BayWa Aktie: HybridglÀubiger erhalten nur 2 Prozent
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Rettung der BayWa nimmt konkrete Formen an, doch fĂŒr die Kapitalgeber zeichnet sich ein schmerzhaftes Bild ab. Mit dem jĂŒngst vereinbarten Eckpunktepapier zwischen 267 von 268 Finanzierungspartnern und den beiden GroĂaktionĂ€ren, der Bayerischen Raiffeisen-Beteiligungs-AG sowie der Raiffeisen Agrar Invest AG, hat der Konzern zwar das drohende Aus vorerst abgewendet.
Der Sanierungszeitraum soll bis Ende 2030 verlĂ€ngert werden. FĂŒr mich steht jedoch fest: Das Ăberleben des Traditionskonzerns wird mit einem extrem hohen Preis erkauft, den vor allem die GlĂ€ubiger nachrangiger Papiere zahlen mĂŒssen.
Radikaler Schnitt bei den Hybridanleihen
Der geplante Umgang mit den hybriden Nachranganleihen offenbart die ganze HĂ€rte dieses Sanierungsfalls. Nach den vorliegenden PlĂ€nen sollen die GlĂ€ubiger dieser Instrumente nahezu den gesamten Nominalbetrag sowie sĂ€mtliche aufgelaufenen ZinsansprĂŒche ohne Kompensation aufgeben. Medienberichten zufolge könnten die Halter der Hybridanleihe lediglich zwei Prozent ihres eingesetzten Kapitals wiedersehen, wĂ€hrend Zinszahlungen vollstĂ€ndig entfallen.
Ein solcher Kapitalschnitt kommt faktisch einer Beinahe-Auslöschung gleich. Er zeigt unmissverstÀndlich, welche Risiken in nachrangigen Finanzierungsstrukturen lauern, wenn ein Konzern in existenzielle Schieflage gerÀt.
Zwar steht die formale Zustimmung des letzten noch verbliebenen Kreditgebers zu diesem Term Sheet noch aus, da erst 267 GlĂ€ubiger grĂŒnes Licht gegeben haben. Doch die Richtung ist unumkehrbar: Ohne massive Verzichte der GlĂ€ubigerseite ist die Restrukturierung schlicht nicht darstellbar.
Schrumpfkurs und Trennung von Randbereichen
Parallel zur finanziellen Sanierung verkleinert sich der Konzern auch operativ. Dazu gehört die Abtretung von GeschĂ€ftsbereichen: So ĂŒbernimmt die EVN Energieservices GmbH sĂ€mtliche Anteile an der BayWa Mobility Charging GmbH von der BayWa Mobility Solutions GmbH. Solche VerkĂ€ufe bringen zwar punktuell Entlastung, verringern aber gleichzeitig die kĂŒnftige Ertragsbasis.
Zudem herrscht am Markt bisweilen Verwirrung ĂŒber die Abgrenzung der KonzernaktivitĂ€ten. Wenn derzeit bundesweit in zahlreichen Bau- und GartenmĂ€rkten unter dem Namen BayWa RĂ€umungsverkĂ€ufe stattfinden, betrifft dies nicht die börsennotierte BayWa AG.
Dieses BaumarktgeschĂ€ft wurde bereits 2012 an die Hellweg-Gruppe verĂ€uĂert und agiert seither lediglich unter Lizenz eigenstĂ€ndig. FĂŒr Anleger ist diese Unterscheidung essenziell, um die operativen Kernprobleme der Aktiengesellschaft nicht mit externen VorgĂ€ngen zu vermengen.
Fazit: Die Aktie bleibt ein Sanierungsfall
An der Börse spiegelt sich die drastische Lage wider: Die Aktie notiert bei 8,40 Euro und hat seit Jahresanfang einen Verlust von 50 Prozent verbucht. Zwar liegt der Kurs damit wieder 14 Prozent ĂŒber seinem 52-Wochen-Tief von 7,36 Euro, doch von einer nachhaltigen Trendwende kann nach meiner EinschĂ€tzung keine Rede sein.
Unterm Strich verschafft das Eckpunktepapier dem Unternehmen eine Atempause bis 2030. Doch der geplante drastische Schnitt bei den HybridglÀubigern sendet ein fatales Signal an den gesamten Kapitalmarkt.
Solange der Konzern nicht beweist, dass er aus eigener operativer Kraft profitabel wirtschaften und seine verbleibenden Schulden bedienen kann, ĂŒberwiegen fĂŒr Eigenkapitalinvestoren die Risiken. Die Sanierung ist ein Marathonlauf, bei dem bestehende Anleger bislang die Hauptlast tragen.
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