ROUNDUP, Anschlag

Anschlag auf Bahngleis sollte vermutlich Zug sprengen

17.11.2025 - 16:18:21

WARSCHAU - In Polen haben Unbekannte einen Sprengstoffanschlag auf eine strategisch wichtige Bahnlinie verĂŒbt.

(neu: Durchgehend aktualisiert mit Zitaten des Innenministers.)

WARSCHAU (dpa-AFX) - In Polen haben Unbekannte einen Sprengstoffanschlag auf eine strategisch wichtige Bahnlinie verĂŒbt. Die polnische Regierung sprach von einem Sabotageakt. Sie geht davon aus, dass der Anschlag einem Zug galt. "Die Explosion unweit der Ortschaft Mika hatte höchstwahrscheinlich zum Ziel, einen Zug von Warschau nach Deblin in die Luft zu sprengen", sagte Polens Regierungschef Donald Tusk bei einem Besuch vor Ort. "GlĂŒcklicherweise ist es nicht zu einer Tragödie gekommen, aber die Sache ist sehr ernst."

Zuvor hatte Tusk auf X darĂŒber informiert, dass auf der Trasse von der Hauptstadt Warschau nach Lublin im Osten des Landes Gleise durch eine Sprengladung zerstört worden seien. Er sprach von einem beispiellosen Sabotageakt, der gegen die Sicherheit des polnischen Staates und die seiner BĂŒrger gerichtet sei. Man werde die TĂ€ter ausfindig machen - unabhĂ€ngig davon, wer ihr Auftraggeber sei, schrieb er auf X. HintergrĂŒnde der Tat blieben zunĂ€chst unklar, die Staatsanwaltschaft und der Geheimdienst ermitteln.

Zugverkehr auf Strecke rechtzeitig eingestellt - keine Verletzten

Innenminister Marcin Kierwinski sagte, es gebe sehr umfangreiches Beweismaterial, das es mit Sicherheit ermöglichen werde, "die TĂ€ter dieses schĂ€ndlichen Sabotageakts sehr schnell zu identifizieren". Er wies darauf hin, dass unter anderem Aufzeichnungen von Überwachungskameras aus der Umgebung sowie Materialien und GegenstĂ€nde sichergestellt wurden, die bei der Identifizierung der TĂ€ter helfen könnten.

Am Sonntagmorgen hatte der LokfĂŒhrer eines Zuges von Deblin (Woiwodschaft Lublin) nach Warschau bei der Ortschaft Mika ein stark beschĂ€digtes GleisstĂŒck bemerkt. Er alarmierte die Leitstelle, die daraufhin den Zugverkehr in diesem Streckenabschnitt vorĂŒbergehend einstellte. Weder FahrgĂ€ste noch Zugpersonal wurden verletzt. Die Ortschaft Mika liegt gut hundert Kilometer sĂŒdöstlich von Warschau.

Weitere BeschÀdigungen der Bahnstrecke entdeckt

Nach Angaben des Innenministers wurden danach am Sonntagabend zwei weitere VorfĂ€lle bestĂ€tigt. So sei an einer anderen Stelle entlang derselben Bahnstrecke die Stromleitung auf einer LĂ€nge von etwa 60 Metern beschĂ€digt worden. Einige Hundert Meter weiter habe man eine Metallklemme gefunden, die an den Gleisen angebracht war. Vorbeifahrende ZĂŒge hĂ€tten die Klemme durchtrennt. Auch hier laufen die Untersuchungen.

Der Vorstandsvorsitzende der polnischen Bahngesellschaft PKP sagte der Nachrichtenagentur PAP, die Sicherheitsvorschriften des Unternehmens hÀtten funktioniert, es sei niemand zu Schaden gekommen. Nach Informationen des Senders Radio Zet sollen bereits seit einigen Tagen bei Polens Bahn Hinweise auf die akute Gefahr von AnschlÀgen eingegangen sein, weshalb die PKP ihre Belegschaft in erhöhte Bereitschaft versetzt habe.

Über Polens Bahnnetz gehen MilitĂ€rtransporte in die Ukraine

Im EU- und Nato-Land Polen, das einer der engsten politischen und militĂ€rischen VerbĂŒndeten der von Russland angegriffenen Ukraine ist, herrscht seit Kriegsbeginn Angst vor russischen Sabotageakten. Besonders das Eisenbahnnetz gilt als mögliches Ziel, denn viele MilitĂ€rtransporte in die Ukraine laufen ĂŒber Polen in das Nachbarland. Die jetzt betroffene Strecke fĂŒhrt zum Grenzort Dorohusk und von dort weiter in die Ukraine.

Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Bahn hat Polens Regierung noch keinen Verdacht gegen Russland ausgesprochen. Jedoch machte sie im vergangenen Jahr russische Geheimdienste fĂŒr einen Großbrand in einem Einkaufszentrum in Warschau verantwortlich. Im Oktober wurden zudem acht Personen wegen des Vorwurfs, Sabotageakte geplant und Spionage betrieben zu haben, festgenommen.

@ dpa.de