Western Digital Aktie: Bank of America hebt Kursziel auf 732 Dollar
Veröffentlicht am: 05.07.2026 um 12:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fast zehn Prozent Absturz an einem Tag, dann fast sechs Prozent Erholung am nächsten. Bei Western Digital wechseln sich Panik und Kaufrausch derzeit im Tagestakt ab. Der Grund: Anleger streiten, ob der Boom bei Festplatten für Rechenzentren echt ist oder nur heiße Luft.
Eine wilde Woche für Speicher-Aktien
Am Donnerstag brach die Aktie um 9,92 Prozent ein und schloss bei 539 Dollar. Ein Verlust von 59,37 Dollar an einem einzigen Handelstag. Auslöser war keine Unternehmensnachricht, sondern ein branchenweiter Ausverkauf bei Speicher- und Memory-Titeln.
Am Freitag drehte die Stimmung. Western Digital legte um 5,99 Prozent zu und schloss bei 500,00 Euro. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 2,87 Prozent, auf Monatssicht von 2,40 Prozent. Die 30-Tage-Volatilität liegt bei 102,60 Prozent annualisiert — ein Wert, der die Nervosität im gesamten Sektor widerspiegelt.
Bemerkenswert: Ausgerechnet während des Einbruchs hob Bank of America ihr Kursziel auf 732 Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung. Die Wall Street erhöht ihre Ziele also mitten in der Talfahrt — ein Signal, dass viele Analysten den Ausverkauf für übertrieben halten.
Strukturelles Wachstum oder heißgelaufener Zyklus?
Der Kern der Debatte: Handelt es sich um einen dauerhaften Wandel im Markt für Festplattenspeicher oder um einen überhitzten Zyklus? BofA-Analyst Mohan sieht die Angebotslage bei Festplatten als strukturell verändert. Die Nachfrage übersteige das Angebot, weiterer Preisspielraum sei vorhanden.
Auch das Management stützt diese These. Beim Evercore Global TMT Investorentreffen am 3. Juni äußerte sich Finanzchef Kris Sennesael ungewöhnlich konkret. Der Konzern habe „hohe Überzeugung, dass das Exabyte-Wachstum in den nächsten drei bis fünf Jahren über 25 Prozent liegen wird". Eine klare Ansage — und genau die Zahl, an der sich Optimisten festhalten.
Skeptiker halten dagegen: Die Bewertung sei den Fundamentaldaten vorausgeeilt. Das mediane Kurs-Gewinn-Verhältnis der Vergleichsgruppe liegt bei rund 13, Konkurrent Seagate als reinster Vergleichswert kommt auf etwa 34. Western Digital bewegt sich preislich also in ähnlichen Sphären wie sein einziger echter Wettbewerber.
Die Rechnung hinter dem aktuellen Kurs setzt voraus, dass die Margen bei Zusatzgeschäft über 70 Prozent bleiben und das Exabyte-Wachstum die 25-Prozent-Marke hält. Bremsen Hyperscaler wie Amazon oder Microsoft ihre Investitionen, könnte diese Prämie schnell wieder verschwinden.
Charttechnik zeigt neutrales Bild
Nach dem Freitagssprung notiert die Aktie rund 6,8 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 468,17 Euro. Zum Rekordhoch von 696,30 Euro, aufgestellt am 18. Juni, fehlen aber noch 28,19 Prozent. Der 14-Tage-RSI von 47,5 signalisiert weder Über- noch Unterverkauf — die Aktie bewegt sich nach dem Auf und Ab zwischen Donnerstagseinbruch und Freitagserholung derzeit in neutralem Terrain.
Der Blick auf die längere Frist zeigt das Ausmaß der Rally: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 212,07 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es 789,84 Prozent. Verglichen mit dem 52-Wochen-Tief von 54,61 Euro im Juli 2025 notiert die Aktie heute mehr als achtmal so hoch.
Die nächsten Quartalszahlen stehen erst in einigen Wochen an. Bis dahin dürfte die Richtung der Aktie vor allem von der generellen Stimmung im Speicher- und Memory-Sektor abhängen — insbesondere von neuen Signalen zu Investitionsplänen der großen Cloud-Anbieter und zur Preisentwicklung bei Hochkapazitäts-Festplatten für Rechenzentren.
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