Wegli, Datenschutzbehörden

Weg.li und Co.: Datenschutzbehörden verschÀrfen Kontrolle bei Anzeigen-Apps

17.01.2026 - 14:09:12

Der entscheidende Wandel betrifft die Einordnung der Bürger unter der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Laut einem aktuellen Bericht von Datenschutz-Praxis herrscht nun Einigkeit unter Behörden und Experten: Wer ein Falschparker-Foto schießt und anzeigt, handelt als “Verantwortlicher” im Sinne der DSGVO. Das ist eine grundlegende Änderung.

Bisher sahen sich viele Nutzer lediglich als Zeugen eines behördlichen Verfahrens. Jetzt trifft sie die volle rechtliche Verpflichtung eines Datenverarbeiters. Sie müssen sicherstellen, dass die Fotoaufnahme – inklusive möglicher abgebildeter Passanten – rechtmäßig, verhältnismäßig und auf das absolut Nötige beschränkt ist. Viele App-Nutzer seien sich dieser Pflichten nicht bewusst, so die Behörden.

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Urteil vom Oktober 2025 als Wendepunkt

Die verschärfte Kontrolle basiert auf einem Gerichtsurteil vom 15. Oktober 2025. Das Gericht stellte klar: Wer bewusst Beweisfotos sammelt und an Behörden übermittelt, wird zum “Herrn der Daten”. Die Ausnahme für “rein persönliche oder familiäre Tätigkeiten” greife hier nicht mehr.

Damit liegt die Beweislast bei der meldenden Person. Fotos, die mehr zeigen als nur das Kennzeichen und das konkrete Vergehen – etwa vorbeigehende Personen oder andere Fahrzeuge im Hintergrund – können bereits die Privatsphäre verletzen. Betroffene Autofahrer können dann ihrerseits Beschwerde gegen den Anzeigenden einreichen, was zu Verwarnungen oder sogar Bußgeldern führen kann.

Apps müssen nachrüsten – Nutzer umdenken

Die Konsequenzen treffen auch die Plattformen selbst. Apps wie weg.li, die das Erstellen standardisierter Anzeigen erleichtern, stehen unter Druck, ihre Technik nachzubessern. Die Aufsichtsbehörden prüfen konkret:

  • Automatische Anonymisierung: Werden Gesichter und fremde Kennzeichen vor dem Speichern oder Senden automatisch unkenntlich gemacht?
  • Löschkonzepte: Werden Fotos nach der Übermittlung sicher von den Servern und Nutzergeräten gelöscht?
  • Nutzeraufklärung: Werden die Nutzer klar über ihre Rolle als “Verantwortliche” und die rechtlichen Risiken informiert?

Bloße Hinweise in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen reichen künftig nicht aus. Die Behörden fordern aktive technische Maßnahmen, die Datenschutzverstöße von vornherein verhindern. Experten erwarten, dass Apps bald mit KI-gestützten Tools nachrüsten, die sensible Informationen automatisch erkennen und schwärzen.

Ausblick: Mehr Regeln, mehr Vorsicht

Für Nutzer heißt die Botschaft ab sofort: Das Recht, anzuzeigen, verpflichtet zum Schutz der Daten. Die Ära des gedankenlosen “Klick-und-Sende”-Prinzips ist vorbei. Stattdessen ist ein vorsichtiger, datensparsamer Umgang mit Beweisfotos gefordert.

Die Datenschutzkonferenz der Länder könnte noch 2026 einen verbindlichen Verhaltenskodex für solche Meldeprogramme erlassen. Bis dahin gilt erhöhte Vorsicht. Wer weiterhin anzeigen will, sollte sein Smartphone genau auf die Einstellung richten – und zwar wirklich nur auf das Vergehen.

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