Adidas Aktie: CEO-Kauf nach Ausverkauf
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 01:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rekordumsatz, aber ein Kurssturz an der Börse. Bei Adidas klaffen Zahlen und Kursreaktion gerade weit auseinander. Die Aktie schloss den Freitag bei 159,15 Euro, nur leicht im Plus. Die vergangenen sieben Handelstage kosteten dem Papier aber über 7 Prozent, auf Monatssicht steht ein Minus von mehr als 11 Prozent.
Auslöser war die Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal 2026. Der Sportartikelhersteller meldete einen Rekordumsatz. Der anhaltende Margendruck und die Nachricht über den nicht verlängerten DFB-Vertrag drückten die Stimmung trotzdem massiv. Mitten in dieser Verunsicherung kaufte CEO Björn Gulden Aktien im Wert von über 500.000 Euro. Ein Signal, das der Markt selten ignoriert.
Die entscheidende Frage
Kann das neu aufgestellte Management das hohe Umsatzwachstum zeitnah in eine nachhaltige Margenerholung überführen? Geführt wird Adidas künftig von Gulden und der neuen Finanzchefin Birgit Kretschmer, die Harm Ohlmeyer ablöst. Von der Antwort hängt ab, ob der aktuelle Kursrutsch eine Übertreibung bleibt oder der Auftakt zu einem längeren Abwärtstrend ist.
Bullisches Szenario: Vertrauen als Signal
Der Insiderkauf des CEOs wiegt schwer. Am Markt gilt so ein Schritt oft als Hinweis: Das Management schätzt die Lage optimistischer ein, als es der Kurs zeigt. Hinzu kommt ein technisches Argument. Der RSI liegt bei 33,2 und nähert sich damit dem überverkauften Bereich – ein Niveau, das häufig antizyklische Käufer anlockt.
Auch strategisch gibt es Hoffnung. Der Hauptkonkurrent Nike zieht sich laut Marktbeobachtungen teilweise aus China zurück. Sollte Adidas dort Marktanteile gewinnen, würde das die globale Wachstumsstory stützen. Jefferies traut der Aktie ein Kursziel von 205 Euro zu, JPMorgan bestätigt sein Overweight-Rating. Der 200-Tage-Durchschnitt bei 157,82 Euro liegt nur knapp über dem aktuellen Kurs und wäre ein erster Baustein für eine Stabilisierung.
Bärisches Szenario: Struktureller Gegenwind
Kritische Stimmen zeichnen ein deutlich düstereres Bild. Kursziele zwischen 110 und 125 Euro kursieren am Markt, gestützt auf den anhaltenden Margendruck. Das Umsatzplus im zweiten Quartal konnte diesen Druck nicht ausgleichen. Der Verlust des DFB-Vertrags markiert zudem eine Zäsur in der Markenidentität, deren Folgen für Marketingbudget und Markenwahrnehmung sich noch nicht beziffern lassen.
Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Die Aktie notiert rund 19 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, das bei 196,50 Euro lag. Auch zum 50-Tage-Durchschnitt fehlen ihr fast 9 Prozent.
Der kurzfristige Trend zeigt klar nach unten.
Rutscht die Aktie unter die Unterstützung bei 147,20 Euro, rückt das 52-Wochen-Tief von 130,20 Euro wieder ins Blickfeld. Die annualisierte Volatilität von rund 46 Prozent signalisiert: Weitere kräftige Ausschläge sind wahrscheinlich.
Ausblick
Kurzfristig entscheidet sich viel an der Marke von 147,20 Euro. Hält der Kurs diese Unterstützung, bleibt Raum für eine technische Gegenbewegung bis zum Widerstand bei 182,45 Euro.
In der kommenden Woche achtet der Markt auf weitere Insiderkäufe und neue Analystenkommentare. Ebenso wichtig wird die operative Übergabe im Finanzressort an Birgit Kretschmer.
Auch Konjunkturdaten aus China spielen eine Rolle. Sie zeigen, ob Adidas tatsächlich Marktanteile von Nike gewinnt. Ein Ausbruch über den 100-Tage-Durchschnitt bei 157,54 Euro wäre das erste handfeste Signal, dass der Ausverkauf nach den Quartalszahlen überstanden ist.
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