von Nachbarn der Sparkasse und Mitarbeitern der Bank deutlich weitergekommen. Allein mehr als 840 Kundinnen und Kunden wurden vernommen. Rund 600 Hinweisen geht die Polizei nach. "Die richtig heiße Spur ist aber nicht dabei", sagte ein Sprecher.

Der klagende Anwalt hat einen renommierten SachverstĂ€ndigen fĂŒr Sicherungssysteme in Banken beauftragt. Dieser komme zu dem Schluss, dass der Einbruch mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" hĂ€tte verhindert werden können, wenn die Bank Schutzvorkehrungen auf dem Stand der Technik gehabt hĂ€tte, sagte Kuhlmann.

Anwalt kritisiert Sicherungsvorkehrungen

Stand der Technik seien laut dem SachverstĂ€ndigen etwa Bewegungsmelder fĂŒr den Tresorraum und ein sogenannter Wandschutz. Letzteres sei eine netzartige Innenauskleidung des Tresorraums, die beim Durchbohren sofort Alarm schlage. Alternativ oder zusĂ€tzlich seien auch stĂŒndliche PatrouillengĂ€nge rund um den Tresorraum möglich, so Kuhlmann.

Die Sparkasse hatte bisher Kritik zurĂŒckgewiesen. Die Filiale mit dem Schließfachraum sei "nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert", hatte sie betont. Zu den konkreten VorwĂŒrfen nahm die Bank zunĂ€chst keine Stellung. Die Sparkasse habe die Klagen bisher nicht zugestellt bekommen und könne sich deshalb noch nicht zu den VorwĂŒrfen Ă€ußern, erklĂ€rte eine Sprecherin.

Anwalt: fast 400.000 Euro in einem Schließfach

In den drei FĂ€llen, die der Anwalt fĂŒr Musterklagen herausgegriffen hat, enthielten die SchließfĂ€cher nach seinen Angaben deutlich höhere Werte als die maximale Versicherungssumme: Im Fall eines KlĂ€gers gehe es um fast 400.000 Euro, die aus dem Verkauf einer Eigentumswohnung stammten und die einzige Altersabsicherung der betroffenen Person seien.

Die beiden anderen KlĂ€ger hĂ€tten im zweiten Fall Bargeld, eine Rolex-Uhr und Schmuck im Wert von insgesamt rund 120.000 Euro, im dritten Fall Gold fĂŒr knapp 50.000 Euro angegeben. Alle drei FĂ€lle seien bestens belegt mit Quittungen und teils mit Augenzeugen fĂŒr die Einlagerung.

Warum ging kein Einbruchsalarm los?

Die Einbrecher hatten sich bei der Tat lange Zeit - mindestens mehrere Stunden - in der Bank aufgehalten, ohne Alarm auszulösen. Wie den Einbrechern dies gelang, ohne den Einbruchsalarm der Bank auszulösen, gilt als zentrale Frage bei den Ermittlungen.

Der Anwalt steht nach eigenen Angaben in Kontakt mit etwa 600 GeschĂ€digten des Sparkassen-Einbruchs, die sich möglicherweise von ihm vertreten lassen wollten. Sein Ziel sei keine Klagewelle, sondern ein sinnvoller Vergleich oder möglicherweise auch ein gerichtliches Mediationsverfahren, versicherte der Anwalt in einer Mitteilung. Die Mandanten wollten möglichst zĂŒgig entschĂ€digt werden.

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