Amazon Aktie: AWS wächst 36,8 Prozent
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 12:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Amazon-Gründer Jeff Bezos hat am Dienstag ein Formular 144 eingereicht und damit die Absicht bekundet, 15 Millionen Aktien im Wert von schätzungsweise 4,07 Milliarden Dollar zu veräußern. Die Transaktion läuft über einen automatisierten Handelsplan nach Rule 10b5-1, den Bezos bereits am 14. November 2025 aufgesetzt hatte. Am Donnerstag folgte die Bestätigung eines ersten Teilverkaufs: Rund 1,2 Millionen Aktien im Wert von etwa 350 Millionen Dollar wechselten den Besitzer – laut einer entsprechenden Pflichtmitteilung Bezos' erste Veräußerung in diesem Jahr.
Verkäufe fallen in eine Phase der Stärke
Die Aktienverkäufe finden vor dem Hintergrund einer außergewöhnlich starken Kursentwicklung statt. Anfang August hatte Amazon erstmals in der Unternehmensgeschichte eine Marktkapitalisierung von drei Billionen Dollar überschritten, nachdem die Aktie an einem einzigen Handelstag um 15 Prozent zugelegt hatte. Auslöser waren die Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026, die die Erwartungen der Wall Street deutlich übertrafen: Der Umsatz kletterte um 20 Prozent auf 200,61 Milliarden Dollar und lag damit über der Konsensschätzung von 196,47 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie erreichte 5,75 Dollar gegenüber prognostizierten 1,82 Dollar.
Besonders die Cloud-Sparte AWS lieferte den entscheidenden Impuls: Der Umsatz wuchs um 36,8 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar – das schnellste Wachstumstempo seit 18 Quartalen. Für das dritte Quartal stellte Amazon ein operatives Ergebnis zwischen 22,5 und 26,5 Milliarden Dollar in Aussicht, deutlich mehr als die 17,4 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Die Zahlen für dieses dritte Quartal sollen im Oktober veröffentlicht werden.
Analysten reagieren mit angehobenen Kurszielen
Die Reaktionen der Analystenhäuser fielen überwiegend positiv aus. Am Mittwoch hob Benchmark sein Kursziel für Amazon auf 400 Dollar an und begründete den Schritt mit beschleunigtem AWS-Wachstum sowie einer durch Künstliche Intelligenz getriebenen Margenausweitung. Am selben Tag bestätigte JPMorgan-Analyst Doug Anmuth seine Einstufung „Overweight" mit einem Kursziel von 365 Dollar im Anschluss an die Quartalszahlen. Bereits am Dienstag hatte Mizuho Securities das Kursziel von 320 auf 330 Dollar erhöht. Nicht alle Häuser zogen jedoch in dieselbe Richtung: CMB International Securities senkte sein Kursziel am Montag von 305 auf 301 Dollar, blieb aber bei einer Kaufempfehlung.
Regulatorisches Risiko für AWS-Infrastruktur
Parallel zur positiven Nachrichtenlage rückt ein potenzielles Hindernis in den Blick. Medienberichten zufolge bereiten US-Regulierungsbehörden ein Importverbot für optische Transceiver aus China vor. Solche Bauteile sind für die KI-Infrastruktur von Amazon Web Services relevant, da chinesische Zulieferer nach diesen Berichten für nahezu zwei Drittel der weltweiten Produktion stehen. Ein Verbot könnte damit Engpässe bei Hardware verursachen, die für den Ausbau der AWS-Rechenkapazitäten benötigt wird.
Kurs bleibt nahe Rekordniveau
Trotz der Verkäufe aus dem Bezos-Umfeld notiert die Amazon-Aktie robust. Am Donnerstag schloss sie bei 236,30 Euro, nach einem Zuwachs von 10,81 Prozent innerhalb der vergangenen 30 Tage. Zum 52-Wochen-Hoch von 249,00 Euro, das Anfang August erreicht wurde, fehlen der Aktie derzeit 5,10 Prozent. Die Kombination aus starken operativen Zahlen und angehobenen Kurszielen scheint die milliardenschweren Bezos-Verkäufe bislang zu überlagern – für Anleger bleibt die Entwicklung bei AWS und die Reaktion auf mögliche Handelsbeschränkungen dennoch ein Faktor, den es im Blick zu behalten gilt.
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