ROUNDUP, Showdown

Showdown im Grönland-Konflikt? DÀnen treten in Washington an

14.01.2026 - 17:53:15

WASHINGTON/BRÜSSEL - US-PrĂ€sident Donald Trump will das zu DĂ€nemark gehörende Grönland unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten bringen - möglicherweise auch gegen den Willen der DĂ€nen und GrönlĂ€nder.

(neu: Trump-Äußerung)

WASHINGTON/BRÜSSEL (dpa-AFX) - US-PrĂ€sident Donald Trump will das zu DĂ€nemark gehörende Grönland unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten bringen - möglicherweise auch gegen den Willen der DĂ€nen und GrönlĂ€nder. Kommt es schon heute bei einem Treffen in Washington zum Showdown? FĂŒr die DĂ€nen und GrönlĂ€nder lĂ€sst vor allem die Anwesenheit eines US-Politikers nichts Gutes erwarten. Fragen und Antworten zur Lage im Überblick:

Worum soll es bei dem Treffen gehen?

Der dĂ€nische Außenminister Lars LĂžkke Rasmussen und die fĂŒr Außenpolitik zustĂ€ndige grönlĂ€ndische Ministerin Vivian Motzfeldt wollen den Amerikanern klarmachen, dass die USA keinen Anspruch auf Grönland haben und dass die grĂ¶ĂŸte Insel der Welt nicht zum Verkauf steht. Zudem werden sie vermutlich argumentieren, dass sich die strategischen Interessen Trumps auch anders befriedigen lassen können als ĂŒber einen Anschluss Grönlands an die USA.

Mit wem reden Rasmussen und Motzfeldt?

UrsprĂŒnglich war das GesprĂ€ch nur mit Außenminister Marco Rubio geplant. Kurzfristig wurde aber mitgeteilt, dass auch US-VizeprĂ€sident JD Vance teilnehmen wird. FĂŒr die GĂ€ste ist dies nicht unbedingt ein gutes Zeichen. Vance gilt im Gegensatz zu Rubio als Hardliner und als deutlich weniger diplomatisch. Er war auch maßgeblich daran beteiligt, dass es vor einem Jahr im Weißen Haus zu einem Eklat mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj kam. Vance hatte Selenskyj damals vor laufenden Kameras Undankbarkeit und Respektlosigkeit vorgeworfen.

Warum will Trump Grönland kontrollieren?

In öffentlichen Äußerungen begrĂŒndet Trump sein Interesse mit der strategischen Bedeutung der grĂ¶ĂŸten Insel der Welt, die zwischen den USA, Russland und Europa liegt und weit in den Polarkreis hineinragt. Das weitgehend autonome, aber zu DĂ€nemark gehörende Grönland mit seinen nur rund 57.000 Einwohnern ist unter anderem wegen seines Rohstoffreichtums und als Basis fĂŒr die militĂ€rische Kontrolle der Arktis interessant.

Zudem könnten sich mit dem Klimawandel zumindest im Sommer neue Schifffahrtsrouten ergeben. Trump verweist zudem auf die zunehmende PrĂ€senz russischer und chinesischer Schiffe in der Region und behauptet, DĂ€nemark sei nicht in der Lage, Grönland ausreichend zu schĂŒtzen.

Stimmt das mit der russischen und chinesischen PrÀsenz?

Ja, vor allem China macht westlichen MilitĂ€rs Sorgen. Der Oberbefehlshaber der Nato-StreitkrĂ€fte in Europa, Alexus G. Grynkewich, sagte jĂŒngst zu möglichen Bedrohungen durch China, das Land trete vor allem im hohen Norden immer aggressiver auf. So schickten die Chinesen Forschungsschiffe in die Region, die dann unter wissenschaftlichem Deckmantel vermutlich militĂ€rische Erkundungen vornĂ€hmen. In der jĂŒngsten eisfreien Jahreszeit seien Schiffe außerordentlich lange vor der NordkĂŒste Alaskas geblieben. Zudem gebe es gemeinsame Patrouillen mit den Russen.

Warum kĂŒmmert sich nicht die Nato um die Sicherheit Grönlands?

Das ist eine der Ideen, um die aktuelle Diskussion zu entschĂ€rfen. Mehrere BĂŒndnisstaaten haben sich zuletzt fĂŒr eine stĂ€rkere PrĂ€senz des BĂŒndnisses in der Region ausgesprochen - auch Deutschland. Im GesprĂ€ch ist dabei unter anderem der Start eines neuen Überwachungseinsatzes mit dem Namen "Arctic Sentry" (deutsch etwa: WĂ€chter der Arktis). Er soll den Amerikanern das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewĂ€hrleistet werden kann.

Hat die Initiative Aussichten auf Erfolg?

Das ist fraglich. Kurz vor dem Treffen in Washington wischte Trump den Vorstoß der EuropĂ€er nĂ€mlich im Prinzip vom Tisch. Die Nato-Mitgliedschaft des zum Königreich DĂ€nemark gehörenden Territoriums im Nordatlantik sei kein ausreichender Schutz fĂŒr Grönland, schrieb er.

Generell gilt, dass Nato-EinsĂ€tze nur gestartet werden können, wenn alle Alliierten zustimmen. Dabei stellt sich auch die Frage, ob es den USA bei ihrem Interesse an Grönland vielleicht weniger um Sicherheit als um Rohstoffe geht. In diesem Fall dĂŒrfte ein neuer Nato-Einsatz die Grönland-Debatte nicht beenden. FĂŒr dieses Szenario spricht, dass die DĂ€nen grundsĂ€tzlich nichts gegen eine US-MilitĂ€rprĂ€senz auf der Insel haben.

So betreiben die USA schon heute auf Grundlage von Abkommen mit DĂ€nemark die Pituffik Space Base auf der Insel. Dieser StĂŒtzpunkt unterstĂŒtzt unter anderem Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und WeltraumĂŒberwachungsmissionen.

Wie wird die militÀrische Drohkulisse der USA gesehen?

Dass die Trump-Regierung bislang auch militĂ€rischen Zwang nicht ausschließt, um die Kontrolle ĂŒber Grönland zu erlangen, sorgt in Europa fĂŒr große Beunruhigung. Als wahrscheinlich gilt aber, dass die Amerikaner dies nur als Drohkulisse einsetzen, um die Insel kaufen zu können.

US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt unterstrich zuletzt erneut, die USA wollten Grönland kaufen, weil andernfalls China oder Russland die Insel womöglich erwerben oder feindlich ĂŒbernehmen wĂŒrden. Es lĂ€ge "nicht nur im besten Interesse der Vereinigten Staaten, sondern möglicherweise auch im besten Interesse Grönlands, Teil der Vereinigten Staaten zu werden", sagte sie.

Was bedeutet der Konflikt fĂŒr die Nato?

FĂŒr die Nato ist die Grönland-Debatte höchst brisant. Einerseits muss das BĂŒndnis um seine GlaubwĂŒrdigkeit fĂŒrchten, wenn ein fĂŒhrendes Mitglied auf einmal androht, sich durch Zwang Gebiete eines anderen Nato-Staates einzuverleiben - vor allem auch mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und Chinas AnsprĂŒche auf Taiwan. Andererseits wĂ€re es fĂŒr die Nato ein Super-GAU, wenn die USA im Streit ĂŒber ein solches Thema aus dem BĂŒndnis austreten wĂŒrden, weil die Abschreckung der Nato vor allem auf dem Atomwaffenarsenal und der StĂ€rke der konventionellen StreitkrĂ€fte der USA beruht.

Und wenn die USA sich Grönland mit Gewalt einverleiben sollten?

Was dann passieren wĂŒrde, ist vollkommen unklar. Sicher ist nur, dass DĂ€nemark nicht den Nato-BĂŒndnisfall ausrufen könnte, weil dazu auch die USA zustimmen mĂŒssten. GrundsĂ€tzlich ist eine militĂ€rische Konfrontation sehr unwahrscheinlich, weil sich vermutlich niemand mit der mĂ€chtigsten MilitĂ€rmacht der Welt anlegen wĂŒrde.

DĂ€nemark könnte vermutlich auch nicht um die Aktivierung der in den EU-VertrĂ€gen enthaltenen Beistandsklausel bitten. Dies wĂ€re nach EinschĂ€tzung von ranghohen EU-Beamten nur möglich, wenn Grönland selbst EU-Mitglied wĂ€re. Die GrönlĂ€nder hatten 1982 allerdings fĂŒr den Austritt aus der damaligen EuropĂ€ischen Gemeinschaft (EG) gestimmt.

WĂ€re die Nato in diesem Fall Geschichte?

Die dĂ€nische Regierungschefin Mette Frederiksen warnte zuletzt, dass eine Grönland-Annexion der USA das Aus fĂŒr die Nato bedeuten wĂŒrde. Ob wirklich alle BĂŒndnisstaaten das so sehen, ist allerdings fraglich. Grund ist, dass die US-Atomwaffen noch immer eine starke Sicherheitsgarantie und Abschreckung sind, die derzeit niemand ersetzen kann. Vor allem die baltischen Staaten könnten ohne den Nato-Schutzschirm in grĂ¶ĂŸere Gefahr durch Russland geraten. Die GlaubwĂŒrdigkeit der Nato wĂ€re auf jeden Fall schwer beschĂ€digt.

@ dpa.de