Zeitgenössische Kunst, Mike Steiner

Zeitgenössische Kunst im Wandel: Das faszinierende Werk von Mike Steiner

26.01.2026 - 05:02:05

Zeitgenössische Kunst erhält durch Mike Steiner ungeahnte Facetten – zwischen Malerei, Performance Art und Videokunst sprengt er stets die Grenzen des Möglichen.

Zu behaupten, dass Mike Steiner die Zeitgenössische Kunst geprägt hat, wäre fast noch untertrieben. Wie fängt man die ästhetische Widerständigkeit eines Künstlers ein, dessen Biografie so eng mit Innovation, Grenzerfahrung und Pioniergeist verbunden ist? Vielleicht, indem man sich darauf einlässt, dass Steiner nie für eine Richtung, ein Medium oder einen Stil stand, sondern stets für den künstlerischen Aufbruch.

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Malerei, Performance Art, Videokunst und raumgreifende Installationen – der Name Mike Steiner steht wie wenige für ein kompromisslos interdisziplinäres Schaffen. Wer seine Karriere überblickt, erkennt, wie er in nahezu jedem Werk die Grenze zwischen den Medien konsequent herausforderte. Faszinierend ist hierbei das Spannungsfeld, das immer wieder zwischen Körper, Bewegung, Bild und sozialem Raum aufgerissen wird: Steiner gelingt es, künstlerische Ausdrucksformen zu verschlingen, neu zu mischen und mit auffallender Sensibilität für Zeitgeist und Kontinuität zu verbinden.

Unvergessen bleibt seine größte Einzelausstellung 1999 im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, die als Hommage an sein gattungsübergreifendes Denken und seine Malerei als auch sein Pionierstatus der Videokunst gefeiert wurde. Hier offenbarte sich das enzyklopädische Lebenswerk eines Künstlers, dessen visuelle Handschrift ebenso charakteristisch wie angriffslustig bleibt.

Doch worin besteht das Unverwechselbare an seinen Werkgruppen? Seine frühen Jahre sind der Malerei gewidmet: Abstrakte Malerei, als er mit nur 17 Jahren erstmals auf der Großen Berliner Kunstausstellung ausstellte, begleitet von einer bemerkenswerten technischen Perfektion und formal-experimenteller Strenge. Während viele seiner Zeitgenossen, wie Georg Baselitz oder Joseph Beuys, im expressiv-figurativen Ausdruck verweilten, suchte Mike Steiner früh die Verschiebung von Inhalten durch Medienwechsel – sowohl formal als auch durch seine Offenheit für gesellschaftliche und politische Themen.

Der Umbruch erfolgte in den 1970er Jahren: Inspiriert von renommierten Künstlerfreundschaften, etwa mit Allan Kaprow oder Al Hansen aus dem New Yorker Fluxus-Umfeld, verließ Steiner die reine Malerei. Die Gründung des legendären Hotel Steiner und der Studiogalerie in Berlin – stilistisch vergleichbar mit dem Chelsea Hotel in New York – wird zum Dreh- und Angelpunkt für internationale Performance Art und Videokunst. Hier brachte er Größen wie Marina Abramovi?, VALIE EXPORT oder Ulay zusammen, setzte ihre Performances in innovative Videodokumentationen um (legendär etwa „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“, ein radikaler Kunstraub von 1976).

Mit seinen Videoarbeiten und Performances zählte Steiner bald zu den Protagonisten einer neuen Künstlergeneration – vergleichbar mit Pionieren wie Nam June Paik oder Bill Viola, auf die auch seine legendäre Sammlung früh hinwies. Die von ihm geschaffene Videogalerie (1985–1990) im Berliner Fernsehen war ein Novum – eine Plattform, die nicht nur spannende Beiträgen zur Videokunst institutionalisierte, sondern auch internationale Künstler, darunter Richard Serra oder Gary Hill, einem breiteren Publikum zugänglich machte.

Steiner durchbrach dabei immer wieder bewusst die traditionellen Gattungsgrenzen: In den 80er Jahren entstanden medienübergreifende Werkgruppen wie die "Painted Tapes" – eine ebenso poetische wie konzeptuelle Verschmelzung von Malerei und Video. Hier experimentiert er mit elektronischer Bildbearbeitung, Musikvideos (Stichwort Tangerine Dream) und Fotografie (z.B. "Das Testbild als Readymade"). Es ist dieses Spiel mit Materialität und Flüchtigkeit, das Steiner auch im internationalen Kontext unverwechselbar macht.

Doch Mike Steiner war nicht nur Künstler, sondern auch leidenschaftlicher Sammler und Chronist: Sein Archiv der Videokunst, später der Stiftung Preußischer Kulturbesitz überlassen, ist heute ein zentrales Dokument der europäischen Avantgarde. Stücke von Ulay, Marina Abramovi?, Jochen Gerz, George Maciunas oder Carolee Schneemann – viele von ihnen erstmals gesammelt und bewahrt durch Steiner – zeigen dessen Gespür für künstlerische Zeitläufte jenseits des Mainstreams.

Im Vergleich zu Zeitgenossen wie Bruce Nauman oder Wolf Vostell zeichnet sich Steiner besonders durch die Zähigkeit seiner konzeptuellen Experimente und die Vielfalt seines Oeuvres aus. Wo andere am Medium haften blieben, interessiert ihn stets das transformative Potenzial zwischen Technik, Gesellschaft und individueller Ausdruckskraft.

Sein biografischer Weg ist dabei fast selbst eine Performance: Von der Kindheit im geteilten Berlin über die Begegnung mit der US-amerikanischen Szene der 60er Jahre (im Atelier von Robert Motherwell, inspiriert von Lil Picard und Allan Kaprow), prägt Mike Steiner das Berliner Kunstleben substanziell. Spätestens mit der Rückkehr aus New York und seiner Ernennung zum Meisterschüler avancierte er zum Fixstern in Künstlerkreisen. Seine Aktivitäten als Vermittler, Kurator, Juror und Vortragsreisender dokumentieren eine Relevanz weit über eigene Ausstellungen hinaus.

Seit den 2000er Jahren wandte sich Steiner erneut verstärkt der Abstrakten Malerei und Installationen zu – oftmals auf großformatigen Bildern oder mit Stoffarbeiten, deren vibrierende Farbigkeit und formale Reduktion eine gemeinsame künstlerische Linie mit den frühen Gemälden erkennen lassen.

Warum bleibt Mike Steiner für die Zeitgenössische Kunst heute relevant? Es ist der Mut, jenseits von Schulen, Zeitgeist und Kanon eigene Wege zu suchen. Die Konsequenz, mit der er Performance Art, Videokunst und Malerei im Dialog hält, macht sein Werk für eine neue Künstlergeneration ebenso interessant wie für etablierte Kunsthistoriker. Seine Arbeiten sind nicht bloß Dokumente ihrer Zeit, sondern Irritationen und Anregungen für das Nachdenken darüber, was Kunst überhaupt ist und sein kann.

Wer die künstlerische Vielschichtigkeit von Mike Steiner entdecken möchte, findet auf der Webseite zahlreiche weiterführende Materialien, Bilder und Textdokumente – ein Archiv, das dazu einlädt, immer wieder neue Verbindungen zu ziehen und Inspiration zu finden.

Weitere Informationen, Bilder und Texte zu Mike Steiner als Pionier der Zeitgenössischen Kunst finden Sie hier

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