Schwerer Start fĂŒr Regierung in Paris - MisstrauensantrĂ€ge
13.10.2025 - 15:25:15DarĂŒber wird voraussichtlich am Mittwoch in der Nationalversammlung abgestimmt. Ob die Opposition damit Erfolg hat oder nicht, dĂŒrfte auch von der fĂŒr Dienstag geplanten RegierungserklĂ€rung von Lecornu abhĂ€ngen, der am Freitag von PrĂ€sident Emmanuel Macron zurĂŒck ins Amt geholt wurde.
Die MisstrauensantrĂ€ge zeigen: Frankreich hat zwar wieder eine Regierung, die sich nun vorrangig um den Haushalt fĂŒr kommendes Jahr kĂŒmmern muss. Die Politikkrise bleibt aber ungelöst. Seit der vorgezogenen Parlamentswahl im Sommer 2024 ist die Nationalversammlung in mehrere politische Blöcke geteilt, die allein keine regierungsfĂ€hige Mehrheit besitzen, aber auch keine tragfĂ€higen BĂŒndnisse bilden und sich gegenseitig blockieren. Koalitionen wie etwa in Deutschland sind in Frankreich unĂŒblich. Lecornus neues Kabinett ist bereits die vierte Regierung seit der Wahl.
Wie die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei La France Insoumise (LFI), Mathilde Panot, mitteilte, schlossen sich dem Misstrauensantrag der LFI auch Abgeordnete der GrĂŒnen und Kommunisten an. Das Rassemblement National (RN) erklĂ€rte, die Fraktion habe einen Misstrauensantrag gemeinsam mit der rechten Splitterpartei von Ăric Ciotti gestellt. Seine Partei werde aber auch fĂŒr MisstrauensantrĂ€ge anderer politischer Gruppierungen stimmen, sagte RN-Chef Jordan Bardella. "Es liegt im Interesse des Landes, Emmanuel Macron in seinen AuswĂŒchsen zu stoppen."
Haushalt fĂŒr verschuldetes Frankreich kommt Dienstag
Die neue Regierung steht seit Sonntagabend. Am Nachmittag kam sie zu einer ersten Arbeitssitzung zusammen. Am Dienstagmorgen soll der Haushalt fĂŒr das finanziell angeschlagene Land auf den Weg gebracht werden. ZunĂ€chst war dies schon am Montag erwartet worden.
Die Zeit drÀngt: Werden Fristen nicht eingehalten, könnte Frankreich am Jahresende ohne verabschiedeten Haushalt dastehen und dadurch unter zusÀtzlichen wirtschaftlichen Druck geraten. Gemessen an der Wirtschaftsleistung hat Frankreich mit 114 Prozent die dritthöchste Schuldenquote in der EU nach Griechenland und Italien. Auch die Staatsausgaben gehören zu den höchsten in Europa.
PrĂ€sident Macron rief die politischen KrĂ€fte dazu auf, "auf StabilitĂ€t hinzuarbeiten", wie das Nachrichtenmagazin "L'Express" berichtete. "Die politischen KrĂ€fte, die auf die Destabilisierung von SĂ©bastien Lecornu hingearbeitet haben, sind allein fĂŒr dieses Chaos verantwortlich", sagte Macron, der fĂŒr den Gaza-Gipfel nach Ăgypten gereist war.
Lecornus politisches Ăberleben auch wichtig fĂŒr Macron
Ob Lecornu das Misstrauensvotum ĂŒbersteht, ist offen. Die Sozialisten wollten die neue Regierung nur dulden, wenn Lecornu weitreichende ZugestĂ€ndnisse unter anderem beim Streitthema Rente macht. Mit der Regierungsbildung vollzog Lecornu auf jeden Fall nicht den vom linken Lager verlangten Ruck nach links. Die Regierung behĂ€lt ein Mitte-Rechts-Profil. Die Konservativen erklĂ€rten, die Regierung bei Gesetzesvorhaben unterstĂŒtzen zu wollen.
Ein gelungener Neustart Lecornus wird auch als Macrons letzte Chance angesehen, seine bis 2027 laufende zweite Amtszeit ohne weitreichenden Ansehensverlust zu ĂŒberstehen. Er ist in der jĂŒngsten Krise verstĂ€rkt in die Kritik geraten. Die Opposition fordert seinen RĂŒcktritt und auch in den eigenen Reihen macht sich Unmut breit.

