Flugticketsteuer, Ringen

Was die gesenkte Flugticketsteuer bringt

Veröffentlicht am: 27.06.2026 um 10:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach langem Ringen hat der Bund die zuletzt 2024 erhöhte Luftverkehrsteuer wieder gesenkt.

Die neuen SĂ€tze treten pĂŒnktlich zur Feriensaison am 1. Juli in Kraft. Über die möglichen Folgen der Steuersenkung auch fĂŒr die Passagiere streiten sich die Beteiligten.

Was wurde beschlossen?

Die nach FluglĂ€nge gestaffelten SĂ€tze der Luftverkehrsteuer werden gesenkt. FĂŒr kĂŒrzere Inlands- und EuropaflĂŒge fĂ€llt der Satz um 2,50 Euro auf 13,03 Euro, fĂŒr Mittelstrecken (2.500 bis 6.000 Kilometer) um 6,33 Euro auf 33,01 Euro. Auf der Langstrecke werden kĂŒnftig 59,43 Euro fĂ€llig statt 70,83 Euro, also 11,40 Euro weniger. Der Bund verzichtet damit auf bis zu 355 Millionen Euro Einnahmen im Jahr. Sie sollen im Etat des Verkehrsministeriums gegenfinanziert werden. Zuletzt hatte das Aufkommen der Ticketsteuer 2,1 Milliarden Euro betragen.

Was soll mit der Senkung erreicht werden?

FlughĂ€fen und Airlines versprechen sich eine höhere Nachfrage und mehr Luftverkehr. Die vergleichsweise hohen staatlich verursachten Steuern und GebĂŒhren gelten ihnen als Hauptgrund, dass sich der Luftverkehr in Deutschland seit der Corona-Delle signifikant schwĂ€cher entwickelt hat als im ĂŒbrigen Europa. Vor allem innerdeutsche FlĂŒge wurden gestrichen. Aber auch Billigflieger wie Ryanair IE00BYTBXV33 meiden den deutschen Markt wegen der hohen Einstiegspreise und starten lieber von gĂŒnstigeren FlughĂ€fen beispielsweise in Polen oder Italien.

Kommt die Steuersenkung bei den Passagieren an?

Theoretisch ja, denn in der Logik der hochflexiblen Flugpreise werden Steuern und GebĂŒhren unverĂ€ndert an die Kunden durchgereicht und ausgewiesen. Allerdings könnten die vergleichsweise geringen EntlastungsbetrĂ€ge durch andere Preisbestandteile schnell wieder zunichtegemacht werden. So hat beispielsweise Eurowings eingerĂ€umt, dass Kostensteigerungen unter anderem fĂŒr Kerosin die Steuersenkung schnell ĂŒberlagern könnten. Die Ticketpreise sind zudem stark von Angebot und Nachfrage abhĂ€ngig.

Ist die Branche mit der Steuersenkung zufrieden?

Eindeutig nein. Freundlich ist noch, wer die Maßnahme als wichtigen ersten Schritt bezeichnet. Der neue Eurowings-Chef Max Kownatzki bezeichnete sie als "Tropfen auf dem heißen Stein". Sein VorgĂ€nger und BDL-PrĂ€sident Jens Bischof schlug wĂ€hrend des Iran-Kriegs die vollstĂ€ndige Aussetzung der Ticketsteuer vor, will zudem die Kosten bei der Flugsicherung und den Passagierkontrollen absenken. Am schĂ€rfsten Ă€ußern sich regelmĂ€ĂŸig Manager von Europas grĂ¶ĂŸtem Billigflieger Ryanair, der demnĂ€chst sieben Flugzeuge aus Berlin abzieht. Es bestehe kein ernsthafter Wille, den "kaputten" deutschen Luftverkehrsmarkt zu reformieren, sagt Airline-Chef Eddie Wilson.

Was sagen UmweltschĂŒtzer?

Prinzipiell kann ein höherer Ticket-Endpreis Kunden von einer Flugreise abschrecken, also die Nachfrage dĂ€mpfen. Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht daher in der Steuer eine ökologische Lenkungswirkung, die zudem andere Privilegien der Luftfahrt etwa beim unbesteuerten Kerosin zumindest abschwĂ€cht. Der Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz (BUND) hĂ€lt die Senkung fĂŒr "ein völlig falsches Zeichen". Notwendig sei eher eine höhere Abgabe, um die vom Flugverkehr verursachte LĂ€rm- und Schadstoffbelastung auszugleichen. Auch Lena Donat von Greenpeace lĂ€sst an der Absenkung kein gutes Haar: "Marktwirtschaftlich ist das unsinnig, klimapolitisch ist es Irrsinn."

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