Wohnungsbau, Tiefpunkt

Wohnungsbau stürzt auf neuen Tiefpunkt

26.03.2026 - 07:01:03 | boerse-global.de

Die Zahl neuer Wohnungen in Deutschland könnte 2026 unter 200.000 sinken, weit unter dem politischen Ziel. Auftragsrückgänge und hohe Kosten bremsen den Markt, trotz leichter Verbesserung des Geschäftsklimas.

Wohnungsbau stürzt auf neuen Tiefpunkt - Foto: über boerse-global.de
Wohnungsbau stürzt auf neuen Tiefpunkt - Foto: über boerse-global.de

Die Zahl neuer Wohnungen in Deutschland droht in diesem Jahr unter 200.000 zu fallen. Das wäre nicht einmal die Hälfte des politisch angestrebten Ziels, warnt die IG BAU. Die Gewerkschaft spricht von einem kritischen Tiefpunkt.

Aufträge brechen dramatisch ein

Die aktuellen Zahlen geben der düsteren Prognose recht. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) meldete für Januar einen realen Auftragsrückgang von 4,3 Prozent im Bauhauptgewerbe. Im Wohnungsbau sackten die Bestellungen sogar um 15,5 Prozent ab. Die Nachfrage ist zu Jahresbeginn eingebrochen.

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Was treibt die Krise an? Die Gründe sind vielschichtig: explodierende Baukosten, gestiegene Zinsen und ein anhaltender Fachkräftemangel machen viele Projekte unrentabel. Genehmigte Vorhaben werden verschoben oder ganz gestrichen.

Ifo-Klima: Kleiner Hoffnungsschimmer, große Skepsis

Gibt es überhaupt Licht am Ende des Tunnels? Das ifo Institut verzeichnete im Februar eine leichte Aufhellung des Geschäftsklimas im Wohnungsbau. Die Unternehmen blickten etwas optimistischer in die Zukunft.

Doch die Experten mahnen zur Vorsicht. "Die Branche ist noch nicht über den Berg", betont ein ifo-Vertreter. Fast die Hälfte aller Firmen klagt über zu wenige Aufträge. Die Stornoquote stieg zuletzt sogar leicht an. Für das gesamte Bauhauptgewerbe verschlechterte sich die Stimmung im März deutlich.

Genehmigungen steigen – aber wann wird gebaut?

Ein paradoxer Hoffnungsträger sind die Baugenehmigungen. Für 2025 meldete das Statistische Bundesamt einen Anstieg um 10,8 Prozent auf 238.500 Wohnungen – der erste Zuwachs seit 2021. Die Bundesbauministerin wertet dies als Zeichen einer Trendwende.

Doch Experten warnen vor zu viel Optimismus. Ein genehmigtes Projekt ist noch lange kein gebautes Haus. Die Zeitspanne zwischen Genehmigung und Fertigstellung hat sich bei Mehrfamilienhäusern auf Rekordwerte von durchschnittlich 34 Monaten verlängert. Viele Vorhaben scheitern später an der Wirtschaftlichkeit.

Politik setzt auf Milliarden und "Bau-Turbo"

Die Bundesregierung versucht mit milliardenschweren Programmen gegenzusteuern. Für den sozialen Wohnungsbau stehen 2026 vier und 2027 fünf Milliarden Euro bereit. Geplant ist zudem eine umfassende Reform des Baugesetzbuches.

Der sogenannte "Bau-Turbo" soll Planungsverfahren beschleunigen. Kommunen sollen mehr Rechte erhalten, um gegen Schrottimmobilien vorzugehen – bis hin zu Instandsetzungsgeboten.

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Branche bleibt skeptisch, Erholung fern

Die Bauwirtschaft reagiert verhalten auf die politischen Ankündigungen. Branchenvertreter fordern verlässlichere Rahmenbedingungen und einen spürbaren Bürokratieabbau. Entscheidend sei, ob die Maßnahmen auch in echte Aufträge münden.

Die Prognosen bleiben düster. Für 2026 erwarten einige Experten sogar nur noch 175.000 Fertigstellungen. Das würde die Wohnungslücke weiter vergrößern und den Druck auf die Mietpreise erhöhen. Eine echte Entspannung am Markt ist nicht in Sicht.

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