Vorstände, Sprintstart

Vorstände im Sprintstart: Warum Onboarding 2026 über Erfolg entscheidet

12.02.2026 - 11:30:12

Rentschler Biopharma und Commerzbank setzen auf externe Führungskräfte, die ohne klassische Schonfrist starten. Ein strukturiertes Preboarding wird zur rechtlichen Notwendigkeit.

Deutsche Konzerne setzen auf neue Führungskräfte in turbulenten Zeiten – doch deren Einarbeitung wird zum kritischen Wettlauf gegen die Uhr. Gleich zwei DAX-relevante Unternehmen, Rentschler Biopharma und die Commerzbank, haben diese Woche personelle Weichenstellungen verkündet, die einen klaren Trend markieren: Die klassische Schonfrist für neue Vorstände ist vorbei.

Rentschler und Commerzbank holen sich Verstärkung von außen

Am Mittwoch, den 11. Februar, positionierte sich Rentschler Biopharma SE neu. Der biopharmazeutische Auftragshersteller berief Dr. Veit Bergendahl zum neuen Vorstand für Operative Geschäfte (COO). Der Experte mit über 20 Jahren Branchenerfahrung tritt am 1. April die Nachfolge von Christiane Bardroff an. Seine Aufgabe: die globale Produktion und Prozessentwicklung in einer entscheidenden Wachstumsphase leiten.

Noch früher in der Woche zog die Commerzbank AG nach. Die Frankfurter Bank reorganisierte ihre Führung für das Firmenkundengeschäft („Mittelstandsbank“) und holte dafür zwei externe Top-Kräfte an Bord. Carmen Müller (bisher CFC Corporate Finance Contor) übernimmt am 1. März die Division „Süd“, Sascha Malsy (von der ING Deutschland) startet am 1. Juli als Chef der Region „Mitte/Ost“. Die Bank setzt in einer Phase strategischer Unabhängigkeitsbestrebungen bewusst auf frischen Wind von außen – und erhöht damit den Druck für eine reibungslose Integration.

Vom ersten Tag an voll handlungsfähig: „Preboarding“ ist Pflicht

Die traditionelle Eingewöhnungsphase von 100 Tagen gilt in der heutigen Transformations-Ära als Luxus. Personalexperten betonen stattdessen die Bedeutung des „Preboarding“. In der Zeit zwischen Vertragsunterzeichnung und offiziellem Start müssen neue Führungskräfte bereits vollständig informiert werden.

Für einen Manager wie Sascha Malsy, der bis Juli wartet, bedeutet das: Frühzeitiger Zugang zu sicheren Kommunikationskanälen, detaillierte Analysen der internen Machtstrukturen und ein sofortiges Eintauchen in regulatorische Vorgaben. Ein Beispiel ist die neue FiDA-Verordnung (Financial Data Access) für den Finanzsektor. Die Berufung von Nicola Breyer in den Beirat der wealthAPI am 11. Februar zeigt, dass Führungskräfte heute oft mit einem konkreten regulatorischen Mandat starten, das sofortiges Handeln erfordert.

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Hintergrund: Restrukturierung und persönliche Haftung

Die neuen Vorstände treten in ein Umfeld ein, das von tiefgreifenden Veränderungen geprägt ist. Unternehmen wie Thyssenkrupp AG, das am Donnerstag seine Zahlen für das erste Quartal 2025/2026 vorlegte, befinden sich mitten in harten Leistungsprogrammen wie „APEX“. Hier geht es nicht um behutsames Einarbeiten, sondern darum, sofort das Steuer in unruhigen Gewässern zu übernehmen.

Rechtsexperten weisen zudem auf das akute Haftungsrisiko für Vorstände hin. Der gesetzliche Schutz durch die „Business Judgment Rule“ greift nur, wenn Entscheidungen auf einer angemessenen Informationsgrundlage getroffen werden. Ein strukturiertes Onboarding ist daher keine nette Geste der Personalabteilung, sondern eine rechtliche Notwendigkeit. Es muss sicherstellen, dass neue Vorstandsmitglieder bei ihrer ersten Abstimmung bereits vollständig im Bild sind.

Ausblick: Künstliche Intelligenz beschleunigt die Einarbeitung

Der Onboarding-Prozess selbst unterliegt 2026 einem technologischen Wandel. Große deutsche Konzerne setzen zunehmend auf KI-gestützte Analysetools. Diese können Jahre an Protokollen, Strategiepapieren und Finanzberichten in prägnante Zusammenfassungen verdichten. So können neue Führungskräfte das institutionelle Wissen eines Unternehmens in Rekordzeit absorbieren.

Die Botschaft dieser Woche an Aufsichtsräte und Personalvorstände ist eindeutig: Die Suche endet nicht mit der Unterschrift. Der Erfolg hochkarätiger Berufungen – ob beim Biotech-Spezialisten in Laupheim oder der Großbank in Frankfurt – wird maßgeblich von der Qualität der Integrationsarchitektur abhängen, die in den kommenden Monaten um sie herum aufgebaut wird.

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