Anthropic, Aktie

Anthropic Aktie: Zukäufe vor dem Börsengang

Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 09:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Anthropic verhandelt über die sechs Milliarden Dollar schwere Übernahme von Decart AI. Parallel decken Forscher Sicherheitslücken in den Reasoning-Modellen des Unternehmens auf.

Anthropic vor Börsengang: Milliarden-Übernahme von Decart AI in Verhandlung
Abstrakte Darstellung einer modernen Server-Infrastruktur mit leuchtenden Glasfaserkabeln als Symbol für KI-Innovation. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Anthropic verhandelt über die Übernahme des Nvidia-unterstützten Start-ups Decart AI. Ein Deal könnte rund sechs Milliarden Dollar wert sein. Die Gespräche kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der Claude-Entwickler seine Kapazitäten für einen geplanten Börsengang massiv ausbaut.

Rechenpower als Engpass

Decart entwickelt KI-Infrastruktur und eigene Modelle – darunter Lucy, das Live-Video in Echtzeit bearbeiten kann, sowie Oasis, ein Modell zur Simulation von Trainingsumgebungen für Robotik und autonomes Fahren. Für Anthropic zählt dabei vor allem eines: Rechenkapazität. Das Unternehmen kämpft mit wachsender Nachfrage nach seinen Diensten und sucht Wege, Engpässe zu beseitigen.

Die Verhandlungen befinden sich noch in einer frühen Phase. Sollte der Deal zustande kommen, würde das Decart-Team in Anthropics Inferenz- und Performance-Organisation aufgehen. Decart hatte im Mai eine Finanzierungsrunde über 300 Millionen Dollar unter Führung von Radical Ventures abgeschlossen, bei der auch Nvidia erstmals als Investor einstieg.

Der mögliche Zukauf reiht sich in eine Serie aggressiver Schritte ein: Erst vergangene Woche hatte Anthropic angekündigt, Hardware- und Software-Ingenieure einzustellen, die bei der Entwicklung eigener Chips für Claude helfen sollen.

Sicherheitslücke bei Reasoning-Modellen

Parallel zu den Übernahmeplänen gerät Anthropic erneut ins Visier von Sicherheitsforschern. Ein Team aus MATS Research, dem ELLIS Institute Tübingen, dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme und der Sicherheitsfirma Snyk deckte eine architektonische Schwachstelle auf, die alle führenden Reasoning-Modelle betrifft – neben Anthropic auch OpenAI und Google.

Der Fehler liegt darin, dass die verschlüsselten "Denkprozesse" der Modelle nicht an einzelne Nutzer oder Sitzungen gebunden sind, sondern einen einzigen, providerweiten Schlüssel nutzen. Dadurch ließen sich verschlüsselte Reasoning-Blöcke von Claude Opus 4.8 in das schwächer abgesicherte Modell Claude Haiku 4.5 einschleusen und dort im Klartext auslesen. Aus 315.320 dekodierten Reasoning-Blöcken öffentlich geteilter Entwickler-Logs zogen die Forscher 367 personenbezogene Daten und 182 Zugangsdaten. Anthropic hat nach der Meldung serverseitige Gegenmaßnahmen implementiert.

Hinzu kommt Kritik von Claude-Nutzern an einem neuen, unsichtbaren Wasserzeichen, das Anthropic zur Erfüllung von EU-Transparenzvorgaben eingeführt hat. Einige Anwender befürchten, dass sich KI-generierte Inhalte dadurch leichter zurückverfolgen lassen.

Für Anthropic zeigt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Während das Unternehmen operativ und finanziell auf Wachstumskurs bleibt und sich für den Börsengang rüstet, wächst gleichzeitig der Druck, Sicherheitsarchitektur und Datenschutz seiner Modelle nachzuschärfen.

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