Bayer, Aktie

Bayer Aktie: Pharma-Zulassungen als neuer Bewertungshebel

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 19:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bayer bestÀtigt die Jahresziele und senkt die Schuldenprognose, wÀhrend zwei FDA-Freigaben und der offene Glyphosat-Vergleich den Kurs prÀgen.

Forscherin im weißen Kittel pipettiert an einem beleuchteten Laborarbeitsplatz vor einem Bildschirm mit 3D-MolekĂŒlstruktur
Pharmazeutisches Forschungslabor – Wissenschaftlerin mit Pipette, MolekĂŒlstruktur-Monitor, blaue LED-Beleuchtung Illustration mit AI erstellt.

Zwei FDA-Entscheidungen binnen einer Woche verÀndern die Lage

Bayer hat innerhalb kurzer Zeit zwei regulatorische Erfolge in den USA verbucht. Die FDA genehmigte Anfang September Sevabertinib unter dem Namen Hyrnuo als First-Line-Behandlung fĂŒr Erwachsene mit HER2-mutantem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs im Rahmen einer beschleunigten Zulassung.

Gestern folgte die Nachricht, dass die Behörde Finerenone (Kerendia) fĂŒr eine neue Indikation freigegeben hat: chronische Nierenerkrankung in Verbindung mit Typ-1-Diabetes. Beide Entscheidungen fallen in eine Phase, in der Anleger nach dem juristischen Dauerthema Glyphosat verstĂ€rkt auf die operative Substanz des Konzerns schauen.

Die Aktie notiert aktuell bei 48,59 Euro, ein RĂŒckgang von 1,1 Prozent am heutigen Handelstag, nachdem die Anhörung zum Glyphosat-Sammelvergleich am vergangenen Montag stattfand und der Kurs seither um 1,6 Prozent nachgegeben hat.

TrÀgt die Pharma-Pipeline das Bewertungsnarrativ allein?

FĂŒr die kommenden Monate hĂ€ngt viel davon ab, ob sich die Zulassungserfolge in tatsĂ€chliche UmsatzbeitrĂ€ge ĂŒbersetzen, bevor die juristische Restunsicherheit rund um Glyphosat endgĂŒltig abgerĂ€umt ist.

Der Sammelvergleich ĂŒber 7,25 Milliarden US-Dollar wartet weiterhin auf die finale gerichtliche Genehmigung, nachdem die Anhörung von ursprĂŒnglich August auf den 14. September verschoben wurde, um Opt-out-WiderrufsantrĂ€ge zu bearbeiten. Bis eine endgĂŒltige Entscheidung vorliegt, bleibt ein Restrisiko im Kurs eingepreist.

Die Jahresguidance 2026 wurde bestĂ€tigt, die Prognose fĂŒr die Nettofinanzverschuldung sogar auf 29 bis 30 Milliarden Euro gesenkt.

Neubewertung durch Pipeline und Entschuldung

Sollte sich die juristische Lage weiter entspannen, könnte die Pharma-Pipeline zum eigentlichen Kurstreiber werden.

Auch im AgrargeschĂ€ft zeigt sich Bewegung: Bayer und Neste schlossen eine Handelsvereinbarung zur gemeinsamen Skalierung von newgold-Winterraps fĂŒr die Biokraftstoffproduktion.

Opt-outs und Bewertungsdruck bleiben Risiko

Die Verschiebung der Vergleichsanhörung zeigt, dass die Abwicklung komplizierter ist als ursprĂŒnglich geplant. Je mehr KlĂ€ger von ihrem Opt-out-Recht Gebrauch machen, desto grĂ¶ĂŸer bleibt die Unsicherheit ĂŒber die tatsĂ€chliche finanzielle Gesamtbelastung außerhalb des Vergleichsrahmens.

Zudem bewegt sich die Aktie mit einem RSI von 49,6 in neutralem Terrain, ohne klare TrendbestÀtigung nach oben oder unten. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 48,40 Euro ist mit 0,4 Prozent minimal, was auf eine Konsolidierungsphase hindeutet.

Ein RĂŒckschlag bei der finalen Vergleichsgenehmigung oder eine unerwartet hohe Zahl an Opt-outs könnte die zuletzt gesehene Erholung – die Aktie liegt seit Jahresbeginn 31 Prozent im Plus – schnell wieder infrage stellen.

Auch die Pharma-Zulassungen sind kein SelbstlĂ€ufer: Eine beschleunigte Zulassung wie bei Sevabertinib ist an Bedingungen gebunden und kein Freibrief fĂŒr unmittelbare UmsatzsprĂŒnge.

Zwei Katalysatoren entscheiden die nÀchste Phase

Solange die operative Entwicklung – bestĂ€tigte Guidance, sinkende Verschuldung, wachsende Pharma-Pipeline – intakt bleibt, dĂŒrfte das skizzierte Neubewertungsszenario UnterstĂŒtzung finden.

Kippt hingegen die Erwartung an eine zĂŒgige finale Genehmigung des Glyphosat-Vergleichs, etwa durch eine hohe Opt-out-Quote oder weitere Verzögerungen, droht die Aktie in ihre alte Rolle als Risikopapier zurĂŒckzufallen.

Der nĂ€chste konkrete PrĂŒfstein ist der Ausgang der bereits abgehaltenen Anhörung vom 14. September, deren gerichtliche Entscheidung ĂŒber die endgĂŒltige Genehmigung noch ausstehend ist. Bis dahin bewegt sich die Aktie in der NĂ€he ihres 50-Tage-Durchschnitts – ein Gleichgewicht, das der nĂ€chste Nachrichtenimpuls in beide Richtungen aufbrechen kann.

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