All for One Group Aktie: VINCI überschreitet Annahmeschwelle
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 12:59 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Übernahmeangebot für die All for One Group SE hat die entscheidende Hürde genommen. Wie am Dienstag bekannt wurde, sicherte sich die VINCI Energies Deutschland Enterprise Solutions AcquiCo SE im Rahmen der Offerte einen Stimmrechtsanteil von 83,56 Prozent. Damit hat der Bieter die ursprünglich definierte Mindestannahmeschwelle klar überschritten und die Weichen für die künftige Konzernstruktur gestellt.
Weitere Annahmefrist läuft bis Anfang Oktober
Das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot sah eine Gegenleistung von 67,50 Euro je Aktie vor.
Für verbliebene Aktionäre besteht jedoch weiterhin die Möglichkeit, ihre Anteile anzudienen: Die gesetzliche weitere Annahmefrist läuft noch bis zum 2. Oktober 2026. Medienberichten zufolge plant der neue Mehrheitseigentümer nach dem erfolgreichen Überschreiten der Schwelle von 75 Prozent plus einer Aktie einen Rückzug des IT-Dienstleisters von der Börse. Vorgesehen ist ein Delisting aus dem Prime Standard.
An der Börse notiert der Titel derzeit sogar über dem Gebot von VINCI. Im heutigen Handel legt die Aktie um 1,5 Prozent zu und erreicht einen Kurs von 70,20 Euro.
Umbau und schwache Ertragslage im Geschäftsjahr 2025/26
Die Übernahme erfolgt in einer operativ herausfordernden Phase des Unternehmens. Im Geschäftsjahr 2025/26 sah sich die All for One Group mit spürbarem Gegenwind konfrontiert. Das Management passte im Mai die Jahresprognose an und stellte ein bereinigtes Betriebsergebnis nahe der Nulllinie in Aussicht.
Als Gründe nannte das Unternehmen anhaltende wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheiten in Regionen wie dem Iran und dem GCC-Raum sowie strukturelle Veränderungen in der IT-Branche.
Die Zahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 spiegeln diese Belastungen wider. Zwar blieb der Umsatz mit 379,6 Millionen Euro nach 380,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum weitgehend stabil, das operative Ergebnis vor M&A-Effekten drehte jedoch mit minus 9,3 Millionen Euro deutlich ins Minus.
Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen hier noch ein Plus von 17,5 Millionen Euro ausgewiesen. Stützend wirkte vor allem das Cloud- und Servicegeschäft, das um vier Prozent auf 115,6 Millionen Euro zulegen konnte. Die wiederkehrenden Erlöse machten mit 201,0 Millionen Euro mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes aus.
Sparprogramm „Precision“ soll Wende bringen
Um der operativen Schwächephase entgegenzuwirken, initiierte das Management bereits im Mai das Restrukturierungsprogramm „Precision“. Das Programm zielt darauf ab, ab Herbst 2026 jährliche Kosteneinsparungen von 20 Millionen Euro zu realisieren.
Der Großteil der Umsetzungsmaßnahmen wurde bis Ende Juni abgeschlossen. Erste messbare Ergebnisse dieser Kostensenkungen stellt das Unternehmen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 in Aussicht.
Parallel zur Restrukturierung trieb die All for One Group auch die personelle und strategische Neuausrichtung voran. Bereits im März erwarb die Gruppe den SAP-Procurement-Spezialisten Apsolut Group, der in den ersten neun Monaten 14,2 Millionen Euro zum Umsatz beisteuerte.
Seit dem 1. Juli verantwortet Thomas Herbst, früherer Geschäftsführer der Apsolut Group, als Chief Operating Officer die operativen Prozesse. Unter dem Dach von VINCI Energies dürften die Integration und die Restrukturierung nun abseits der strengen Publizitätspflichten des regulierten Marktes fortgeführt werden.
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