Volkswagen, Aktie

Volkswagen Aktie: Zukauf statt Eigenbau

02.07.2026 - 02:00:02 | boerse-global.de

Volkswagen beendet Software-Allianz mit Bosch und erwägt China-Importe für Europa. Ein Bruch mit alten Konzernprinzipien.

Volkswagen Aktie: Strategiewechsel hin zu Zukäufen
Volkswagen - Abstrakte Szene der Automobilindustrie, die strategische Übernahmen und Integration vor Eigenentwicklung darstellt. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Zwei Entscheidungen aus dieser Woche zeigen die gleiche Handschrift: Volkswagen kauft künftig lieber zu, statt selbst zu entwickeln. Sowohl bei Software fürs automatisierte Fahren als auch möglicherweise bei ganzen Fahrzeugmodellen. Ein Bruch mit Prinzipien, die im Konzern jahrzehntelang galten.

Aus für die Bosch-Allianz

Volkswagen und Bosch haben ihre gemeinsame Entwicklung automatisierter Fahrfunktionen offiziell beendet. Die "Automated Driving Alliance" war 2022 unter dem damaligen VW-Chef Herbert Diess gestartet, mit dem Ziel, eine Software-Plattform für Fahrerassistenzsysteme aufzubauen, die später auch anderen Herstellern angeboten werden sollte. Trotz Investitionen von rund 1,5 Milliarden Euro sei die Technik für hochautomatisiertes Fahren nach Level 3 nicht wettbewerbsfähig geworden, hieß es zur Begründung.

Vorstandschef Oliver Blume hält am Ziel fest, hochautomatisiertes Fahren nach Europa und Nordamerika zu bringen — künftig aber mit zugekaufter Hard- und Software statt Eigenentwicklung. Die bisher entwickelte Technik soll dennoch zum Einsatz kommen: Ersteinsatz ist beim Elektro-Einstiegsmodell ID.Every1, das 2027 in Portugal vom Band laufen und rund 20.000 Euro kosten soll. Der Cariad-Gesamtbetriebsrat kritisierte den Schritt scharf und warnte davor, Know-how und Wertschöpfung aus der Hand zu geben.

China als Blaupause für Europa?

Parallel dazu prüft Volkswagen laut mehreren Konzerninsidern, in China entwickelte Modelle der Kernmarke künftig auch in Europa zu verkaufen — und dort sogar zu produzieren. Im Gespräch sind unterausgelastete Werke wie Zwickau. Der Schritt würde mit einem jahrzehntealten Konzernprinzip brechen und könnte zur Blaupause für die gesamte deutsche Autobranche werden, sollte sich das Modell bewähren.

Beide Entwicklungen fallen in eine Phase, in der der Kostendruck im Konzern spürbar zunimmt. Einer Umfrage von Handelsblatt und der Beratungsgesellschaft Horváth zufolge planen 60 Prozent der deutschen Unternehmen Stellenabbau im Inland, um andere Standorte zu stärken — die Autobranche ist davon besonders betroffen. BYD-Berater Alfredo Altavilla bezeichnete die angekündigten Einsparungen bei Volkswagen auf einer Reuters-Automobilkonferenz in Frankfurt als "Weckruf" für die europäische Industrie, während chinesische Hersteller ihre Marktanteile in Europa ausbauen wollen.

Ob VW den China-Import tatsächlich umsetzt, ist noch offen — eine finale Entscheidung steht bislang aus. Fest steht bereits der Fahrplan für die neue Software-Strategie: Der ID.Every1 soll 2027 als erstes Modell mit der zugekauften Assistenztechnik in Serie gehen.

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