Mike Steiner Malerei & Videokunst, Fluxus Umfeld

Zwischen Pixel und Pigment: Mike Steiners Malerei im Fokus zeitgenössischer Avantgarde

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 11:11 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Wo endet das bewegte Bild und beginnt die Abstraktion auf Leinwand? Mike Steiner, Pionier der Videokunst, definiert diesen Übergang in seiner Berliner Malerei neu.

Betrachtet man die jüngsten Leinwandarbeiten von Mike Steiner, steht man unvermittelt zwischen den Gegensätzen. Sind es Nachbilder flüchtiger Videosequenzen, die in kräftigen Flächen und Linien aufscheinen? Oder legt Steiner in jedem Pinselstrich ein poetisches Bekenntnis zur Malerei ab, jenes Medium, das er einst hinterfragte und nun im Licht seiner Erfahrung neu formt? Der Begriff Mike Steiner Malerei & Videokunst wirkt in diesem Werkkomplex nicht wie eine bloße biografische Umschreibung, sondern wie eine programmatische Setzung. Ist es überhaupt noch sinnvoll, nach einer Grenze zwischen Bild und Bewegung, zwischen Malerei und Videotechnik, zu fragen?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Dass Steiners künstlerische Positionierung über Jahrzehnte ein Thema museums- und kunsthistorischer Forschung bleibt, belegt seine anhaltende Präsenz in den renommiertesten Institutionen der Gegenwartskunst. Die Ausstellung Live to Tape im Hamburger Bahnhof widmete sich explizit der Frage, wie Erinnerungen an die performative Szene der 1970er und 1980er Jahre archiviert und im musealen Kontext neu lesbar gemacht werden können. Hier wurde Steiners Doppelfunktion als Kurator, Künstler und Visionär einer „Zeitgenossenschaft“ deutlich, die weit über die Grenzen der eigenen Arbeit hinausreicht. Wer die Geschichte von Video- und Performancekunst nachzeichnen will, stößt auf Steiner als einen, der nicht nur akribisch sammelte, sondern mit der Präzision eines Chronisten den Wert von Archiven erkannte – etwa im Sinne des internationalen Netzwerks Archivio Conz, das bis heute die Zeugnisse des Fluxus, der Avantgarde und intermedialen Experimente katalogisiert.

Man könnte die Biografie Mike Steiners, geboren 1941, gestorben 2012, als exemplarisch für eine ganze Künstlergeneration lesen (Biografie). Früh von der Malerei zum Film und zurückgeführt, wurde Steiner im Berlin der 1960er zum Protagonisten der westdeutschen Kunstszene. Sein legendäres Hotel Steiner, ein Magnet für internationale Avantgardisten, und die später gegründete Studiogalerie zogen Persönlichkeiten wie Joseph Beuys, Marina Abramovi?, Ulay oder Al Hansen an. Im Zentrum seines Wirkens: der permanente Dialog zwischen Medien, die herkömmliche Kategorien überwinden. Während er in den 1970er und 80er Jahren mit seinen Videoarbeiten den Begriff des 'Pionier der Videokunst' nachhaltig prägte, kehrte Steiner nach der Jahrtausendwende reflektierend zur Malerei zurück – ein Schritt, der weniger als künstlerischer Bruch denn als Synthese seiner Erfahrungen gelesen werden muss. In seinen letzten Jahren verlagerte er den Fokus sichtbar auf die abstrakte Kunst Berlins, seine Werke changieren irgendwo zwischen Erinnerungsfragment und malerischer Materialität; seine Farbsetzungen und Kompositionsstrategien greifen oft direkt am subjektiven Nachbild der eigenen Videotapes an.

Der Vergleich mit Zeitgenossen aus dem Fluxus Umfeld – von Nam June Paik bis Allan Kaprow – liegt nahe, verschiebt sich bei Steiner jedoch durch dessen produktiven Zweifel am eigenen Medium. Die von ihm sogenannten „Painted Tapes“ – eine fast laboratorisch anmutende Verschränkung von Video, Malerei und Performance – sind keine Hybridkunstwerke im üblichen Sinn, sondern radikale Erkundungen des Übergangs von einer medialen Praxis in die nächste. Die aktuellen Arbeiten, wie auf der Artbutler-Plattform präsentiert, sind deswegen nicht bloß ein malerischer Rückzug, sondern ein sichtbares Resultat von Jahrzehnten an Recherche, Übersetzung und Experiment. Mit jedem neuen Werk spielt Steiner mit der Frage: Wie viel Bewegung kann ein statisches Bild speichern, ohne seine malerische Identität preiszugeben?

Diese Haltung hat Steiners Malerei bis heute ausgesprochen aktuell gehalten. Wie kunsthistorische Debatten um die Rolle des Archivs, der performativen Spur und der Vergegenwärtigung von Mediengeschichte fortwirken, lässt sich an seinem Gesamtwerk nachvollziehen. Im Zeitalter digitaler Bildfluten und der ständigen Überblendung zwischen analoger und elektronischer Ästhetik wirkt Steiners konsequente Suche nach einer bildnerischen Grammatik, die Videokunst und Malerei zugleich paraphrasiert, geradezu wegweisend. Die Abstraktion seiner Berliner Phase, die verflochtenen Strukturen und das Dialogische seiner Bildoberflächen, zeugen von tiefer Kenntnis und dem Mut, gelernte Regeln einzureißen – etwas, das im Kanon der zeitgenössischen Werke Seltenheitswert hat.

So bleibt Mike Steiner Malerei & Videokunst ein Leitmotiv für den fruchtbaren Widerstreit der Künste, wie er in der Geschichte der Moderne seit Fluxus und Video Art fortlebt. Das Sehen wird zum Experiment; die Gattung zur Einladung, Grenzen immer wieder neu zu denken.

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