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AMD Aktie: Helios startet September 2026

Veröffentlicht am: 22.08.2026 um 00:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de

AMD-Kursrutsch ist primär auf steigende Anleiherenditen zurückzuführen, nicht auf operative Schwächen. Analysten sehen trotz hoher Bewertung weiteres Potenzial.

AMD-Aktie unter Druck: Zinsangst statt Chip-Schwäche als Auslöser
Hochmoderne Serverinfrastruktur mit leuchtenden Glasfaserkabeln als Symbol für Halbleitertechnologie und Rechenleistung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Vier Prozent Verlust an einem Tag, dann noch einmal vier Prozent am nächsten – wer AMD in dieser Woche im Depot hatte, brauchte starke Nerven. Der Kurs notiert aktuell bei 404,10 Euro, ein Minus von neun Prozent auf Wochensicht und satten 16 Prozent auf Monatssicht. Unterm Strich bin ich überzeugt: Das ist kein AMD-Problem, sondern ein Zinsproblem – und genau das macht den Unterschied für meine Einschätzung.

Der Auslöser liegt nicht im Chipgeschäft

Der Halbleiterindex PHLX fiel am Dienstag um rund fünf Prozent und am Mittwoch um weitere zwei Prozent – ausgelöst nicht durch schlechte Unternehmensnachrichten, sondern durch die 30-jährige US-Staatsanleihe, die mit 5,34 Prozent den höchsten Stand seit 2007 erreichte.

AMD verlor an beiden Tagen jeweils rund vier Prozent, Micron sogar sieben. Wenn ein ganzer Sektor wegen Anleiherenditen abverkauft wird, sollte man nicht vorschnell auf fundamentale Schwäche schließen. Für mich spricht das eher für eine Bewertungskorrektur als für einen Vertrauensverlust in das Geschäftsmodell.

Und die Geschäftszahlen tragen diese Interpretation: Im zweiten Quartal legte AMD den Umsatz um 50 Prozent auf 11,5 Milliarden Dollar zu, das Rechenzentrumsgeschäft wuchs sogar um 107 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar und macht mittlerweile 58 Prozent des Konzernumsatzes aus.

Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen rund 13 Milliarden Dollar in Aussicht, ein Plus von 41 Prozent gegenüber Vorjahr. Das ist keine Wachstumsstory, die ins Wanken gerät.

BMO glaubt an Helios – ich sehe die Bewertung als eigentlichen Prüfstein

Der Analyst Harsh Kumar von BMO Capital initiierte die Coverage für AMD am Freitag mit einem Outperform-Rating und einem Kursziel von 550 Dollar. Seine Begründung: Das neue Helios-AI-Rack, das im September 2026 startet, könnte Nvidias NVL72 ernsthaft Konkurrenz machen.

Design-Wins mit OpenAI, Meta und Anthropic untermauern diese These – Anthropic hat sich für Helios ab 2027 mit 2 Gigawatt MI450-Kapazität verpflichtet, OpenAI sogar mit 6 Gigawatt und Optionsscheinen auf bis zu 160 Millionen Aktien.

Trotzdem bleibt für mich die Bewertungsfrage der wunde Punkt. AMD handelt je nach Berechnungsgrundlage zwischen dem 42-fachen und dem 120-fachen des erwarteten Gewinns – während Nvidia mit etwa dem 22- bis 34-fachen deutlich günstiger dasteht, bei ungleich größerem Rechenzentrumsgeschäft von 75 Milliarden Dollar im Quartal.

Diese Kluft lässt sich nicht allein mit Wachstumsraten erklären. Wer AMD kauft, kauft auch ein Stück Erwartung, dass Helios tatsächlich liefert, was die Folien versprechen.

Insiderverkäufe: Rauschen oder Signal?

CEO Lisa Su verkaufte am 18. August 15.000 Aktien im Wert von rund 7,21 Millionen Dollar, General Counsel Ava Hahn weitere 2.993 Aktien für 1,46 Millionen Dollar. Auch ARK Invest reduzierte innerhalb von zwei Tagen um 14,9 Millionen Dollar.

Ich lese das nicht als Warnsignal – nach einem Kursplus von 138 Prozent in sechs Monaten sind Gewinnmitnahmen von Führungskräften wenig überraschend und sagen wenig über die operative Zukunft aus. Der Analystenkonsens bleibt mit "Strong Buy" und einem durchschnittlichen Kursziel von rund 651 Dollar deutlich optimistischer, als es der jüngste Kursrutsch vermuten lässt.

Ein Wermutstropfen bleibt: AMD verlor offenbar SpaceX als Kunden an Nvidia – ein Hinweis darauf, dass der Wettbewerb um Großkunden härter wird, als mancher Bulle wahrhaben will.

Mein Fazit

Der Kursrückgang der vergangenen Woche erklärt sich für mich überwiegend aus dem breiten Zinsumfeld, nicht aus einer AMD-spezifischen Schwäche. Die operativen Zahlen und die Kundenbasis für Helios sprechen für die langfristige These.

Gleichzeitig zeigt der Abstand zur Nvidia-Bewertung, dass der Markt AMD schon viel Vertrauensvorschuss gegeben hat – jede Verzögerung bei Helios oder ein Nachlassen der Rechenzentrums-Dynamik dürfte hart bestraft werden. Wer die KI-Infrastrukturwette eingeht, sollte sich dieser Bewertungsspanne bewusst sein, statt sich allein von Kurszielen blenden zu lassen.

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