ASML, Aktie

ASML Aktie: Keine Neuanlagen in Europa verkauft

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 04:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de

ASML erzielt weiteres Wachstum mit asiatischen Chipfabriken, wÀhrend Europa keine neuen Lithografiesysteme abnimmt und die Aktie zulegt.

Pop-Art-Comic-Illustration im Lichtenstein-Stil einer EUV-Lithographiemaschine mit leuchtenden Laserstrahlen, Halbtonpunkten und krÀftigen Farben in Magenta, Cyan und Gelb
ASML NL0010273215 Pop Art Comic der Halbleiter Lithographie mit Ben Day Punkten Lichtenstein Stil Illustration mit AI erstellt.

Europas wertvollster Technologiekonzern hat ein bemerkenswertes Luxusproblem: Die weltweite Nachfrage nach hochmodernen Lithografiesystemen treibt das GeschÀft auf neue HöchststÀnde, doch ausgerechnet der eigene Heimatmarkt spielt dabei praktisch keine Rolle mehr.

Wenn das Management öffentlich konstatiert, auf dem europÀischen Kontinent derzeit keine einzige Neuanlage abzusetzen, ist das weit mehr als eine beilÀufige Randnotiz.

FĂŒr mich markiert dieses EingestĂ€ndnis das endgĂŒltige Scheitern der bisherigen europĂ€ischen Halbleiterambitionen – auch wenn Anleger an der Börse kurzfristig gut daran tun, die globale Dominanz des Konzerns ĂŒber die regionalen SchwĂ€chen zu stellen.

Ein schonungsloser Weckruf aus Amsterdam

Die Warnung kam mit bemerkenswerter SchÀrfe. Frank Heemskerk fand am Montag deutliche Worte: Das Unternehmen verkaufe in Europa derzeit schlicht nichts. Die Zahlen des zweiten Quartals untermauern diesen Befund auf drastische Weise.

Zwar generiert das GeschĂ€ft mit Wartung und Upgrades fĂŒr bestehende Installationen weiterhin verlĂ€ssliche Erlöse, doch fabrikneue Belichtungsmaschinen wurden nicht nach Europa geliefert.

Der Kontrast zum asiatischen Markt könnte kaum grĂ¶ĂŸer sein. Allein SĂŒdkorea und Taiwan nahmen im zweiten Quartal zusammen fast drei Viertel der Systemauslieferungen ab, gefolgt von China und den USA.

Der Konzern verdankt sein Wachstum ausschließlich dem rasanten Ausbau von FertigungskapazitĂ€ten in Übersee, befeuert durch den globalen Bedarf an Speicherchips und KI-Beschleunigern.

WÀhrend Indien und China dem Konzern sprichwörtlich den roten Teppich ausrollen und Washington darauf dringt, den US-Anteil an der Forschung massiv zu steigern, herrscht auf dem europÀischen Heimatmarkt Stillstand.

Die Illusion europÀischer Chipherstellung

Dieser Nullwert entlarvt die europĂ€ische Industriepolitik. Der mit großem Pomp verabschiedete European Chips Act sollte den europĂ€ischen Anteil an der weltweiten Chipproduktion verdoppeln. In der Praxis der modernsten Fertigungstechnologien ist davon wenig zu sehen.

EuropÀische Hersteller wie Infineon oder STMicroelectronics setzen traditionell auf reifere Strukturbreiten, die keine teuren EUV-Systeme im Wert von mehreren hundert Millionen Euro pro Maschine erfordern.

Zudem bremsen langwierige Genehmigungsverfahren und hohe Energiekosten: WĂ€hrend in Asien moderne Mega-Fabriken binnen 18 bis 24 Monaten entstehen, vergehen in Europa oft vier bis fĂŒnf Jahre.

Wenn die Kunden keine neuen Fabriken errichten, kann ASML folglich keine Maschinen installieren. Dass die EuropĂ€ische Union ihren Rechtsrahmen nun ĂŒberarbeiten muss, kommt fĂŒr mich reichlich spĂ€t. Der globale Zug bei der Spitzenfertigung fĂ€hrt lĂ€ngst ohne europĂ€ische Passagiere.

Operative StĂ€rke stĂŒtzt den Kurs

Aus Anlegersicht spricht diese geografische Asymmetrie jedoch nicht gegen das Papier, sondern unterstreicht vielmehr dessen monopolartige Marktstellung. ASML ist nicht von Europa abhĂ€ngig – Europa ist von den asiatischen Chipproduzenten abhĂ€ngig, die ihrerseits ohne die NiederlĂ€nder keinen einzigen modernen Transistor fertigen können.

Am Markt wird diese StĂ€rke unverĂ€ndert honoriert. Gestern schloss die Aktie mit einem Plus von 2,1 Prozent bei 1.522,40 Euro. Seit Jahresanfang steht damit ein krĂ€ftiges Kursplus von 65 Prozent zu Buche. Die operative Dynamik bleibt intakt, weil die Ausgaben der großen Foundries fĂŒr Foundry- und Logikchips sowie der massive Speicherausbau die Kassen fĂŒllen.

Unterm Strich zeigt sich: FĂŒr Europas Wirtschaft ist die Nullrunde bei ASML-Neuanlagen ein industriepolitisches Armutszeugnis und ein reales strategisches Risiko. FĂŒr AktionĂ€re hingegen bleibt ASML ein global agierender Technologie-Monopolist, dessen Ertragskraft vorerst immun gegen die europĂ€ische InvestitionstrĂ€gheit sein dĂŒrfte.

Die Wachstumsfantasie liegt fernab der europĂ€ischen Heimat, doch solange der Hunger nach Rechenleistung weltweit anhĂ€lt, ĂŒberwiegen die operativen Chancen die regionalen VersĂ€umnisse bei Weitem.

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