WOCHENAUSBLICK: Dax im Bann von Bundestagswahl und GeschÀftszahlen
24.02.2025 - 05:50:31 | dpa.de"Vorschusslorbeeren fĂŒr eine wirtschaftsfreundliche Regierung" könnten womöglich inzwischen genug verteilt worden sein, schrieb Marktanalyst Konstantin Oldenburger vom Handelshaus CMC Markets mit Blick auf die jĂŒngste Rekordjagd des deutschen Leitindex.
Gleichwohl könnte der Ausgang der Wahl die Stimmung der Anleger beeinflussen. In Deutschland kommt es zu einem Machtwechsel: Die Union hat die Wahl klar gewonnen und dĂŒrfte mit Friedrich Merz den nĂ€chsten Kanzler stellen. Nach AuszĂ€hlung aller Wahlkreise kommt die rechte AfD auf Platz zwei. Dahinter folgen die SPD, die auf ein historisches Tief abstĂŒrzt, sowie die GrĂŒnen. Die Linke ist ĂŒberraschend stark im Bundestag vertreten. BSW und FDP scheitern dagegen an der FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde und verpassen den Einzug ins Parlament, wie auf der Website der Bundeswahlleiterin ersichtlich war.
Nun lĂ€uft alles auf ein BĂŒndnis aus Union und SPD hinaus, denn eine schwarz-grĂŒne Koalition hĂ€tte nach Hochrechnungen keine Mehrheit der Mandate. Ein Zusammengehen mit der in Teilen als rechtsextremistisch eingestuften AfD, die sich auf 20,8 Prozent verdoppelte (10,4 Prozent), hat der CDU-Chef ausgeschlossen.
Die groĂe Ăberraschung ist laut Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, bei der Bundestagswahl damit ausgeblieben. Die Aussicht auf eine Regierung mit nur zwei Parteien und die damit verbundene Hoffnung, dass es kĂŒnftig zu weniger Streit kommt als in dem DreierbĂŒndnis aus SPD, GrĂŒnen und FDP scheinen fĂŒr eine leicht positive Stimmung zu sorgen. Beim Dax deutet die Indikation beim Handelshaus IG auf ein Plus von rund ein Prozent hin. Der Kurs des Euro legte ebenfalls etwas zu.
Aus Sicht von Marktanalyst Christian Henke vom Handelshaus IG stellte man sich am Markt vor allem die Frage, wie lange die Regierungsbildung dauern könnte. Vor den Ergebnissen zeichnete sich dabei keine einfache Lösung ab. Die Probleme, die die neue Regierung anpacken mĂŒsse, seien nicht wenige. Der Experte verwies auf die drohenden US-Zölle und die schwache deutsche Konjunktur.
Etwas zuversichtlicher ist Analystin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-ThĂŒringen. Ihrer Meinung nach ist es erstaunlich, wie relativ entspannt die Lage an den FinanzmĂ€rkten angesichts der vielen Krisen bisher ist. Und das könnte in dieser Woche durchaus so bleiben, denn: "Zwar ist nicht zu erwarten, dass die Bundestagswahl fĂŒr eine groĂe Aufbruchstimmung sorgen wird, aber vielleicht bringt das Ende der Wahlkampfdebatten doch eine gewisse Erleichterung."
Positive Impulse fĂŒr den Aktienmarkt könnten Windt zufolge auch schon am Montag vom Ifo-Index kommen, einem wichtigen FrĂŒhindikator fĂŒr die deutsche Wirtschaft. Sowohl die Ergebnisse der jĂŒngsten Umfrage des Zentrums fĂŒr EuropĂ€ische Wirtschaftsforschung unter deutschen Finanzexperten als auch die Einkaufsmanagerindizes sprĂ€chen fĂŒr ein besseres Ifo-GeschĂ€ftsklima. Zudem steht am Dienstag mit den Detailzahlen des Bruttoinlandsprodukts ein laut der Expertin weiterer relevanter Wirtschaftsindikator auf der Agenda.
Allerdings sollten Anleger auch im Blick behalten, dass sich an den AktienmĂ€rkten zuletzt wieder etwas Inflationssorgen breitgemacht hĂ€tten. Hintergrund sind Aussagen des Direktoriumsmitglieds der EuropĂ€ischen Zentralbank Isabel Schnabel ĂŒber ein womöglich baldiges Ende des Zinssenkungszyklus. Dabei ist die Hoffnung auf weiter sinkende Zinsen, was Aktien gegenĂŒber Anleihen attraktiver machen wĂŒrde, ein wesentlicher Treiber der jĂŒngsten Rally.
Ăberhaupt sei die zweite FebruarhĂ€lfte traditionell eine schwierige Phase fĂŒr die AktienmĂ€rkte, mahnten die Chart-Experten von Index-Radar. Zudem könnten ihnen zufolge am Mittwochabend die GeschĂ€ftszahlen des Chipherstellers Nvidia US67066G1040 zeigen, wie gut die Fantasie rund um KĂŒnstliche Intelligenz noch FrĂŒchte trĂ€gt. Sie gilt ebenfalls als ein wichtiger Antrieb fĂŒr die Börsen.
Auch hierzulande lÀuft die Berichtssaison der Unternehmen auf Hochtouren. Schon am Dienstag prÀsentieren unter anderem der Dialysespezialist Fresenius Medical Care DE0005785802 und der Baustoffkonzern Heidelberg Materials DE0006047004 ihre Jahreszahlen.
Besonders dicht gepackt ist das Programm am Mittwoch. Dann richtet sich der Fokus auf weitere Dax-Unternehmen wie die Deutsche Telekom DE0005557508, Deutschlands gröĂten Stromversorger Eon DE000ENAG999 und den RĂŒckversicherer Munich Re DE0008430026.
Am Donnerstag geht der Blick eher in Richtung zweite Börsenreihe, wenn der Windanlagenbauer Nordex DE000A0D6554, der Chipindustrie-AusrĂŒster Aixtron DE000A0WMPJ6 und der RĂŒstungselektronik-Spezialist Hensoldt DE000HAG0005 ĂŒber ihre GeschĂ€fte im abgelaufenen Jahr berichten. Die Woche beschlieĂen dann am Freitag die Jahreszahlen des Versicherers Allianz DE0008404005 aus dem Dax./la/ajx/he/jha/zb
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---
So schÀtzen die Börsenprofis Börsen/Aktien Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

