Zuckersteuer, LĂ€nderkammer

Zuckersteuer: LĂ€nderkammer entscheidet ĂŒber GetrĂ€nke-Abgabe

27.03.2026 - 00:00:27 | boerse-global.de

Die LĂ€nderkammer stimmt ĂŒber eine gestaffelte Zuckersteuer nach britischem Vorbild ab. Mediziner und VerbraucherschĂŒtzer unterstĂŒtzen die PlĂ€ne, wĂ€hrend die Industrie vor Belastungen warnt.

Zuckersteuer: LĂ€nderkammer entscheidet ĂŒber GetrĂ€nke-Abgabe - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Zuckersteuer: LĂ€nderkammer entscheidet ĂŒber GetrĂ€nke-Abgabe - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Die LĂ€nderkammer stimmt morgen ĂŒber eine Zuckersteuer fĂŒr Softdrinks ab. Ein breites BĂŒndnis aus Ärzten und VerbraucherschĂŒtzern drĂ€ngt die MinisterprĂ€sidenten heute zur Zustimmung. Die Initiative aus Schleswig-Holstein will Hersteller mit einer gestaffelten Abgabe zu weniger Zucker zwingen.

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Gestaffelte Steuer und Verbot fĂŒr Energydrinks

Der Vorstoß orientiert sich am britischen Modell. GetrĂ€nke mit besonders hohem Zuckergehalt sollen stĂ€rker besteuert werden als solche mit weniger Zucker. Das Ziel: Die Industrie soll ihre Rezepturen freiwillig Ă€ndern, um die Abgabe zu umgehen. So mĂŒssten nicht zwangslĂ€ufig die Preise fĂŒr Verbraucher steigen.

Ein weiterer Kernpunkt ist ein Verkaufsverbot fĂŒr Energydrinks an unter 16-JĂ€hrige. Die Initiatoren warnen vor der riskanten Kombination aus hohem Zucker- und Koffeingehalt fĂŒr Jugendliche. Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken hĂ€lt staatliche Eingriffe fĂŒr nötig, da reine AufklĂ€rungskampagnen versagt hĂ€tten.

Mediziner und VerbraucherschĂŒtzer erhöhen Druck

Die UnterstĂŒtzung fĂŒr das Vorhaben wĂ€chst. Die BundesĂ€rztekammer und die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Innere Medizin stellten sich heute öffentlich hinter die PlĂ€ne. Sie sehen in der Abgabe ein wirksames Mittel der PrĂ€vention. FlĂŒssiger Zucker werde besonders schnell aufgenommen und könne langfristig schwere Krankheiten wie Diabetes verursachen.

Mehr als 2.300 Personen unterzeichneten zudem einen Appell von VerbraucherschutzverbÀnden. Sie argumentieren, eine Zuckersteuer entlaste langfristig das Gesundheitssystem. Die jÀhrlichen Folgekosten ernÀhrungsbedingter Krankheiten schÀtzen Experten auf zweistellige MilliardenbetrÀge.

Industrie warnt vor „Strafsteuer“ fĂŒr alle

Doch der Widerstand ist groß. Die Bundesvereinigung der Deutschen ErnĂ€hrungsindustrie (BVE) kritisiert die PlĂ€ne als populistisch. Eine solche „Strafsteuer“ könne die Inflation anheizen und Geringverdiener ĂŒberproportional belasten. Zudem bezweifelt die Branche, ob eine Steuer auf eine Produktgruppe die GesamternĂ€hrung wirklich verbessert.

Auch politisch ist das Thema umstritten. WĂ€hrend GrĂŒne und Teile der SPD die Initiative begrĂŒĂŸen, zeigt sich das zustĂ€ndige BundesernĂ€hrungsministerium zurĂŒckhaltend. Selbst in der CDU gibt es Widerstand, obwohl der schleswig-holsteinische MinisterprĂ€sident Daniel GĂŒnther die PlĂ€ne vorantreibt. Eine aktuelle Umfrage zeigt jedoch: Rund 60 Prozent der BĂŒrger stehen einer gestaffelten Abgabe positiv gegenĂŒber.

Lernstunde aus Großbritannien

BefĂŒrworter verweisen auf Großbritannien. Dort sank der Zuckerkonsum durch Softdrinks nach EinfĂŒhrung einer Steuer 2018 deutlich. Viele Hersteller Ă€nderten ihre Rezepturen sogar vorab, um die Abgabe zu vermeiden. Der Absatz der GetrĂ€nke brach nicht ein.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt fiskalische Maßnahmen wie die Zuckersteuer ausdrĂŒcklich. In Deutschland liegt der durchschnittliche Zuckerkonsum mit 95 Gramm pro Tag fast doppelt so hoch wie von der WHO empfohlen. BefĂŒrworter fordern, die Einnahmen aus einer Steuer in ErnĂ€hrungsaufklĂ€rung und die Subvention von gesundem Obst zu stecken.

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Richtungsentscheidung mit Signalwirkung

Die morgige Abstimmung im Bundesrat gilt als richtungsweisend. Eine Mehrheit wĂŒrde den Druck auf die Bundesregierung massiv erhöhen, einen Gesetzentwurf vorzulegen. Selbst bei einer Ablehnung bleibt das Thema aktuell – der Druck aus der Ärzteschaft wĂ€chst stetig.

FĂŒr die Lebensmittelindustrie wĂ€re eine Steuer der Startschuss fĂŒr eine Innovationswelle. Der Fokus lĂ€ge dann auf kalorienreduzierten GetrĂ€nken und neuen SĂŒĂŸungsalternativen. Ob Deutschland diesen Weg geht, entscheidet sich in den nĂ€chsten 24 Stunden.

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