Wohnungsmarkt: Weniger Mieten, kaum Wohnungen
Veröffentlicht am: 21.04.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDeutschlands Wohnungsmarkt steckt im FrĂŒhjahr 2026 in einem Paradox: Die Mieten steigen kaum noch, doch Wohnungen sind knapper denn je. Neue Daten zeigen einen drastischen RĂŒckgang regulĂ€rer Angebote in den StĂ€dten. Gleichzeitig breitet sich der teure möblierte Markt aus â und treibt die Politik zum Handeln.
Mietangebote brechen in StÀdten ein
Die klassische Wohnungssuche in der Stadt wird immer schwieriger. Seit 2015 ist die Zahl der regulÀren Mietinserate in 37 untersuchten Regionen um durchschnittlich 22 Prozent gesunken. Das belegt eine Analyse des IfW Kiel. Ende 2025 gab es deutschlandweit nur noch 250.000 bis 285.000 Angebote.
In einigen StĂ€dten ist die Lage dramatisch. In MĂŒnster und Potsdam brach das Angebot im Vergleich zu 2015 um mehr als die HĂ€lfte ein. Ein Grund: Immer mehr Vermieter setzen auf möblierte Wohnungen. In den acht gröĂten StĂ€dten hat sich deren Zahl seit 2015 mehr als verdreifacht.
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Der Deutsche Mieterbund kritisiert diese Entwicklung scharf. Die durchschnittliche Miete fĂŒr möblierte Wohnungen stieg von 15 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2012 auf 27 Euro im Jahr 2024. FĂŒr Mieter bedeutet das oft deutlich höhere Kosten.
Mietpreisbremse wird umgangen
MieterschĂŒtzer sehen in möblierten Angeboten einen Trick, die Mietpreisbremse zu umgehen. Ăber hohe AufschlĂ€ge fĂŒr Möbel und Ausstattung lassen sich die effektiven Kosten in die Höhe treiben. Bundesjustizministerin Hubig will das nun stoppen.
Ihr Plan: Der Möblierungszuschlag soll auf pauschal fĂŒnf Prozent der Nettokaltmiete begrenzt werden. Das soll Transparenz schaffen und ĂŒberhöhte Forderungen unterbinden. Ob das Gesetz kommt, ist jedoch noch offen.
Mieten steigen kaum noch â aber regional extrem unterschiedlich
Trotz des knappen Angebots zeigt die Preisdynamik erste ErmĂŒdungserscheinungen. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Angebotsmieten bundesweit nur noch um 0,5 Prozent. Real, also nach Abzug der Inflation, gab es sogar ein Minus von 0,1 Prozent.
Dennoch bleiben die Unterschiede gewaltig. MĂŒnchen ist mit 23,56 Euro pro Quadratmeter weiter die teuerste Metropole. Frankfurt folgt mit 17,71 Euro und Hamburg mit 16,35 Euro. Interessant: In Berlin sanken die Angebotsmieten zuletzt um 1,8 Prozent, in Stuttgart um 0,2 Prozent.
Andernorts geht es steil nach oben. Bei Neubauwohnungen verzeichneten Regionen wie Schmalkalden (plus 31,6 Prozent) und Anhalt-Bitterfeld (plus 30,9 Prozent) die stĂ€rksten ZuwĂ€chse. Der Kaufmarkt fĂŒr Neubauwohnungen stabilisiert sich auf hohem Niveau bei durchschnittlich 5.175 Euro pro Quadratmeter.
Bund grĂŒndet Gesellschaft fĂŒr bezahlbaren Wohnraum
Die Politik reagiert auf die angespannte Lage. Jeder dritte Mieterhaushalt ist durch Wohnkosten finanziell ĂŒberlastet. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil stellte Ende MĂ€rz PlĂ€ne fĂŒr eine neue Bundesgesellschaft fĂŒr bezahlbaren Wohnraum vor.
Sie soll keine Baufirma sein, sondern Projekte entwickeln und ausschreiben. Das Ziel: Die Baukosten von oft ĂŒber 4.630 Euro pro Quadratmeter auf unter 3.000 Euro drĂŒcken. Der Bund wird Mehrheitseigner und kooperiert mit privaten Investoren.
Kritiker wie Immobilienökonom Tobias Just warnen vor historischen Parallelen zur gescheiterten âNeuen Heimatâ. BefĂŒrworter sehen darin eine Chance, festgefahrene Strukturen aufzubrechen.
Bauministerin will Spekulation eindÀmmen
Parallel treibt Bauministerin Hubertz eine Novelle des Baugesetzbuches voran. Ein Entwurf sieht vor, das kommunale Vorkaufsrecht in Milieuschutzgebieten zu stÀrken. Damit soll ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2021 korrigiert werden.
Das Instrument hat in Berlin bis 2021 mehr als 12.000 Wohnungen geschĂŒtzt. Es soll nun auch auf sogenannte Share Deals ausgeweitet werden, um Spekulation effektiver zu begrenzen.
Baukrise verschÀrft das Problem
Das Kernproblem bleibt der mangelnde Neubau. Experten rechnen fĂŒr 2026 mit weniger als 200.000 fertiggestellten Wohnungen. Das ist weit entfernt vom Regierungsziel von 400.000 Einheiten pro Jahr. Hohe Kosten, BĂŒrokratie und gestiegene Finanzierungszinsen bremsen die Branche aus.
Gleichzeitig verĂ€ndert sich die Nachfrage. Ăber 42 Prozent der Haushalte sind Ein-Personen-Haushalte. Sie brauchen kleinere Wohnungen in der Stadt. FĂŒr Investoren verschiebt sich der Fokus: Statt Wertsteigerungen zĂ€hlen nun stabile MietertrĂ€ge.
Die erwartbaren Renditen liegen bei 3,0 bis 4,5 Prozent. In wirtschaftsstarken Regionen rechnen Analysten mit einem jĂ€hrlichen Mietwachstum von ĂŒber drei Prozent â das liegt ĂŒber der allgemeinen Inflationserwartung.
Da stabile MietertrĂ€ge fĂŒr Investoren zunehmend an Bedeutung gewinnen, rĂŒckt die rechtssichere Anpassung der Bestandsmieten in den Fokus. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie Mieterhöhungen ohne Formfehler und unter Einhaltung aller Fristen professionell umsetzen. Kostenlose Anleitung zur rechtssicheren Mieterhöhung sichern
Was kommt 2026 auf Mieter und MĂ€rkte zu?
Die Unsicherheit bleibt hoch. Regulierungen wie die geplante Möblierungsbremse könnten kurzfristig Entlastung bringen. Das Grundproblem â zu wenig neue Wohnungen â bleibt jedoch ungelöst. Die Bauindustrie beklagt den Verlust von 10.000 ArbeitsplĂ€tzen im Jahr 2024.
Viel hÀngt nun von der neuen Bundesgesellschaft ab. Kann sie die Baukosten wirklich senken? In der Zwischenzeit setzen StÀdte wie Hamburg auf Modellprojekte, etwa zur Förderung des Wohnens im Alter. Sie sollen den bestehenden Bestand besser nutzen.
FĂŒr langfristige Investoren könnte das aktuelle Umfeld trotz allem ein strategischer Einstiegszeitpunkt sein. Die Nachfrage in den Metropolen bleibt ungebrochen hoch. Die Frage ist nur: Wer kann sie sich noch leisten?
