WTO, Milliardenverlusten

WTO warnt vor Milliardenverlusten durch Handelsblockbildung

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 11:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Welthandelsorganisation (WTO) warnt vor Einbußen im Bereich von tausenden Milliarden US-Dollar, wenn die Welt in geopolitische Machtblöcke zerfĂ€llt, die weitgehend unter sich oder nur in separaten Freihandelszonen handeln.Bei so einer Entwicklung werde die Wirtschaftsleistung (das reale Bruttoinlandsprodukt) ab 2050 konstant rund zehn Prozent niedriger liegen als in einem Szenario, in dem die Handelskooperation ausgebaut wird, schreibt die WTO in einer Studie.

Die Welthandelsorganisation (WTO) warnt vor Einbußen im Bereich von tausenden Milliarden US-Dollar, wenn die Welt in geopolitische Machtblöcke zerfĂ€llt, die weitgehend unter sich oder nur in separaten Freihandelszonen handeln.

Bei so einer Entwicklung werde die Wirtschaftsleistung (das reale Bruttoinlandsprodukt) ab 2050 konstant rund zehn Prozent niedriger liegen als in einem Szenario, in dem die Handelskooperation ausgebaut wird, schreibt die WTO in einer Studie. Der Titel: "Ein entscheidender Moment fĂŒr das Welthandelssystem".

Die Exporte dĂŒrften nach der Simulation der WTO im Szenario "verstĂ€rkte Kooperation" ab 2050 pro Jahr fast 45 Prozent höher liegen als im Szenario, in dem Zölle nur noch innerhalb bestimmter Freihandelszonen niedrig gehalten werden. Mit "verstĂ€rkter Kooperation" ist ein Ausbau von Regeln wie in der WTO gemeint, in der alle LĂ€nder untereinander die Zölle und Kosten des internationalen Handels senken.

Schwerwiegende Turbulenzen

"Die globale Handelspolitik und die WTO erleben derzeit die schwerwiegendsten und anhaltenden Turbulenzen seit der GrĂŒndung des multilateralen Handelssystems vor 80 Jahren", heißt es in dem Bericht. Dass die Weltwirtschaft stĂ€rker integriert sei, habe neue Konfliktquellen geschaffen und Freihandelsverhandlungen teils erschwert. Die WTO gibt es seit 1995, ihr VorlĂ€ufer war das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) von 1947.

Zwar finden noch 72 Prozent des weltweiten Warenhandels noch nach den WTO-Freihandelsregeln statt, also dem MeistbegĂŒnstigungsprinzip (MFN). Das besagt, dass ein Mitgliedsland Handelsvorteile, die es einem anderen WTO-Mitglied gewĂ€hrt, auch mit wenigen Ausnahmen allen anderen zugesteht. Allerdings waren es vor zwei Jahren noch 80 Prozent, wie WTO-Chefökonom Robert Staiger sagt.

Neue Regeln nötig

Die bei der GrĂŒndung der WTO 1995 ausgehandelten Regeln mĂŒssten aktualisiert werden, weil die Welt sich stark geĂ€ndert habe. So seien viele LĂ€nder hinzugekommen, unter anderem China 2001.

"Es geht darum, wie man Regeln formuliert, die eine erfolgreiche Schnittstelle zwischen Volkswirtschaften schaffen, die sich in vielerlei Hinsicht stark unterscheiden", sagte Staiger der dpa. "Einige sind stĂ€rker staatlich gelenkt, andere eher marktorientiert; einige verfolgen eine stĂ€rker interventionistische Politik, andere eine weniger interventionistische; einige weisen einen höheren Entwicklungsstand auf, andere einen geringeren." Wie neue Regeln aussehen sollten, mĂŒssten die 166 MitgliedslĂ€nder aber selbst aushandeln, die zusammen 98 Prozent des Welthandels reprĂ€sentieren. Staiger nennt keine VorschlĂ€ge.

WTO in der Krise

Die WTO steckt seit Jahren in der Krise. Zuletzt wurde 2001 eine große multilaterale Verhandlungsrunde gestartet, die Doha-Runde. Sie ist aber gescheitert. Sie sollte Entwicklungs- und SchwellenlĂ€nder stĂ€rker in den Welthandel integrieren. Unter anderem kritisieren viele LĂ€nder, die mit China auf dem Weltmarkt konkurrieren, dass das Land bis heute mit dem Status "Entwicklungsland" und damit verbundenen Vorteilen in der WTO ist. Ebenso ist umstritten, wie mit der Staatskontrolle vieler Firmen in manchen LĂ€ndern umgegangen werden soll. Weder die ReformbemĂŒhungen der Botschafter am Sitz in Genf noch die jĂŒngsten Ministertreffen haben Fortschritte gebracht.

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