Zeitschriftenverleger: Verlust von Abos durch zu spÀte Postzustellung
02.02.2024 - 05:37:28Der BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Medienverbands der freien Presse (MVFP), Stephan Scherzer, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wenn die ZustellqualitĂ€t nicht stimmt, verlieren die Verlage bei verspĂ€teter Zustellung Abonnements." Die Zahl der Beschwerden nehme dann massiv zu. "Es gibt Phasen, in denen die Zustellung nicht funktioniert."
Scherzer ergĂ€nzte: "Das Abonnement ist zugleich fĂŒr Verlage immer wichtiger geworden." Diese Leserinnen und Leser seien die Treuesten der Treuen. Sie seien aber hochsensibel, wenn ihre Lieblingszeitschrift einen Tag oder zwei Tage spĂ€ter kommt als erwartet.
Zeitschriftenverleger sehen sich im Nachteil
Der Verbandsmanager sagte auch: "Bei der Zustellung von Abonnements ist die Post Quasi-Monopolist. Und der Wettbewerbsvorteil der Post gegenĂŒber den privaten Anbietern wird durch das Steuergeschenk noch ausgebaut - das ist nicht nachvollziehbar." Dabei bezog er sich auf die Postgesetz-Reform, in der die Bundesregierung dem Bonner Konzern mit einer RegelĂ€nderung Steuererleichterungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr gewĂ€hren will. Das wĂŒrde kleine Konkurrenten - hĂ€ufig regionale Briefdienste von Verlagen, die auch Zeitungen zustellen - stark unter Druck setzen.
Beim Bundesrat steht am Freitag eine Abstimmung auf dem Programm, um die Postion der LĂ€ndervertretung zu der Reform festzulegen. Die Regierung hatte vorgeschlagen, dass die Post bei der Zustellung von Sendungen - also von Briefen, aber auch von besagten Zeitschriften - kĂŒnftig weniger Zeitdruck haben soll. Derzeit muss die Post noch mindestens 80 Prozent der heute aufgegebenen Sendungen am nĂ€chsten Werktag zugestellt haben, kĂŒnftig soll es erst fĂŒr den dritten Werktag nach Einwurf einen Mindestwert geben, dann 95 Prozent. Briefe werden also lĂ€nger unterwegs sein. So kann der Konzern Kosten senken.
Unter den BundeslĂ€ndern war Kritik an der Steuererleichterung fĂŒr die Post lautgeworden. Nach dem Votum der LĂ€ndervertretung am Freitag ist der Bundestag am Zug und voraussichtlich im April noch einmal der Bundesrat.
Post weist Kritik zurĂŒck
Auch der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) kritisierte den Plan, wonach die Pflicht zur Zustellung der meisten Sendungen (80 Prozent) binnen eines Tages entfallen soll. Dies werde dazu fĂŒhren, dass nicht mehr alle Haushalte tĂ€glich beliefert werden, warnte der Verband. Jahrzehntelang sei es Teil des Anspruchs an den Universaldienst der Deutschen Post gewesen, dass alle Menschen in Deutschland die Presseprodukte ihrer Wahl am Erscheinungstag, tĂ€glich und zu einem erschwinglichen Preis erhalten. Dies werde nun infrage gestellt.
Der Bonner Konzern wies die Kritik als nicht nachvollziehbar zurĂŒck. "Es wird sowohl weiterhin eine werktĂ€gliche Zustellung geben als auch die Möglichkeit fĂŒr Kunden, ihre Briefe zu erschwinglichen Preisen am nĂ€chsten Tag zustellen zu lassen." Dass so eine schnellere Zustellung mehr kosten werde als eine langsamere, liege auf der Hand und werde mittlerweile in den meisten EU-Staaten so praktiziert.

