Aktien, Frankfurt

Aktien Frankfurt: Zollsorgen werfen Dax unter 25.000 Punkte zurĂŒck

19.01.2026 - 12:22:59 | dpa.de

Zollsorgen im Streit um Grönland haben den Dax DE0008469008 am Montag deutlich unter die runde Marke von 25.000 Punkten zurĂŒckgeworfen.

US-PrĂ€sident Donald Trump hatte am Wochenende wegen des Grönland-Streits angekĂŒndigt, dass fĂŒr acht LĂ€nder aus Europa ab dem 1. Februar Strafzölle von 10 Prozent gelten sollen, ab dem 1. Juni Zölle dann sogar von 25 Prozent.

Der deutsche Leitindex Dax sank daraufhin bis zum Mittag um bis zu 1,5 Prozent auf fast 24.911 Punkte. Zuletzt notierte das Kursbarometer bei 24.923 Punkten, nachdem in der Vorwoche noch eine Bestmarke von 25.507 Punkten erreicht worden war. Das Kursplus im noch jungen Jahr schmolz inzwischen auf 1,7 Prozent ab.

Der MDax DE0008467416 der mittelgroßen Börsenwerte lag am Montag mit 1,4 Prozent im Minus bei 31.453 Punkten, wĂ€hrend der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 1,8 Prozent verlor. Er hatte in der Vorwoche ebenfalls Rekorde erzielt.

Die US-Zölle sollen gelten, bis ein Abkommen ĂŒber den Kauf Grönlands durch die USA erzielt werde. Betroffen von den Zöllen sind acht europĂ€ische Nato-LĂ€nder, darunter auch Deutschland. EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa wird nun einen EU-Sondergipfel einberufen, womöglich am Donnerstag.

"Noch ist es Rhetorik. Noch bleiben zwei Wochen Zeit fĂŒr Verhandlungen", kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Es drohe aber eine noch nie dagewesene Spirale aus Zöllen, Gegenzöllen und weiteren Maßnahmen. Anders als in frĂŒheren FĂ€llen, werde die EuropĂ€ische Union diesmal wohl nicht klein beigeben, vermutet Altmann. Der Höhenflug am Aktienmarkt sei jedenfalls zunĂ€chst vorbei, auch wenn der RĂŒckschlag zunĂ€chst ĂŒberschaubar bleibe.

Das Risiko weiterer Importzölle der USA auf Einfuhren europĂ€ischer Nato-Staaten belastet vor allem die Kurse von Automobilherstellern. Der europĂ€ische Branchenindex EU0009658681 fiel zeitweise auf den tiefsten Strand seit Oktober 2025 zurĂŒck. Die Aktien von BMW DE0005190003 brachen zeitweise um gut 7 Prozent ein - zusĂ€tzlich belastet durch eine zurĂŒckhaltendere EinschĂ€tzung der Berenberg Bank. Analyst Romain Gourvil sieht gerade im Premium-Segment eine schwierige Nachfragesituation in China.

Ebenfalls am Dax-Ende tummelten sich Adidas DE000A1EWWW0 mit einem Abschlag von gut 4 Prozent. Thierry Cota, Experte der Bank of America, prognostiziert, dass der Umsatz von Adidas im Schlussquartal 2025 die Markterwartung verfehlt hat. Mit dieser EinschÀtzung belastete er die zollbedingt ohnehin schwache Anlegerstimmung weiter.

Deutliche Kursgewinne gab es mit fast 8 Prozent gegen den schwachen Markttrend hingegen bei Bayer DE000BAY0017 nach guten Nachrichten aus den USA. Worauf die Anleger spĂ€testens seit Anfang Dezember 2025 gehofft haben, ist eingetreten: Der Oberste Gerichtshof der USA hat am spĂ€ten Freitagabend den Glyphosat-Fall "Durnell" zur PrĂŒfung angenommen. Damit steigen die Aussichten auf ein Grundsatzurteil im jahrelangen, belastenden Rechtsstreit um den Unkrautvernichter.

Anfang Dezember hatte der sogenannte Solicitor General - eine Art Generalanwalt der US-Regierung - den Antrag des Konzerns auf PrĂŒfung des "Durnell"-Falls durch den US Supreme Court unterstĂŒtzt. Damals waren die Aktien erstmals seit Anfang 2024 wieder ĂŒber 35 Euro geklettert. Seither bauten sie ihre Erholungsrally aus, die Bodenbildung nach jahrelangem Kursrutsch wird immer stabiler.

Auch den RĂŒstungswerten wie Rheinmetall DE0007030009, Renk DE000RENK730 und Hensoldt DE000HAG0005 hilft die geopolitische Unsicherheit. Rheinmetall nĂ€herten sich mit plus 3 Prozent wieder ihrem Rekord vom Oktober.

Im Nebenwertebereich erwies sich die Erholung von Gerresheimer DE000A0LD6E6 um 3,6 Prozent nach einer Empfehlung der Investmentbank Oddo BHF als Strohfeuer. Sie lagen zuletzt nur noch knapp im Plus, auch wenn Experte Oliver Metzger die schlimmste Zeit beim Spezialverpackungs-Hersteller als ĂŒberstanden wĂ€hnt.

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