Frankfurt-News, Marktstimmung

Börse Frankfurt-News: Marktstimmung: Abgekoppelt

12.03.2025 - 16:23:06 | dpa.de

Zwar halten sich deutsche Aktien recht stabil. Allerdings sieht Joachim Goldberg dahinter weniger die heimische Nachfrage.

Das könnte problematisch werden.

12. MĂ€rz 2025. Auch wĂ€hrend der abgelaufenen Sentiment-Woche hat sich der DAX im Vergleich besser geschlagen als die großen US-Indizes S&P 500 und Nasdaq. Nicht nur, weil der DAX noch zu Beginn mit einem neuen Allzeithoch glĂ€nzen konnte. Letzteres wahrscheinlich auch begĂŒnstigt durch die Wachstumshoffnungen, die von dem hierzulande angepeilten Sondervermögen in Höhe von 500 Milliarden Euro fĂŒr Instandsetzung und Infrastruktur sowie der Lockerung der Schuldenbremse fĂŒr Verteidigungsausgaben bei den Investoren geweckt wurden. Auch den sich anschließenden Absturz der Aktienkurse, der primĂ€r von den USA und dem Wirrwarr um die Handelszölle ausging, hat der DAX vergleichsweise gut ĂŒberstanden: WĂ€hrend wir hierzulande (nach einem Einbruch von rund 5,2 Prozent) stichtagsbezogen lediglich ein Minus von 1,5 Prozent verbuchen mĂŒssen, verloren vorgenannte Indizes im vergleichbaren Zeitraum ein Mehrfaches an Wert - der DAX hat sich also von den US-Aktien abgekoppelt.

Von Kapitalströmen profitiert

Dass es hierzulande nur eine relativ moderate Korrektur im AufwĂ€rtstrend gegeben hat, dĂŒrfte sich auch wĂ€hrend der vergangenen Tage dem Zustrom auslĂ€ndischer KapitalzuflĂŒsse (vornehmlich aus den USA) verdankt haben, deren StĂ€rke vermutlich bislang noch nicht nachgelassen hat. Auch dass sich der Euro gegenĂŒber dem US-Dollar ausgesprochen robust prĂ€sentierte, spricht fĂŒr diese These.

Unterdessen hat sich die Stimmung unter den von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont gegenĂŒber der Vorwoche etwas eingetrĂŒbt. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index hat sich um 5 Punkte auf einen neuen Stand von +2 zurĂŒckgebildet. Zum einen, weil es leichte Gewinnmitnahmen bei den Optimisten gegeben hat, vielleicht sogar fast optimal im Bereich der von uns anvisierten Zone (23.400/23.450 ZĂ€hler). Indes: Der Zuwachs bei den Pessimisten in Höhe von 4 Prozentpunkten verdankt sich zu drei Vierteln vormals neutral eingestellten Investoren. Interessant ist auch, dass seitens der BĂ€ren trotz des deutlichen zwischenzeitlichen RĂŒcksetzers des DAX keine Gewinnmitnahmen vorgenommen wurden.

Wenig VerĂ€nderung hat es stattdessen bei den Privatanlegern gegeben, deren Börse Frankfurt Sentiment-Index lediglich um einen Punkt auf einen neuen Stand von +5 gestiegen ist. Dabei hat sich die Polarisierung zwischen Bullen und BĂ€ren etwas verringert. Aber hinter den Kulissen muss sich im Gegensatz zur Vorwoche bei separater Betrachtung derjenigen, die wir ĂŒber Social Media befragen, und den ĂŒbrigen Anlegenden eine Menge getan haben.

Gespaltene Privatanleger

Zum einen, weil sich Letztere in großem Stil von ihren bearishen Engagements (25 Prozent aller Befragten!) getrennt haben, wĂ€hrend sich die ĂŒber Social Media Befragten in Ă€hnlicher GrĂ¶ĂŸenordnung entgegengesetzt von der Bullen- auf die BĂ€renseite bewegt haben. Diese Untergruppe zeigt sich zum allerersten Mal seit Beginn der relativ kurzen Aufzeichnungshistorie (September 2023) deutlich bearisher als die ĂŒbrigen Privatanleger, die ihrerseits anscheinend den DAX-RĂŒcksetzer zu Dip-KĂ€ufen genutzt haben, so dass der Börse Frankfurt Sentiment-Index in dieser Untergruppe nun bei +20 liegt. Das entspricht einem Zuwachs von 36 Punkten. Es besteht also eine große Stimmungskluft zwischen diesen beiden Untergruppen, allerdings nunmehr mit umgekehrten Vorzeichen.

Im Gegensatz dazu tut sich zwischen privaten und institutionellen Anlegern nur eine geringe Stimmungskluft auf. WĂ€hrend unter den Privatanlegern eine deutliche Zerrissenheit in der EinschĂ€tzung der zukĂŒnftigen DAX-Entwicklung erkennbar ist, bewegen sich die institutionellen Investoren fast auf neutralem Terrain, in der relativen Betrachtung auf drei und sechs Monate sind sie leicht optimistisch. Unter dem Strich hat sich die Sentiment-technische Situation gegenĂŒber der Vorwoche nur wenig verĂ€ndert, genau genommen hat sie sich minimal verbessert. Die Nachfragesituation hĂ€ngt damit vor allen Dingen von weiteren Kapitalströmen in Richtung Eurozone ab, wĂ€hrend die heimischen Investoren dem nicht so viel hinzuzufĂŒgen haben. Allerdings stellt sich die Frage, ob die vornehmlich aus den USA stammenden Kapitalströme auch noch weiter fließen werden, wenn die dortigen Aktienkurse weiter deutlich an Wert verlieren.

von Joachim Goldberg

12. MĂ€rz 2025, © Goldberg & Goldberg fĂŒr boerse-frankfurt.de

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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