Amazon Aktie: Community-Offensive neben Chip-Deal
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 02:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Amazon will mehr als eine Milliarde Dollar in die Regionen stecken, in denen die eigenen Rechenzentren stehen. Das Programm kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Konzern parallel an neuen Finanzierungswegen für den KI-Ausbau arbeitet.
Eine Milliarde für Gemeinden
AWS-Chef Matt Garman stellte die "Amazon Data Center Commitment" vor. Über fünf Jahre fließt das Geld in Bildung, bezahlbare Energie, Wassersparen und weitere vor Ort definierte Prioritäten. Der Rahmen trägt den Namen "Built Together".
Konkret sollen mehr als 300.000 Studierende Zugang zu kostenfreien Community-College-Programmen erhalten. Amazon deckt dabei die Lücken, die nach staatlicher Förderung bleiben. Außerdem entstehen 16 weitere Modular Training Centers. Bis Ende 2028 sollen sie bis zu 100.000 Arbeitskräfte jährlich qualifizieren.
Beim Wasser peilt der Konzern bis 2030 eine positive Bilanz an. Neue Standorte erhalten zudem Notstromaggregate nach Tier-4-Standard oder gleichwertig. Bereits in den vergangenen drei Jahren flossen nach Unternehmensangaben mehr als eine Milliarde Dollar in Kommunen mit starker Rechenzentrumspräsenz.
Chips raus aus der Bilanz
Wichtiger für die Finanzlage ist ein anderes Vorhaben. Amazon prüft Berichten zufolge, Nvidia-Chips im Wert von rund acht Milliarden Dollar in eine Zweckgesellschaft auszulagern und zurückzumieten. Es geht um Tausende Grace-Blackwell-Chips in mehr als einem Dutzend US-Rechenzentren.
Gespräche mit Investoren laufen demnach bereits. Bis zu zehn Prozent der Anteile könnten verkauft werden, den Rest soll Fremdkapital über Anleihen stemmen. Amazon und Nvidia äußerten sich zunächst nicht.
Der Hintergrund ist die Größenordnung der Investitionen. Für 2026 plant Amazon Ausgaben von rund 220 Milliarden Dollar, zuvor standen 200 Milliarden im Raum. Der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate rutschte auf minus 7,6 Milliarden Dollar, nach plus 18,2 Milliarden im Vorjahr.
Die langfristigen Schulden haben sich im ersten Halbjahr fast verdoppelt, von 65,6 auf 129 Milliarden Dollar. Gemessen daran wirken acht Milliarden klein. Entscheidend ist das Muster: Die Chips verschwinden aus der Bilanz, die Mietzahlungen bleiben.
Risiko Hardware-Alterung
Kritisch ist die kurze Lebensdauer der Technik. Rechenzentren müssen ihre Hardware Schätzungen zufolge etwa alle fünf Jahre erneuern. Investoren finanzieren also teure Vermögenswerte, die schnell an Wert verlieren können. Ähnliche Konstruktionen nutzt bereits CoreWeave.
Hinzu kommt ein Detail aus der Wochenmitte: Die Cloud-Sparte lizenziert für mehr als eine Milliarde Dollar Chipdesign-Technik von Synopsys. Amazon mietet also fremde Chips zurück und baut zugleich an eigener Hardware.
Zu den Deal-Gesprächen liegt bislang keine Unternehmensbestätigung vor. Ob die Zweckgesellschaft tatsächlich zustande kommt, hängt davon ab, ob sich genügend Investoren für die schnell alternden Chips finden.
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