Volkswagen Aktie: Gewinnsturz und Jobabbau
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 15:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Volkswagen klaffen zwei Geschichten auseinander: Der Gewinn bricht ein, die Kasse füllt sich. Das zweite Quartal zeigt, wie tief die Absatzkrise in China und eine teure Restrukturierung die Kernmarke treffen – während der freie Cashflow überraschend kräftig zulegt. Am Freitag reagierte die Aktie mit Kursverlusten auf die Zahlen und den gesenkten Umsatzausblick.
Gewinn deutlich unter den Erwartungen
Der Nettogewinn brach im zweiten Quartal um 32,9 Prozent auf 1,538 Milliarden Euro ein, nach 2,291 Milliarden Euro im Vorjahr. Das operative Ergebnis sank um 9,5 Prozent auf 3,469 Milliarden Euro, die operative Umsatzrendite rutschte auf 4,2 Prozent ab. Die Analystenschätzungen für das operative Ergebnis lagen mit 3,95 bis 4,3 Milliarden Euro klar darüber – Volkswagen verfehlte den Konsens damit deutlich.
Der Umsatz legte immerhin um 2,0 Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu. Die Stückzahlen erzählen jedoch eine andere Geschichte: Die Auslieferungen sanken im Quartal um 8,6 Prozent, die Produktion brach sogar um 13,4 Prozent ein. Für das Gesamtjahr kappte der Konzern seine Umsatzprognose von zuvor 0 bis plus 3 Prozent auf minus 3 bis 0 Prozent – die Margenzielspanne von 4,0 bis 5,5 Prozent bleibt dagegen bestehen.
China zwingt zum härteren Sparkurs
Der Einbruch hat einen klaren geografischen Schwerpunkt. In China, dem größten Einzelmarkt des Konzerns, brachen die Auslieferungen im Quartal um mehr als ein Drittel ein, während der Gesamtmarkt dort um 20 Prozent schrumpfte. Heimische Anbieter drängen mit über 500 neuen Modellen und kräftigen Preissenkungen in den Markt und verschärfen den Wettbewerbsdruck zusätzlich in Europa, wo sie ihre Exporte ausweiten.
CFO und COO Arno Antlitz sprach von einem weiteren Weckruf und machte deutlich, dass die bislang geplanten Maßnahmen nicht ausreichen. Volkswagen bestätigte inzwischen, bis zu 100.000 Stellen abzubauen – doppelt so viele wie zuvor kommuniziert. Als Begründung nannte das Management eine Kostenbasis, die rund 20 Prozent über der vergleichbarer Wettbewerber liegt. Für vier deutsche Werke – Hannover, Zwickau, Emden und das Audi-Werk Neckarsulm – hat der Konzern bislang keine alternative Nutzung gefunden, obwohl betriebsbedingte Kündigungen laut einer Vereinbarung mit den Gewerkschaften bis Ende 2030 ausgeschlossen bleiben sollen.
Cashflow und E-Auto-Nachfrage als Lichtblicke
Der Automotive-Nettocashflow drehte von minus 1,4 Milliarden Euro im Vorjahreshalbjahr auf plus 3,2 Milliarden Euro – eine Verbesserung um 4,5 Milliarden Euro, getrieben von geringeren Investitionen und strafferem Working Capital. Die Nettoliquidität im Automobilbereich lag zum Halbjahr bei 32,7 Milliarden Euro und damit innerhalb der eigenen Zielspanne.
Auch beim Elektroauto-Absatz in Europa zeigt sich Bewegung: Der Auftragsbestand für batterieelektrische Fahrzeuge legte um 57 Prozent auf 330.000 Einheiten zu, befeuert von der neuen Electric Urban Car Family mit den Modellen ID.Polo, ID.Cross, CUPRA Staval und Škoda Epiq, für die kurz nach Marktstart bereits über 70.000 Bestellungen eingingen. Zusätzlichen finanziellen Spielraum verschafft sich der Konzern über den Verkauf einer 51-Prozent-Beteiligung an der Finanzsparte Everllence für Erlöse von 7,4 Milliarden Euro, wobei Volkswagen 49 Prozent zunächst behält und mittelfristig einen vollständigen Ausstieg über einen Börsengang anstrebt.
Analysten bleiben vorsichtig
Bernstein Research beließ die Einstufung nach den Zahlen auf "Market-Perform" mit einem Kursziel von 100 Euro und wertete die bestätigte Margenspanne für 2026 positiv, trotz des eingetrübten Umsatzausblicks. Die Vorzugsaktie notierte am Freitagmittag bei 73,60 Euro und damit nicht weit über ihrem Jahrestief von 69,20 Euro, das Anfang Juli markiert wurde.
Für das zweite Halbjahr erwartet das Management eine Verbesserung gegenüber dem ersten – gestützt auf höhere Audi-Margen durch neue RS-, S-, Q7- und Q9-Modelle sowie geringere Restrukturierungskosten. Ob das reicht, um die Jahresmargenspanne von 4,0 bis 5,5 Prozent zu erreichen, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich das China-Geschäft stabilisiert und die neuen Elektromodelle in Europa Fahrt aufnehmen.
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