Kuba, Notfallplan

Kuba reagiert mit drastischem Notfallplan auf US-Ölblockade

07.02.2026 - 10:43:10 | dpa.de

Weniger Busse, EinschrĂ€nkungen an Schulen und UniversitĂ€ten sowie ein reduziertes Urlaubsangebot fĂŒr Touristen: Kuba ergreift infolge der verschĂ€rften Spannungen mit der US-Regierung und ihres Ölembargos drastische Maßnahmen zur Einsparung von Treibstoff.

Wie die Regierung der sozialistischen Karibikinsel ankĂŒndigte, soll so das Wirtschaftsleben inklusive wesentlicher Dienstleistungen aufrechterhalten werden.

Washington habe im Zuge seiner "aggressiven Eskalation" gegen Kuba eine "Energie-Blockade" verhĂ€ngt, sagte der stellvertretende MinisterprĂ€sident Óscar PĂ©rez-Oliva zur BegrĂŒndung des Notfallplans. Mehrere Minister erlĂ€uterten die Maßnahmen am Freitagabend (Ortszeit) im Staatsfernsehen.

Seit Dezember erhĂ€lt Kuba kein Öl mehr aus Venezuela, da US-PrĂ€sident Donald Trump eine vollstĂ€ndige Blockade fĂŒr sanktionierte Öltanker mit Lieferungen aus dem sĂŒdamerikanischen Bruderstaat anordnete. Mit der Gefangennahme des venezolanischen Machthabers NicolĂĄs Maduro durch das US-MilitĂ€r am 3. Januar hat Havanna einen wichtigen VerbĂŒndeten verloren. Danach drohte Trump auch mit Zöllen gegen Kubas Öllieferanten. Mexiko, zuletzt Kubas grĂ¶ĂŸter Ölversorger, stellte seine Lieferungen ein.

Um Energie zu sparen, soll die öffentliche Verwaltung den Regierungsangaben zufolge nur noch von Montag bis Donnerstag tĂ€tig sein. Bus- und Bahnverbindungen sowie FĂ€hrfahrten werden stark eingeschrĂ€nkt. Beamte können in andere TĂ€tigkeitsbereiche versetzt werden, um EngpĂ€sse in wichtigen Wirtschaftsbereichen abzufedern. Die UniversitĂ€t von Havanna kĂŒndigte an, den PrĂ€senzunterricht fĂŒr 30 Tage weitgehend auszusetzen.

Touristen werden in andere Hotels verlegt

Auch Besucher aus dem Ausland sind in Teilen betroffen. Der Tourismus als wichtige Devisenquelle mĂŒsse geschĂŒtzt werden, das Angebot werde sich jedoch auf die Urlaubsziele mit der höchsten Nachfrage konzentrieren, sagte PĂ©rez-Oliva. Der Betrieb an den FlughĂ€fen soll gewĂ€hrleistet bleiben. Laut einem Bericht des Nachrichtenportals "14ymedio" wurden bereits vor der AnkĂŒndigung einige Hotels auf den paradiesischen Los-Cayos-Inseln vor der KĂŒste Kubas geschlossen und GĂ€ste in andere Einrichtungen gebracht.

Die aktuelle Krise auf der Insel wird mit der schwierigen Umbruchphase zu Beginn der 1990er Jahre verglichen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stĂŒrzte der Karibikstaat in seine bis dahin tiefste Wirtschaftskrise seit der Revolution unter Fidel Castro 1959. Das Bruttoinlandprodukt brach um mehr als ein Drittel ein, Öl wurde zur Mangelware. Mit Hilfe des ölreichen Partners Venezuela und der Einnahmen aus dem Tourismus fand Kuba erst einige Jahre spĂ€ter den Weg aus der Krise.

Aktuell ist die Ausgangslage laut Experten allerdings noch schlechter als damals. Die Kubaner leiden seit Jahren unter den Folgen systematischer Misswirtschaft und der verschÀrften Politik des mÀchtigen Nachbarn USA. StromausfÀlle hÀufen sich, das ElektrizitÀtsnetz ist wegen fehlender Investitionen marode, es fehlt an Lebensmitteln und Medikamenten. Infolge der Krise besuchen auch immer weniger Touristen die Insel.

de | boerse | 68560369 |