Airbus, Streik-ZĂ€sur

Airbus vor der Streik-ZĂ€sur: Wird der September zur Belastungsprobe?

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 01:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Airbus droht in Getafe ein unbefristeter Streik ab September, der das ambitionierte Auslieferungsziel von 870 Flugzeugen fĂŒr 2026 gefĂ€hrden könnte.

Airbus vor kritischem September: Streikdrohung in Getafe gefÀhrdet Auslieferungsziel
Moderne Flugzeugturbine in einer hochtechnisierten Montagehalle mit dramatischer Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Ausgangslage: Zwei Fronten laufen parallel

Airbus steuert auf einen kritischen September zu. WĂ€hrend der Konzern operativ liefert – im Juli wurden 67 Kommerzflugzeuge ausgeliefert, insgesamt 418 von 870 Einheiten im laufenden Jahr –, droht im spanischen Werk Getafe eine neue Eskalationsstufe.

Die Gewerkschaft CCOO hat einen eigenen, unbefristeten Arbeitskampf fĂŒr die Zeit nach dem 7. September angekĂŒndigt, sollte es bis dahin keine Lösung geben.

Der bereits im Juli gefĂŒhrte Streik der Gewerkschaft SIPA, an dem rund 3.000 der etwa 9.000 BeschĂ€ftigten am Standort teilnahmen, hatte nach Angaben betroffener Mitarbeiter bereits Inspektionen und technische PrĂŒfungen verzögert – Arbeitsschritte, die fĂŒr die Auslieferung von Flugzeugen notwendig sind.

FĂŒr Anleger zĂ€hlt das jetzt, weil das Auslieferungsziel von rund 870 Maschinen fĂŒr 2026 keinen Puffer mehr erlaubt: Nach sieben Monaten liegt Airbus zwar 51 Flugzeuge vor Boeing, doch die zweite JahreshĂ€lfte muss die RĂŒckstĂ€nde zum Ziel aufholen, wĂ€hrend Getafe eine zusĂ€tzliche Unsicherheit darstellt.

Die entscheidende Frage: Reicht die Zeit bis zum 7. September?

Die zentrale Kennzahl fĂŒr die kommenden Wochen ist nicht der Kurs, sondern der Verhandlungsstand in Getafe. Airbus-Management hat im Juli signalisiert, offen fĂŒr Dialog zu sein und "konstruktiv" an den laufenden Verhandlungen mitwirken zu wollen.

Ob das bis zum 7. September in eine Einigung mĂŒndet oder CCOO tatsĂ€chlich zum unbefristeten Streik aufruft, entscheidet, ob die zweite JahreshĂ€lfte reibungslos verlĂ€uft oder erneut Inspektions- und AuslieferungskapazitĂ€t verliert. Bleibt es bei einer befristeten, lokal begrenzten Auseinandersetzung, dĂŒrfte der Effekt auf die Konzernzahlen begrenzt sein.

Weitet sich der Konflikt hingegen aus oder zieht sich ĂŒber Wochen, gerĂ€t das Auslieferungsziel von 870 Maschinen zusĂ€tzlich unter Druck – zu einem Zeitpunkt, an dem der Aktienkurs bereits einen ambitionierten Ausblick eingepreist hat.

Bullisches Szenario: Wachstumsstory bleibt intakt

FĂŒr die Bullen spricht die im Juli mit 204 BruttoauftrĂ€gen belegte Nachfragedynamik, angetrieben von GroßauftrĂ€gen fĂŒr Schmalrumpf- und Großraumflugzeuge rund um die Farnborough Air Show.

Der Vorstand hat zudem ein AktienrĂŒckkaufprogramm ĂŒber 5 Milliarden Euro ĂŒber drei Jahre beschlossen und mittelfristige Ziele formuliert, die auf ein Kernergebnis von 12 bis 13 Milliarden Euro im Jahr 2029 hinauslaufen – gegenĂŒber 7,13 Milliarden Euro im Jahr 2025. Sollte sich der Konflikt in Getafe zeitnah entschĂ€rfen, bliebe der Fokus auf dieser Wachstumsstory, gestĂŒtzt durch die im Halbjahr bereits verbesserte Free-Cashflow-Entwicklung.

Auch die technologische Weiterentwicklung, etwa der im August gestartete dreijĂ€hrige Flugtestkampagne mit einem A321neo-Demonstrator fĂŒr das Wing-of-Tomorrow-Programm, unterstreicht die langfristige Positionierung im Single-Aisle- und Effizienzsegment.

BĂ€risches Szenario: Lieferkette unter Druck, Bewertung schon hoch

Das Risiko liegt in der Kombination aus operativer Enge und Arbeitskampf. Airbus hat fĂŒr 2026 ein bereinigtes EBIT von rund 7,5 Milliarden Euro und einen freien Cashflow vor Kundenfinanzierung von rund 4,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt – Ziele, die kaum Spielraum fĂŒr zusĂ€tzliche Verzögerungen lassen.

Weitet sich der Konflikt in Getafe nach dem 7. September aus, drohen erneut blockierte Inspektionen und verzögerte Übergaben, wie es SIPA-BeschĂ€ftigte bereits im Juli beschrieben. Hinzu kommt, dass Sadif Investment Analytics die Aktie am 12. August auf "Hold" von "Buy" herabgestuft und das Kursziel auf 201,51 Euro von 228,14 Euro gesenkt hat – ein Hinweis darauf, dass zumindest ein Analyst die Bewertung nach dem jĂŒngsten Anstieg als ausgereizt einschĂ€tzt.

Der Kurs notiert aktuell bei 208,00 Euro und damit rund 7,7 Prozent ĂŒber dem 50-Tage-Durchschnitt von 193,13 Euro, wĂ€hrend die 30-Tage-Entwicklung mit 9,2 Prozent bereits deutlich positiv ausfĂ€llt – ein Umfeld, in dem negative Überraschungen stĂ€rker durchschlagen könnten.

Ausblick: Der 7. September als Weichenstellung

Solange sich der Konflikt in Getafe auf lokale, verhandelbare Reibungen beschrĂ€nkt und Airbus die Liefertermine der zweiten JahreshĂ€lfte einhĂ€lt, bleibt die mittelfristige Story aus RĂŒckkaufprogramm und Margenausweitung bis 2029 intakt.

Kippt die Lage jedoch nach dem 7. September in einen unbefristeten Arbeitskampf, drohen zusĂ€tzliche Verzögerungen bei Inspektionen und Übergaben – ausgerechnet in der Phase, in der der Konzern seinen RĂŒckstand zum Jahresziel aufholen muss.

Anleger sollten die Verhandlungen in Getafe in den kommenden Wochen als wichtigsten kurzfristigen Katalysator im Blick behalten, noch vor dem fĂŒr den 24. September angekĂŒndigten Erstflug des A350F-Frachters, der als nĂ€chster operativer Meilenstein zusĂ€tzliche Signale liefern dĂŒrfte.

Anzeige

Airbus-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Airbus-Analyse vom 20. August liefert die Antwort:

Die neusten Airbus-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf fĂŒr Airbus-AktionĂ€re. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 20. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Airbus: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Disclaimer...

de | NL0000235190 | AIRBUS | boerse | 69973335 |