Volkswagen, Aktie

Volkswagen Aktie: Geteiltes Bild

27.01.2026 - 18:27:33

Ein neues EU-Indien-Abkommen erleichtert VW den Marktzugang, während operative Probleme in den USA und Verzögerungen bei der Rivian-Softwarekooperation die Stimmung belasten.

Ein historisches Freihandelsabkommen öffnet Volkswagen den Zugang zu einem der schwierigsten Automärkte der Welt – gleichzeitig bremsen operative Probleme in den USA und Verzögerungen in der Software-Sparte die Stimmung. Der Titel schwankt damit zwischen neuen Wachstumschancen in Indien und erhöhter Unsicherheit in Nordamerika und beim Technologiethema Software. Wie ordnen sich diese gegenläufigen Signale ein?

Indien-Abkommen als strategische Chance

Mit dem neuen Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien fällt eine zentrale Markteintrittsbarriere. Der bislang extrem abgeschottete indische Automarkt öffnet sich spürbar für europäische Hersteller.

Kernpunkte des Deals:

  • Importzölle für europäische Pkw sinken von bis zu 110 % auf 10 %
  • Kontingent: bis zu 250.000 Fahrzeuge pro Jahr
  • Elektrofahrzeuge zunächst fünf Jahre von der Zollsenkung ausgenommen

Für Volkswagen bedeutet das: Premium- und höherpreisige Verbrennermodelle werden in Indien deutlich wettbewerbsfähiger. Bisher machten die hohen Zölle importierte Fahrzeuge in vielen Fällen schlicht zu teuer. Nun verbessert sich die Kalkulationsbasis spürbar, insbesondere im oberen Segment, in dem deutsche Hersteller traditionell stark sind.

Allerdings bleibt ein wichtiger Zukunftsbereich außen vor. Elektrofahrzeuge profitieren in den ersten fünf Jahren nicht von der Zollsenkung. Das schützt zwar die lokale Industrie, verlangsamt aber gleichzeitig den Aufbau eines profitablen EV-Imports für europäische Hersteller. Für Volkswagen dürfte der Fokus zunächst klar auf klassischen Verbrenner- und Hybridfahrzeugen liegen.

US-Geschäft unter Vorzeichen der Unsicherheit

Während sich in Indien neue Türen öffnen, wird das Umfeld in den USA schwieriger. Konzernchef Oliver Blume stoppte vorerst neue Investitionsprojekte in den Vereinigten Staaten. Auslöser ist die weiter protektionistische Ausrichtung der US-Handelspolitik, die geplante Expansionen wirtschaftlich weniger attraktiv erscheinen lässt.

Zusätzlich kommen operative Themen hinzu. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA bestätigte einen Rückruf von 311 Fahrzeugen des Elektromodells ID.4. Grund sind Produktionsabweichungen bei Batteriezellen, die das Brandrisiko erhöhen können. Die betroffenen Module müssen ausgetauscht werden.

Der Umfang des Rückrufs ist begrenzt, dennoch zeigt der Fall, wie sensibel das Thema Sicherheit im E-Auto-Geschäft bleibt. Solche Meldungen können das Vertrauen in neue Modelle beeinträchtigen, auch wenn sie zahlenmäßig überschaubar sind.

Software und Rivian: Kooperation holpert

Parallel kämpft der Konzern mit Verzögerungen in einem strategisch wichtigen Zukunftsfeld. Die geplante Integration der Softwarearchitektur des US-Elektroautobauers Rivian in kommende Audi- und Porsche-Modelle läuft nicht nach Plan.

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Berichten zufolge kommt es bei der Zusammenarbeit zu Verzögerungen, die den gemeinsamen Zeitplan unter Druck setzen. CEO Blume hat daraufhin eine interne Taskforce eingesetzt, um die Rivian-Kooperation zu stabilisieren und technische Hürden gezielt abzuarbeiten.

Zusätzlichen Druck erzeugt die Entwicklung der Rivian-Aktie, die in den vergangenen Wochen rund 31 % an Wert verloren hat. Das schwächt den Partner an der Börse und erhöht die Erwartungen an eine zügige und belastbare Umsetzung der Kooperation.

Kursbild: Zwischen Unterstützung und Skepsis

An der Börse spiegelt sich das gemischte Nachrichtenbild in einer eher verhaltenen Kursentwicklung wider. Die Aktie liegt heute mit rund 0,3 % im Minus bei etwa 102,50 Euro und damit leicht unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 103,38 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein moderater Zuwachs von knapp 4 % zu Buche.

Auffällig: Mit einem 14-Tage-RSI von 27,8 notiert der Titel im überverkauften Bereich. Gleichzeitig liegt der Kurs rund 5,9 % über dem 200-Tage-Durchschnitt von 96,80 Euro. Das spricht für einen intakten mittelfristigen Aufwärtstrend, dem kurzfristig jedoch deutliche Zweifel entgegenschlagen.

Fazit: Chancen und Bremsfaktoren im Gleichgewicht

Unterm Strich prallen bei Volkswagen derzeit zwei Entwicklungen aufeinander. Das Indien-Abkommen eröffnet einen potenziell wichtigen Wachstumskanal im Verbrenner- und Premiumsegment, auch wenn Elektrofahrzeuge zunächst außen vor bleiben. Dem gegenüber stehen der Investitionsstopp in den USA, ein sicherheitsrelevanter – wenn auch kleiner – Rückruf sowie Reibungsverluste in der Rivian-Partnerschaft.

Für die Aktie ergibt sich damit ein Bild, in dem strategische Langfristchancen und operative Risiken eng beieinanderliegen. Kurzfristig dürfte vor allem die Frage entscheidend sein, ob der Konzern die Software-Themen und die US-Strategie in den kommenden Quartalen sichtbar stabilisieren kann, während er gleichzeitig beginnt, die neuen Möglichkeiten in Indien mit konkreten Modellen und Stückzahlen zu füllen.

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