DAVOS / ROUNDUP: Kampfansage oder Schattenboxen - Wie reagiert EU auf Trump?
20.01.2026 - 17:02:29"Es ist nicht die Zeit fĂŒr neuen Imperialismus oder neuen Kolonialismus." Wen er damit meint, ist klar - auch wenn der Franzose Donald Trump nicht ein einziges Mal beim Namen nennt.
Heute ist der US-PrĂ€sident genau ein Jahr im Amt, morgen will er in Davos sprechen - eine Rede, auf die die ganze Welt blickt: Trump spricht dieser Tage offen ĂŒber eine Annexion Grönlands, droht VerbĂŒndeten mit Zöllen und will einen umstrittenen "Friedensrat" verwirklichen.
Das Weltwirtschaftsforum wird zum Krisengipfel - und aus Sicht der EuropÀer hÀtte man das Treffen in den Schweizer Bergen kaum besser choreographieren können. Heute hatten die von Trump in die Enge getriebenen EuropÀer die Chance, vorzulegen. Erst EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, dann Macron selbst. Er war zuletzt als schÀrfster Kritiker des US-PrÀsidenten aufgetreten. Auf Trump antworten kann dann einen Tag spÀter Bundeskanzler Friedrich Merz. Die EuropÀer könnten - Einigkeit vorausgesetzt - Trump quasi in die Zange nehmen.
Macron: Europa bevorzugt Rechtsstaatlichkeit statt BrutalitÀt
DafĂŒr legten Macron und von der Leyen vergleichsweise zahm vor - anders als der deutsche Vizekanzler Lars Klingbeil, der Trump direkt Erpressung vorgeworfen hatte. Von der Leyen verurteilte Trumps Vorgehen zwar, blieb im Ton aber eher mild. Macron sprach fĂŒr Europa: "Wir bevorzugen Respekt statt Tyrannen, wir ziehen Wissenschaft Verschwörungstheorien vor, und wir bevorzugen Rechtsstaatlichkeit statt BrutalitĂ€t." Doch sagte er nicht klar, ob er sich damit auf Trump bezog.
Den USA allgemein warf Macron vor, Europa schwÀchen zu wollen und sprach von einer "Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten durch Handelsabkommen, die unsere Exportinteressen untergraben, maximale ZugestÀndnisse verlangen und offen darauf abzielen, Europa zu schwÀchen und zu unterwerfen, verbunden mit einer endlosen AnhÀufung neuer Zölle, die grundsÀtzlich inakzeptabel sind, umso mehr, wenn sie als Druckmittel gegen die territoriale SouverÀnitÀt eingesetzt werden".
Die von Trump angekĂŒndigten Zusatzzölle gegen europĂ€ische Allliierte seien ein Fehler, sagte auch von der Leyen. Die Spannungen wĂŒrden nur genau denjenigen Gegnern helfen, die man möglichst von den strategischen Interessengebieten fernhalten wolle. Die EU werde deswegen entschlossen, aber mit AugenmaĂ reagieren.
Kommt die europÀische "Bazooka"?
Zölle zwischen VerbĂŒndeten ergĂ€ben einfach keinen Sinn, betonte Macron mit Blick auf Trumps Drohungen im Grönland-Konflikt. Er pochte erneut darauf, das EU-Gesetz zur Abwehr wirtschaftlicher Nötigung - die sogenannte Handels-Bazooka - als "mĂ€chtiges Instrument" zu nutzen. Damit lĂ€gen Gegenzölle sowie Ein- und AusfuhrbeschrĂ€nkungen fĂŒr Waren und Dienstleistungen auf dem Tisch. "Europa verfĂŒgt heute ĂŒber sehr wirksame Instrumente, und wir mĂŒssen sie einsetzen, wenn wir nicht respektiert werden und wenn ĂŒbrigens das gesamte Spiel nicht respektiert wird", warb Macron.
Europa möge zwar manchmal langsam und reformbedĂŒrftig sein, betonte der französische PrĂ€sident dann noch, aber es sei loyal. Hier könne man sich darauf verlassen, dass nach den Regeln zu spielen, bedeute den Rechtsstaat einzuhalten.
Von der Leyen sagte mit Blick auf die jĂŒngsten Entwicklungen: "Geopolitische Schocks können - und mĂŒssen - eine Chance fĂŒr Europa sein. Meiner Ansicht nach ist das Erdbeben, das wir gerade erleben, eine Chance, ja, in der Tat eine Notwendigkeit, eine neue Form der europĂ€ischen UnabhĂ€ngigkeit aufzubauen."
Erweitertes G7-Treffen mit Russland und DĂ€nemark?
Noch vor Macrons Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum hatte eine von Trump öffentlich gemachte private Textnachricht von Macron an den US-PrĂ€sidenten am Morgen fĂŒr Wirbel gesorgt. Der Franzose schlug Trump darin ein Treffen der G7-Staaten mit Russland und DĂ€nemark an diesem Donnerstag in Paris vor - Frankreich hat in diesem Jahr den G7-Vorsitz. Der ĂlysĂ©e-Palast bestĂ€tigte der Deutschen Presse-Agentur die Echtheit der Nachrichten, von denen der US-PrĂ€sident auf der Plattform Truth Social Bilder teilte.
Stundenlang blieb unklar, was aus dem Vorschlag wurde. Aus Kreisen des WeiĂen Hauses hieĂ es spĂ€ter, Trump habe zurzeit keine PlĂ€ne, nach Paris zu reisen.

