Xiaomi Aktie: 550.000 E-Autos bis 2026
24.06.2026 - 08:25:02 | boerse-global.de
Starke Nachfrage auf dem Papier, schwache Zahlen in der Realität — bei Xiaomi klaffen Anspruch und Ergebnis immer weiter auseinander. Die Aktie markierte gestern ein neues 52-Wochen-Tief bei 2,51 Euro und notiert damit rund 62 Prozent unter ihrem Jahreshoch vom Juni 2025.
Elektroautos: Das Ziel rückt außer Reichweite
Xiaomi hat für 2026 ein Auslieferungsziel von 550.000 Elektrofahrzeugen ausgegeben. Bis Ende Mai waren es 150.317 Einheiten — ein Plus von 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, aber weit hinter dem Tempo, das das Jahresziel verlangt.
Die Rechnung ist ernüchternd. Von Juni bis Dezember müsste Xiaomi monatlich rund 57.500 Fahrzeuge ausliefern. Das wären fast 15 Prozent mehr als der bisherige Monatsrekord von 50.000 Einheiten, aufgestellt im Dezember 2025. Jefferies hat die eigene Lieferprognose daraufhin auf 495.000 Fahrzeuge gesenkt und das Bewertungsmultiple für die EV-Sparte reduziert.
Der Mai lieferte kein ermutigendes Signal: 32.759 Auslieferungen bedeuteten zwar 17 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, aber 10,7 Prozent weniger als im April.
Verluste im EV-Geschäft, schwieriger Neustart
Die EV-Sparte schreibt rote Zahlen. Im ersten Quartal 2026 erzielte sie bei einem Umsatz von 19,9 Milliarden Yuan einen operativen Verlust von 3,1 Milliarden Yuan. Der bereinigte Konzernnettogewinn brach um 43 Prozent auf 6,1 Milliarden Renminbi ein — belastet durch stark gestiegene Speicherchipkosten.
Als Antwort bereitet Xiaomi den Einstieg in den EREV-Markt vor. Das Industrieministerium hat den Produktionsantrag für den Kunlun N3 genehmigt: ein 5,3 Meter langer SUV unter der neuen Submarke Skynomad, mit mehr als 70 kWh Batteriekapazität und bis zu 500 Kilometern rein elektrischer Reichweite. Markenname und Markteinführungstermin hat Xiaomi noch nicht offiziell bestätigt.
Das Timing ist ungünstig. Die branchenweiten EREV-Großhandelsverkäufe brachen im Mai um fast 25 Prozent ein — der stärkste Monatsrückgang seit fünf Jahren. Segmentführer Li Auto verzeichnete beim Flaggschiff L9 in den ersten vier Monaten 2026 einen Auslieferungseinbruch von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Rückkaufprogramm bremst den Kursverfall nicht
Xiaomis bislang größtes Aktienrückkaufprogramm — bis zu 20 Milliarden Hongkong-Dollar — läuft seit Anfang Juni. Bis Mitte des Monats hatte der Konzern rund 30 Millionen Anteile zurückgekauft. Den Abwärtsdruck hat das nicht nennenswert gebremst. Leerverkäufer halten derzeit rund neun Prozent des Streubesitzes und wetten auf weitere Kursverluste.
Auf der Kostenseite lauert ein weiteres Problem. Speicherchips kosten inzwischen ein Vielfaches gegenüber dem Vorjahr. Da die große Mehrheit der Xiaomi-Smartphones für unter 200 US-Dollar verkauft wird, kann der Konzern diese Mehrkosten kaum weitergeben. Heute Abend legt Micron Technology seinen Quartalsbericht vor — ein direkter Indikator dafür, wie sich die Chipkosten für asiatische Hardwarehersteller entwickeln.
Operative Lichtblicke gibt es dennoch. HyperOS 4 soll im Juli oder August in China vorgestellt werden, der globale Launch wenige Wochen später. Die Xiaomi-18-Pro-Modelle plant der Konzern bereits Ende September nach Europa zu bringen — ohne die sonst übliche sechsmonatige Verzögerung. Den nächsten harten Prüfstein liefert der Quartalsbericht für das zweite Quartal am 26. August. Davor werden die Juni-Auslieferungszahlen zeigen, ob die EV-Hochlaufkurve endlich anzieht.
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