ROUNDUP, Aufschwung

Deutsche Wirtschaft wÀchst leicht und hofft auf Aufschwung

15.01.2026 - 11:58:08 | dpa.de

WIESBADEN/BERLIN - Die Wirtschaft in Deutschland ist nach zwei Rezessionsjahren wieder leicht gewachsen.

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WIESBADEN/BERLIN (dpa-AFX) - Die Wirtschaft in Deutschland ist nach zwei Rezessionsjahren wieder leicht gewachsen. Die Hoffnung ruht nun auf einen von staatlichen Milliardeninvestitionen getragenen Aufschwung. FĂŒr 2025 errechnete das Statistische Bundesamt auf vorlĂ€ufiger Basis ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. Im Jahr 2023 (minus 0,9 Prozent) und 2024 (minus 0,5 Prozent) steckte Europas grĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft in der Rezession.

Im neuen Jahr dĂŒrften Milliardenausgaben fĂŒr Infrastruktur wie Straßen und Schienen sowie fĂŒr RĂŒstung fĂŒr Auftrieb sorgen. Helfen dĂŒrfte der Konjunktur auch, dass es 2026 mehr Arbeitstage gibt, weil mehr Feiertage auf ein Wochenende fallen.

Einen spĂŒrbaren Aufschwung erwarten viele Ökonomen allerdings erst ab 2027, wenn die gewaltigen Summen, die der Staat in die Hand nimmt, ihre volle Wirkung entfalten. Damit jedoch die Lockerung der Schuldenbremse und die so ermöglichten Ausgaben kein Strohfeuer erzeugen, seien Reformen zwingend.

Hoffen auf Trendwechsel

"Zu Jahresbeginn gibt es zumindest den Hoffnungsschimmer, dass wir die Talsohle endlich erreicht haben", sagte DIHK-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Helena Melnikov. "Es liegt allerdings noch ein weiter Weg vor uns, bis wir einen echten Aufschwung sehen werden."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, sprach von einer geringen Wachstumsausbeute. Die Hoffnung auf einen Trendwechsel 2026 sei dennoch berechtigt. So werde die Produktion wohl anziehen, zudem dĂŒrften sich Projekte aus den Infrastruktur-Sondervermögen in den AuftragsbĂŒchern niederschlagen. "Die deutsche Wirtschaft kann sich deshalb auf höhere Wachstumsraten freuen."

Jahresendspurt 2025

Zum Jahresende 2025 nahm die deutsche Wirtschaft bereits etwas Fahrt auf. Auf Basis vorlÀufiger Daten schÀtzen die Statistiker, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent zulegte.

"Das Wachstum ist vor allem auf die gestiegenen Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates zurĂŒckzufĂŒhren", sagte die PrĂ€sidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand, in Berlin.

Eine große Belastung fĂŒr die deutsche Wirtschaft ist die Zollpolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump. Die Exporte schrumpften 2025 im dritten Jahr in Folge (minus 0,3 Prozent), wĂ€hrend die Importe deutlich wuchsen (plus 3,6 Prozent). "Die Exportwirtschaft sah sich heftigem Gegenwind ausgesetzt durch die höheren US-Zölle, die Euro-Aufwertung und die stĂ€rkere Konkurrenz aus China", sagte Brand.

Zudem halte die InvestitionsschwĂ€che der Unternehmen an. Sowohl in AusrĂŒstungen, zu denen Maschinen, GerĂ€te und Fahrzeuge zĂ€hlen, als auch Bauten sei weniger investiert worden.

Industrie in der Krise

Vor allem die Industrie bekommt die Flaute zu spĂŒren. Dort wurde laut der Statistiker das dritte Jahr in Folge weniger erwirtschaftet. SchlĂŒsselbranchen wie Auto- und Maschinenbau verzeichneten Einbußen, energieintensive Branchen wie die Chemieindustrie unterschritten das niedrige Niveau der Vorjahre nochmals. RĂŒckgĂ€nge gab es auch im Baugewerbe, etwa wegen der Krise im Wohnungsbau.

Verbraucher geben mehr aus

GestĂŒtzt wurde die Wirtschaft dagegen vom Konsum der Verbraucher, die trotz gestiegener Preise, etwa fĂŒr Lebensmittel, um 1,4 Prozent zulegten. Besonders fĂŒr Gesundheit gaben sie mehr Geld aus, aber auch fĂŒr MobilitĂ€t, etwa fĂŒr Auto-KĂ€ufe.

Der Staatskonsum stieg 2025 mit plus 1,5 Prozent etwas noch stĂ€rker - vor allem, weil die Sozialversicherung mehr Geld fĂŒr Krankenhaus- und Arztbehandlungen, Medikamente sowie Pflege ausgab.

Die Wirtschaftsflaute trifft auch den Arbeitsmarkt, wenngleich er vergleichsweise robust bleibt. Im Jahresschnitt 2025 waren 46 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstÀtig. Damit kam der langjÀhrige Anstieg der ErwerbstÀtigenzahl zum Erliegen.

Das Bundeswirtschaftsministerium beurteilte die Lage insgesamt zurĂŒckhaltend. Mit dem Fiskalpakets dĂŒrfte sich die Konjunktur zwar stabilisieren und im Jahresverlauf an Dynamik gewinnen. JĂŒngste Daten signalisierten aber noch keine breite Belebung, so die EinschĂ€tzung.

"Historische Herausforderungen"

Deutlicher wird Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. "Wirtschaftlich war 2025 ein weiteres verlorenes Jahr fĂŒr Deutschland", meint er. Das kleine Wachstum hĂ€nge am privaten Konsum und den Staatsausgaben. "Die fĂŒr das langfristige Wachstum und die WettbewerbsfĂ€higkeit wichtigen Investitionen sind dagegen weiter gesunken." Dabei seien die Herausforderungen mit den US-Zöllen, Konkurrenz aus China und technologische Revolutionen historisch groß.

Staatsdefizit sinkt

Die steigenden Staatsausgaben zeigen sich auch in der Staatsquote - dem VerhĂ€ltnis der Staatsausgaben zur Wirtschaftsleistung: Sie lag 2025 bei 50,3 Prozent und stieg damit erstmals seit der Corona-Pandemie ĂŒber die 50-Prozent-Marke.

Insgesamt wuchsen die Einnahmen des Staates aber noch stÀrker als die Ausgaben. Nach vorlÀufigen Daten belief sich das Defizit von Bund, LÀndern, Gemeinden und Sozialversicherung auf rund 107 Milliarden Euro. Gemessen an der Wirtschaftsleistung betrug das Defizit 2,4 Prozent - nach 2,7 Prozent 2024.

Damit hielt Deutschland die europÀische Verschuldungsregel ein: Der europÀische StabilitÀts- und Wachstumspakt erlaubt ein Haushaltsdefizit von höchstens drei Prozent.

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