Bachem: 500-Millionen-Anlage im Sisslerfeld
Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 10:57 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bachem Holding bereitet sich mit umfangreichen Investitionen auf eine deutliche Beschleunigung ihres GeschĂ€fts in der zweiten JahreshĂ€lfte vor. WĂ€hrend das Unternehmen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 ein moderates Umsatzwachstum verzeichnete, hĂ€lt die Konzernleitung an ambitionierten Zielen fĂŒr das Gesamtjahr fest. Im Zentrum der Strategie stehen der Ausbau der ProduktionskapazitĂ€ten in der Schweiz und eine personelle Neuausrichtung im kommerziellen Bereich.
Umsatzwachstum und Margendruck im ersten Halbjahr
In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres erzielte Bachem einen Umsatz von 326,4 Millionen CHF, was einer Steigerung von 4,3 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum entspricht. In LokalwĂ€hrungen betrug das Plus laut Unternehmensangaben 7,3 Prozent. Besonders dynamisch entwickelte sich das Segment CMC Development, das ein Umsatzwachstum von 35,4 Prozent auf 167,5 Millionen CHF verzeichnete.
Trotz des Umsatzplus gerieten die operativen Ergebniszahlen unter Druck. Das EBITDA sank um 9,0 Prozent auf 82,8 Millionen CHF, was einer Marge von 25,4 Prozent entspricht. Im Vorjahreszeitraum hatte dieser Wert noch bei 29,1 Prozent gelegen. Das Unternehmen fĂŒhrt diese Entwicklung unter anderem auf erwartete Anlaufkosten fĂŒr neue KapazitĂ€ten zurĂŒck. Der Nettogewinn blieb mit 50,3 Millionen CHF nahezu auf dem Niveau des Vorjahres (+0,3 Prozent).
FĂŒr das gesamte GeschĂ€ftsjahr 2026 zeigt sich die UnternehmensfĂŒhrung dennoch optimistisch: Bachem prognostiziert ein Umsatzwachstum zwischen 35 und 40 Prozent in LokalwĂ€hrungen. Die EBITDA-Marge soll im tiefen DreiĂigerbereich liegen. Um diese Ziele zu erreichen, ist eine massive Beschleunigung der Produktion und Auslieferungen in den verbleibenden Monaten des Jahres erforderlich.
Investitionsschwerpunkt Sisslerfeld und Bubendorf
Um die langfristige Nachfrage zu bedienen, investiert Bachem verstĂ€rkt in die eigene Infrastruktur. Allein im ersten Halbjahr flossen 148,4 Millionen CHF in Sachanlagen, wobei fĂŒr das zweite Halbjahr weitere signifikante Ausgaben geplant sind. Ein Meilenstein war die erfolgreiche Inbetriebnahme des GebĂ€udes K in Bubendorf, in dem die Produktion nach dem Standard der Guten Herstellungspraxis (GMP) angelaufen ist.
Ein noch gröĂeres Projekt verfolgt der Konzern im Sisslerfeld in Eiken. Dort entsteht fĂŒr mehr als 500 Millionen CHF eine neue Greenfield-Anlage. Das Vorhaben basiert auf einer strategischen Zusammenarbeit, die durch Vorauszahlungen und langfristige Lieferverpflichtungen abgesichert ist.
Der Start der kommerziellen Produktion an diesem Standort ist fĂŒr das Jahr 2030 vorgesehen. Die Aktie notiert derzeit bei 80,20 ⏠und weist seit Jahresbeginn ein Plus von 23 Prozent auf. Damit liegt der Wert noch rund 12 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 91,25 âŹ, das im Mai erreicht wurde.
KontrÀre Analystenstimmen und personelle Weichenstellung
Parallel zur baulichen Expansion stellt sich das Unternehmen im Management neu auf. Zum 1. August wurde Boris Corpataux zum Chief Commercial Officer ernannt und in das Corporate Executive Committee berufen. Corpataux ist seit ĂŒber 20 Jahren fĂŒr das Unternehmen tĂ€tig und soll die Marktposition des Spezialisten fĂŒr Peptide und Oligonukleotide weiter festigen.
Unter den Analysten herrscht derzeit Uneinigkeit ĂŒber die kurzfristige Bewertung der Aktie. WĂ€hrend die Experten von RBC Capital am 3. August ihre Kaufempfehlung (Buy) bestĂ€tigten, blieb Jefferies am 4. August bei einer Verkaufsempfehlung (Sell).
Die gegensÀtzlichen EinschÀtzungen spiegeln die Skepsis am Markt wider, ob das Unternehmen den starken Anstieg der ProfitabilitÀt und des Umsatzes in der zweiten JahreshÀlfte wie geplant realisieren kann.
Die hohen Investitionssummen von 350 bis 400 Millionen CHF im laufenden Jahr binden erhebliches Kapital, wĂ€hrend die neuen Anlagen ihre volle wirtschaftliche Wirkung erst sukzessive entfalten dĂŒrften.
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