Advantest Aktie: Aufschlag auf Tokyo Electron bleibt
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 08:33 Uhr | Redaktion boerse-global.deAdvantest steht heute vor einem Bewertungsproblem: Trotz des Ausverkaufs bleibt die Aktie gegenüber Tokyo Electron mit einem deutlichen Aufschlag bewertet. Gleichzeitig schüren mögliche strengere US-Regeln für Rechenzentren Zweifel am weiteren KI-Investitionstempo. Die starken Geschäftszahlen bieten ein Gegengewicht, beseitigen das Risiko hoher Erwartungen aber nicht.
Der Aufschlag verlangt weiteres Wachstum
Auf Basis der Unternehmensprognosen für den Gewinn je Aktie im Geschäftsjahr bis März 2027 beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei Advantest 30,59. Tokyo Electron kommt auf 23,42. Damit wird Advantest mit einem Bewertungsaufschlag von 30,6% gehandelt.
Der Vergleich ist allerdings nicht vollständig deckungsgleich. Advantest bilanziert nach IFRS, Tokyo Electron nach japanischen Rechnungslegungsstandards. Zudem lohnt bei Advantest ein genauer Blick auf die Zusammensetzung des Gewinns: Nicht alle Ergebnisbeiträge stammen aus dem operativen Geschäft.
Im ersten Halbjahr erzielte Advantest einen Nettogewinn von 368,1 Mrd. Yen. Darin enthalten waren rund 57 Mrd. Yen Finanzerträge, überwiegend Bewertungsgewinne aus Wertpapieren. Für die operative Jahresprognose muss das Ergebnis im zweiten Halbjahr gegenüber dem ersten um 11,7% steigen.
Für Anleger sind damit zwei Fragen entscheidend: Wie zuverlässig trägt das Testgeschäft die weitere Expansion? Und welcher Bewertungsaufschlag ist angesichts der politischen Unsicherheit noch gerechtfertigt? Die jüngsten Zahlen und die Börsenreaktion geben darauf unterschiedliche Antworten.
Regulierungssorgen überlagern die Geschäftszahlen
Laut Nikkei belasteten gestern Sorgen über unsichere KI-Unternehmensinvestitionen nach den US-Zwischenwahlen. Im Wahlkampf war der Bau von Rechenzentren wegen ihres hohen Stromverbrauchs und ihrer Umweltbelastung umstritten. Befürchtungen über strengere Regeln setzen damit an den Investitionen an, die den Ausbau der KI-Infrastruktur tragen sollen.
Dabei sind mögliche strengere Vorgaben nicht mit bereits beschlossenen Einschränkungen gleichzusetzen. Ebenso wenig belegen die politischen Sorgen einen tatsächlichen Einbruch der Nachfrage bei Advantest. An der Börse geraten jedoch schon die Erwartungen an das künftige Wachstum unter Druck.
Morningstar sieht weiter operative Stärke
Morningstar zeichnete gestern ein deutlich freundlicheres Bild des Geschäfts. Die Analysten begründen ihren stärkeren Ausblick für das Testgeschäft mit der zunehmenden Komplexität von KI-Chips. Damit steht dem politischen Risiko eine unternehmensspezifische Wachstumsthese gegenüber: Anspruchsvollere Chips unterstützen die Nachfrage nach Testsystemen.
Für das Geschäftsjahr 2027 prognostiziert Morningstar einen weiteren kräftigen Anstieg. Der optimistische Ausblick setzt somit voraus, dass die Nachfrage nicht nur kurzfristig hoch bleibt, sondern die Expansion auch danach trägt.
Advantest wird folglich nicht allein an starken Quartalszahlen gemessen. Entscheidend ist, ob das operative Wachstum den Bewertungsaufschlag dauerhaft rechtfertigt. Die Finanzerträge im Halbjahresgewinn und die Unsicherheit über das KI-Investitionstempo machen diese Unterscheidung für Anleger besonders wichtig.
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