Deutsche Passagiere mĂŒssen lange QuarantĂ€ne durchstehen
12.05.2026 - 06:35:03 | dpa.deEin Hinweis auf eine kritische Entwicklung des Ausbruchs wĂ€re das aber nicht, wie der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit betonte. Einzelne weitere FĂ€lle wĂ€ren bei meist etwa zwei bis vier Wochen Inkubationszeit nicht ĂŒberraschend, sondern entsprĂ€chen dem erwartbaren Nachlauf.
Die vier nach Deutschland gebrachten Passagiere stammen aus Berlin, Baden-WĂŒrttemberg, Bayern und Sachsen. Bei ihnen lieĂe sich auch aus negativen sogenannten PCR-Tests nicht mit absoluter Sicherheit schlieĂen, dass sie virusfrei sind, wie Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut fĂŒr Tropenmedizin (BNITM) erklĂ€rte. "Ein negativer PCR-Test zu einem frĂŒhen Zeitpunkt schlieĂt eine spĂ€tere Erkrankung nicht sicher aus, wenn sich die Person noch in der Inkubationsphase befindet und das Virus im Blut noch nicht nachweisbar ist."
Lange QuarantÀne steht an
Nach Angaben des Bundesgesundheitsministerium (BMG) dĂŒrfte vorerst hĂ€usliche QuarantĂ€ne fĂŒr die vier Betroffenen anstehen. "WĂ€hrend der nĂ€chsten Wochen werden die Kontaktpersonen kontinuierlich und engmaschig auf Symptome ĂŒberwacht." Falls eine Person erkranken sollte, könne sie in speziellen Zentren nach besten medizinischen Standards und sicher behandelt werden.
Von der Weltgesundheitsorganisation wird angenommen, dass die Infektionskette auf der "Hondius" auf ein niederlĂ€ndisches Ehepaar zurĂŒckgeht, das am 1. April an Bord ging. Der Mann - mutmaĂlich der Erstinfizierte des Infektionsclusters - hatte am 6. April Fieber, Kopf- und Bauchschmerzen sowie Durchfall entwickelt und war am 11. April gestorben.
Im Zuge dieser Erkrankung sei es nach derzeitiger Annahme zu begrenzten Mensch-zu-Mensch-Ăbertragungen auf dem Schiff gekommen, erklĂ€rte Schmidt-Chanasit. Da die Symptome denen verschiedener Atemwegserkrankungen Ă€hneln, war erst verzögert auf das Hantavirus getestet worden. Erst dann kamen strengere Isolierungs- und ĂberwachungsmaĂnahmen in Gang.
UnglĂŒcklicher Zufall
Die Verzögerung sei nicht verwunderlich - ein Andesvirus-Fall auf einem Kreuzfahrtschiff sei kein sonderlich naheliegendes Szenario, sagte Schmidt-Chanasit. Es handle sich um ein sehr ungewöhnliches Ereignis, das durch mehrere unglĂŒckliche UmstĂ€nde begĂŒnstigt worden sei. Das sĂŒdamerikanische Andesvirus wird wie alle Hantaviren in der Regel von Nagetieren ĂŒbertragen - etwa ĂŒber Kotpartikel in aufgewirbeltem Staub.
Inzwischen gelte das Geschehen als gut kontrollierbar: "Die betroffenen Personen werden international nachverfolgt, Hochrisikokontakte werden beobachtet oder quarantĂ€nisiert, symptomatische Personen werden rasch getestet und isoliert, und die KrankenhĂ€user wissen nun, worauf sie achten mĂŒssen", so der Virologe. "Damit hat man bisher jeden Andesvirus-Ausbruch unter Kontrolle gebracht."
AusbrĂŒche lieĂen sich stets gut eindĂ€mmen
Das Andesvirus ist das einzige Hantavirus, das in seltenen FĂ€llen bei engem, anhaltenden Kontakt auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann. In den vergangenen Jahrzehnten hatte es einige wenige erfasste AusbrĂŒche in SĂŒdamerika gegeben, die alle rasch wieder abebbten. Auch im aktuellen Fall sehen Experten kein Risiko fĂŒr eine umfassende Ausbreitung des Erregers.
Die "Hondius" hatte am Sonntag den Hafen von Granadilla im SĂŒden Teneriffas erreicht. Mit SonderflĂŒgen wurden Menschen vom Schiff unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimat gebracht. Am Montagabend wurde die Evakuierungsaktion abgeschlossen. Das Schiff setzte danach seine Fahrt mit einer Restmannschaft Richtung Niederlande fort. Auf dem Kreuzfahrtschiff waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 ReisegĂ€ste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 LĂ€ndern.
Zur Gesamtzahl der bisherigen Nachweise gab es von der WHO am Montag zunÀchst keine neuen Angaben. Drei Menschen waren Stand Sonntag gestorben: das niederlÀndische Paar und eine deutsche Passagierin.
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