Warenhauskette Galeria stellt abermals Insolvenzantrag
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 16:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAbsatz, Verdi im 6. Absatz und Handelsexperten im 13. Absatz.)
DĂSSELDORF (dpa-AFX) - Die angeschlagene Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht DĂŒsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der GeschĂ€ftsbetrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen, teilte das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mit.
Der Antrag schaffe den rechtlichen Rahmen, um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen fĂŒr eine nachhaltige Zukunft zu schaffen, erklĂ€rte Galeria in einer Mitteilung. Zu den HintergrĂŒnden machte der Warenhausbetreiber auf Nachfrage zunĂ€chst keine weiteren Angaben. Ob und welche Standorte schlieĂen mĂŒssen, ist offen. Die rund 12.000 BeschĂ€ftigten wurden am Freitagvormittag informiert und mĂŒssen nun um ihre ArbeitsplĂ€tze bangen.
Ob sie Insolvenzgeld erhalten, ist unklar. Das Amtsgericht Essen hat die PlanĂŒberwachung fĂŒr Galeria nach der bislang letzten Insolvenz bislang nicht aufgehoben. Im Juni hatte ein Sprecher der Bundesagentur fĂŒr Arbeit gesagt: "Befindet sich ein Unternehmen weiterhin in der PlanĂŒberwachung, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden kann." Die ZahlungsunfĂ€higkeit des ursprĂŒnglichen Insolvenzfalles dĂŒrfe nicht mehr fortbestehen. Bei jeder PrĂŒfung mĂŒsse jedoch die konkrete Situation individuell betrachtet werden.
Das Amtsgericht DĂŒsseldorf bestĂ€tigte den Eingang des Insolvenzantrags. Weitere Angaben machte es zunĂ€chst nicht.
Der Gesamtbetriebsrat von Galeria wollte sich zunĂ€chst nicht Ă€uĂern. "Bitte haben Sie VerstĂ€ndnis dafĂŒr, dass wir zuallererst unsere Belegschaft im Blick haben", hieĂ es auf Anfrage der dpa.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beklagte "eine völlige Ungewissheit"fĂŒr die BeschĂ€ftigten. Schnelle AufklĂ€rung sei nötig, wie es fĂŒr die 12.000 BeschĂ€ftigten weitergehe, forderte die Verdi-Bundesfachbereichsleiterin Handel, Silke Zimmer.
Neue EigentĂŒmer seit 2024
FĂŒr Galeria ist es nach 2020, 2022 und 2024 der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Zahlreiche Filialen wurden infolge der zurĂŒckliegenden Verfahren geschlossen. Die GlĂ€ubiger verzichteten auf Milliardenforderungen, um der Warenhauskette den Weg aus der Krise zu ermöglichen.
Vor gut zweieinhalb Jahren hatte das Unternehmen, damals noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof, den bislang letzten Antrag gestellt. Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa.
Im Zuge der Insolvenz mussten damals neun der 92 WarenhĂ€user schlieĂen. Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen. Galeria verlegte seinen Sitz von Essen nach DĂŒsseldorf.
Vermieter beklagten ausbleibende Mietzahlungen
Knapp zwei Jahre spĂ€ter geriet die Kette erneut in die Negativschlagzeilen. Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Die GeschĂ€ftsfĂŒhrung verwies auf LiquiditĂ€tsschwankungen und rĂ€umte ein, Vermieter um eine Stundung gebeten zu haben.
Erst im Juni erhielt die Warenhauskette eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro. Das Geld dient unter anderem dazu, einen laufenden Kredit abzulösen und offene Mietzahlungen zu begleichen. Die Kreditlinie stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Sie ist durch die Ware von Galeria abgesichert und an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknĂŒpft, der weitere SchlieĂungen vorsieht.
Im Juli kĂŒndigte Galeria an, 33 WarenhĂ€user auf den PrĂŒfstand zu stellen und mit Vermietern ĂŒber Mietkonditionen zu verhandeln. Ohne tragfĂ€hige Lösungen sei die FortfĂŒhrung der jeweiligen Filiale gefĂ€hrdet, hieĂ es. Alle WarenhĂ€user mĂŒssten nachhaltig profitabel wirtschaften.
Handelsexperten halten trotz groĂer Skepsis einen Fortbestand des Warenhauskette unter bestimmten Bedingungen noch fĂŒr möglich. "40 bis 50 Standorte sind unter dem richtigen EigentĂŒmer und mit einer klar differenzierten Positionierung fortfĂŒhrungsfĂ€hig - aber nicht als Vollsortimenter wie bisher", sagte etwa der Handelsexperte Johannes Berentzen der dpa. "Lokal verankerte Konzepte mit Erlebnischarakter, ergĂ€nzenden Drittpartnern und AufenthaltsqualitĂ€t haben eine Zukunft." Finde sich aber kein strategischer Investor, der "wirklich" transformieren wolle, "reden wir ĂŒber eine geordnete Abwicklung".
Einzelhandel in der Krise
Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI sind die Erlöse des Unternehmens in den vergangenen Jahren, auch infolge der SchlieĂungen, deutlich gesunken. 2019 erzielte Galeria Karstadt Kaufhof mit 174 Filialen EHI zufolge einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro. Sechs Jahre spĂ€ter setzte Galeria demnach mit weniger als der HĂ€lfte der Standorte nur noch 2 Milliarden Euro um.
Die Bedeutung von Kauf- und WarenhĂ€usern im Einzelhandel ist in den vergangenen Jahren stark gesunken. Ihre Marktanteile sanken laut EHI seit 2020 von 4,2 Prozent auf zuletzt 1,2 Prozent. In diesen Zahlen sind neben Galeria unter anderem die Handelsketten MĂŒller und Woolworth enthalten.
Zwar gibt es noch kleinere Anbieter wie Breuninger, die KaDeWe-Gruppe und das Kaufhaus Stolz. Ein Aus fĂŒr Galeria wĂŒrde jedoch zugleich das Ende der Ăra klassischer WarenhĂ€user markieren.
Viele Insolvenzen in der Branche
Der Einzelhandel in Deutschland steht wegen der schwachen Konsumstimmung und des wachsenden Onlinehandels unter Druck. Nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade hat die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel ein Zehnjahreshoch erreicht. Zwischen Juni 2025 und Mai 2026 meldeten demnach gut 2.600 EinzelhÀndler Insolvenz an. Zuletzt kamen weitere prominente FÀlle hinzu.
So traf es unter anderem die Non-Food-Discounter Kodi und MĂ€c Geiz, die zahlreiche Filialen schlieĂen. Die Deko-Kette Depot stellt ihren GeschĂ€ftsbetrieb ein. Die Baumarktkette Hellweg wird ebenfalls abgewickelt, etliche Filialen werden von anderen HĂ€ndlern ĂŒbernommen, etwa von Bauhaus.
In den vergangenen Jahren haben bundesweit zehntausende GeschĂ€fte fĂŒr immer geschlossen, nicht nur infolge von Insolvenzen. Laut einer Prognose des Handelsverbands Deutschland dĂŒrfte die Zahl der GeschĂ€fte in diesem Jahr auf unter 300.000 sinken. Ende 2015 waren es noch etwa 372.000.
