Produktion/Absatz, Wettbewerb

Ein Toter bei Flugzeugabsturz in Litauen - Ursachensuche

25.11.2024 - 11:41:41

VILNIUS - Beim Absturz eines Frachtflugzeugs im Auftrag des Postdienstleisters DHL DE0005552004 ist am frĂŒhen Morgen kurz vor der geplanten Landung in der litauischen Hauptstadt Vilnius ein Mensch ums Leben gekommen.

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VILNIUS (dpa-AFX) - Beim Absturz eines Frachtflugzeugs im Auftrag des Postdienstleisters DHL DE0005552004 ist am frĂŒhen Morgen kurz vor der geplanten Landung in der litauischen Hauptstadt Vilnius ein Mensch ums Leben gekommen. WĂ€hrend zahlreiche RettungskrĂ€fte an der UnglĂŒcksstelle im Einsatz waren, begann die Suche nach der Ursache. Es gebe bislang keine Hinweise darauf, dass sich bei dem Absturz um Sabotage oder einen Terroranschlag gehandelt habe, sagte der litauische Verteidigungsminister Laurynas Kasciunas vor Journalisten. Die Ermittlungen könnten "etwa eine Woche dauern".

Die EinsatzkrÀfte wurden um 5.31 Uhr Ortszeit alarmiert. Insgesamt befanden sich vier Personen in dem Flugzeug. Bei dem Todesopfer soll es sich um einen Insassen mit spanischer NationalitÀt, teilten Polizei und Rettungsdienste mit. Ein Deutscher, ein weiterer Spanier und ein Litauer wurden verletzt. Zum gesundheitlichen Zustand der Verletzten machten die Behörden zunÀchst keine weiteren Angaben. Zum Alter der Insassen gebe es noch keine gesicherten Informationen, erklÀrte die Polizei laut litauischer Nachrichtenagentur Elta.

Die Maschine, die in Leipzig gestartet war, stĂŒrzte knapp neben einem WohngebĂ€ude mit schlafenden Menschen ab. Diese konnten aus dem brennenden GebĂ€ude gerettet werden. Zahlreiche RettungskrĂ€fte waren an der UnglĂŒcksstelle im Einsatz.

Auch deutsche Sicherheitsbehörden ermitteln

Verteidigungsminister Kasciunas sagte, erst, nachdem die ermittelnden Beamten mit den ĂŒberlebenden Besatzungsmitgliedern gesprochen und den Flugschreiber ausgewertet hĂ€tten, werde klar sein, was geschehen sei. Auch in Deutschland ermitteln die Sicherheitsbehörden. Man stehe dazu "im engen Austausch mit den beteiligten Stellen im In- und Ausland, um den Sachverhalt schnellstmöglich aufzuklĂ€ren", hieß es in deutschen Sicherheitskreisen.

Bei dem abgestĂŒrzten Frachtflugzeug handelte es sich um eine Maschine der spanischen Fluggesellschaft Swift Air, wie DHL mitteilte. Swift Air sei unter Vertrag fĂŒr DHL tĂ€tig. Etwa einen Kilometer vor dem Flughafen von Vilnius habe die Besatzung eine Notlandung einleiten mĂŒssen. "Unsere Gedanken sind bei ihnen und ihren Angehörigen", sagte ein DHL-Sprecher.

Nach Angaben der Vertriebs- und Marketingleiterin von DHL Litauen handelte es bei dem Flugzeug um eine Boeing US0970231058 737. Transportiert habe die Maschine Pakete fĂŒr Kunden, sagte sie der Nachrichtenagentur BNS. Auf Bildern von der Unfallstelle waren vereinzelt Pakete und kaputte Kartons zu sehen. Das Flugzeug sei völlig zerstört, sagte eine Sprecherin des litauischen Rettungsdienstes der Nachrichtenagentur Elta.

Was fĂŒhrte zu dem UnglĂŒck?

Auch Polizeichef Arunas Paulauskas machte keine Hoffnung auf umgehende Antworten mit Blick auf die Frage, was zum Absturz gefĂŒhrt habe. Die Besichtigung des Tatorts, die Beweisaufnahme und die Sammlung von Informationen und Objekten könne eine ganze Woche dauern. "Diese Antworten werden nicht so schnell kommen", sagte er auf einer Pressekonferenz.

Das Flugzeug habe versucht zu landen und die Landebahn nicht erreicht, schilderte Paulauskas. Der Absturz sei "höchstwahrscheinlich auf einen technischen Fehler oder ein menschliches Versagen zurĂŒckzufĂŒhren". Zugleich sagte er auf die Nachfrage, ob es sich auch um einen Terroranschlag gehandelt haben könnte, dass ein solches Szenario nicht auszuschließen sei. "Dies ist eine der Versionen des Absturzes, die untersucht und ĂŒberprĂŒft werden mĂŒssen. Es liegt noch viel Arbeit vor uns."

Der Chef des litauischen Nachrichtendienstes, Darius Jauniskis, sagte nach Angaben litauischer Medien: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nach unserem Kenntnisstand wahrscheinlich zu frĂŒh, um den Vorfall mit irgendetwas in Verbindung zu bringen oder ihm irgendwelche Zuschreibungen zu geben." Dazu lĂ€gen auch keine vorlĂ€ufigen Informationen vor. Auch er sagte, die Möglichkeit von Terrorismus könne aber nicht ausgeschlossen werden. Jauniskis versicherte außerdem, dass man auch mit auslĂ€ndischen Partnern zusammenarbeite.

"Alles rot und voller Funken"

Der Leiter des litauischen Rettungsdienstes, Renatas Pozela, sagte, dass das Frachtflugzeug wenige Kilometer vor dem Flughafen abgestĂŒrzt sei, mehrere hundert Meter weit schlitterte und seine TrĂŒmmer ein Wohnhaus erfassten. Das Haus habe zwei Etagen und vier Wohnungen. Drei Familien hĂ€tten darin gelebt. Alle zwölf Bewohner seien in Sicherheit.

Eine Frau, die in der NĂ€he des betroffenen Hauses wohnt, berichtete im litauischen Rundfunk, dass sie am frĂŒhen Morgen durch ein GerĂ€usch geweckt worden sei: "Ich habe im Schlaf ein GerĂ€usch gehört, ich schaue aus dem Fenster - alles war rot und voller Funken". Sie sei sofort losgerannt, um zu sehen, ob jemand Hilfe brauche. Sie stehe unter Schock: "Schrecklich, schrecklich" sei das Ganze.

Ein Nachbar erzĂ€hlte, dass er am frĂŒhen Morgen einen Lichtblitz im Hof gesehen habe: "Es gab einen Blitz. Den Aufprall selbst habe ich nicht gesehen, aber der Blitz war sehr hell, er erleuchtete den ganzen Hof, und er war etwa einen Kilometer von mir entfernt. Und dann erschien das Feuer und es gab eine Menge Rauch."

Deutsche Sicherheitsbehörden warnten

Ende August war bekannt geworden, dass deutsche Sicherheitsbehörden vor "unkonventionellen BrandsĂ€tzen" warnen, die von Unbekannten ĂŒber Frachtdienstleister verschickt werden. Das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz (BfV) und das Bundeskriminalamt (BKA) verschickten seinerzeit einen entsprechenden Warnhinweis an Unternehmen aus der Luftfahrt- und Logistikbranche.

Die Warnmeldung wurde in Sicherheitskreisen unter anderem mit einem Vorfall im DHL-Logistikzentrum Leipzig in Verbindung gebracht, das als weltweites Drehkreuz des Unternehmens fungiert. Dort soll im Juli ein aus dem Baltikum verschicktes Paket Feuer gefangen haben, das einen Brandsatz enthielt.

In der Warnmeldung von BfV und BKA kam das Wort Russland nicht vor. Dennoch wird in Sicherheitskreisen ein Zusammenhang mit den zunehmenden FĂ€llen russischer Sabotage in Deutschland nicht ausgeschlossen.

@ dpa.de | DE0005552004 PRODUKTION/ABSATZ