LogopĂ€den-Mangel verschĂ€rft Wartezeiten fĂŒr Patienten
19.06.2026 - 06:27:13 | dpa.deGrund dafĂŒr seien fehlende LogopĂ€dinnen und LogopĂ€den, sagte die PrĂ€sidentin des Deutschen Bundesverbandes fĂŒr LogopĂ€die, Dagmar Karrasch, der Deutschen Presse-Agentur. Um die Versorgung langfristig zu sichern, seien unter anderem politische Reformen nötig. Der Berufs- und Fachverband kommt heute (Freitag) zu einem zweitĂ€gigen Kongress in Weimar zusammen.
LogopĂ€den helfen bei Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckproblemen - sowohl bei Kindern, etwa bei Sprachentwicklungsstörungen und Stottern, als auch bei Erwachsenen, etwa bei Stimmstörungen oder neurologischen Erkrankungen. Sie zĂ€hlen laut der Bundesagentur fĂŒr Arbeit zu den sogenannten Engpassberufen. Nach aktuell verfĂŒgbaren Zahlen dauerte es demnach im Jahr 2024 im Schnitt 132 Tage, bis eine offene Stelle in der LogopĂ€die oder Sprachtherapie besetzt werden konnte.
Mehr Bedarf, weniger FachkrÀfte
Der Beruf leide unter vergleichsweise schlechter Bezahlung und mangelnder Anerkennung im Gesundheitssystem - bei gleichzeitig wachsender Nachfrage, sagte Karrasch. Wie viele Stellen derzeit unbesetzt sind, dazu liegen dem Verband jedoch keine fundierten Daten vor. Laut dem Heilmittelbericht der gesetzlichen Krankenversicherung wurden im vergangenen Jahr bundesweit mehr als 1,9 Millionen Verordnungen fĂŒr Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapien ausgestellt. Das entspricht einem Anstieg von 3,4 Prozent im Vergleich zu 2024. In ThĂŒringen lag das Plus mit 5,9 Prozent noch höher.
Die zum Teil sehr langen Wartezeiten fĂŒr Patienten fĂŒhrten zu verspĂ€teten Behandlungen und könnten die Erfolgsaussichten von Therapien verschlechtern, so die PrĂ€sidentin. GrĂŒnde fĂŒr den FachkrĂ€ftemangel sieht sie neben dem demografischen Wandel auch in unzureichenden Rahmenbedingungen. Die VergĂŒtung sei im europĂ€ischen Vergleich niedrig, die bĂŒrokratischen Anforderungen bei PraxisgrĂŒndung und Praxisbetrieb dagegen hoch. "Leider beobachten wir immer wieder, dass Therapeutinnen und Therapeuten ihren Beruf verlassen", bedauerte Karrasch.
Direkt zum Therapeuten?
Notwendig ist aus ihrer Sicht unter anderem eine grundlegende Reform des Berufsgesetzes fĂŒr LogopĂ€dinnen und LogopĂ€den. Es sei kaum nachvollziehbar, dass immer noch auf Grundlage eines Gesetzes von 1980 ausgebildet werde, kritisierte Karrasch. Zudem plĂ€dierte sie fĂŒr einen sogenannten Direktzugang, mit dem Patienten logopĂ€dische Leistungen ohne vorherige Ă€rztliche Verordnung in Anspruch nehmen könnten. "Der Effekt wĂ€re unserer EinschĂ€tzung nach eine zielgerichtetere und niedrigschwelligere Versorgung und auch eine Entlastung der Ărztinnen und Ărzte." Damit wĂŒrde auch das Berufsbild LogopĂ€die attraktiver.
Der Deutsche Bundesverband fĂŒr LogopĂ€die vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von rund 8.000 Mitgliedern.
