Coinbase Aktie: KI-Agenten handeln jetzt Derivate
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 06:36 Uhr | Redaktion boerse-global.deCoinbase hat gestern für berechtigte Nutzer den automatisierten Krypto-Derivatehandel mit KI-Agenten über Deribit gestartet. Damit erweitert das Unternehmen sein Angebot jenseits des klassischen Spotgeschäfts. Der neue Zugang schafft zusätzliche Handelsmöglichkeiten, ist aber noch kein Beleg für eine Erholung der Erträge: Das agentengesteuerte Handelsvolumen bleibt bislang klein.
Externe KI-Plattformen erhalten Zugang
Nutzer können externe KI-Plattformen mit ihren Coinbase-Konten verbinden und darüber rund um die Uhr Derivate handeln lassen. Ausgabenlimits sollen den finanziellen Handlungsspielraum der Agenten begrenzen. Die Anbindung ermöglicht zudem Kleinstzahlungen für Daten und Handelsstrategien.
Laut CEO Brian Armstrong wächst das agentengesteuerte Handelsvolumen um etwa 20% pro Woche. Zugleich liegt es weiterhin deutlich unter dem traditionellen Handel. Das hohe Wachstum beschreibt damit zunächst die Dynamik eines noch kleinen Geschäfts und nicht dessen gegenwärtiges Gewicht für Coinbase.
Die Einführung erfolgt schrittweise nach regulatorischer Prüfung. Eine breitere Freischaltung von Kryptooptionen für Firmenkunden ist bis Ende des vierten Quartals 2026 geplant. Für Anleger ist deshalb neben der technischen Öffnung entscheidend, wie weit Coinbase den Zugang tatsächlich ausbauen kann.
Neue Angebote treffen auf schwächeren Handel
Der Vorstoß passt zur wachsenden Bedeutung zusätzlicher Handelsprodukte. Prognosemärkte und Derivate steuerten im dritten Quartal 2026 zusammen rund 25% der Transaktionserlöse bei. Die KI-Anbindung erweitert somit einen Bereich, der bereits einen relevanten Beitrag zum Geschäft leistet.
Diese Entwicklung beseitigt die Schwäche des übrigen Handelsgeschäfts allerdings nicht. Mehr Handelsmöglichkeiten sind erst dann ein belastbares Gegengewicht, wenn daraus ausreichend zusätzliche Erlöse entstehen. Das bislang geringe agentengesteuerte Volumen setzt der kurzfristigen Bedeutung Grenzen.
Die Transaktionserlöse sanken im dritten Quartal um 44% auf 590,2 Mio. US-Dollar. Auch die ausgewiesene Profitabilität verdient einen genaueren Blick: Der hohe Nettogewinn beruhte wesentlich auf Bewertungsgewinnen eigener Kryptoanlagen.
Damit unterscheiden sich die bilanzielle Gewinnentwicklung und die Entwicklung des Kundengeschäfts deutlich. Für die Beurteilung der neuen KI-Funktionen zählt vor allem, ob sie die Handelsaktivität dauerhaft stärken können.
Morgan Stanley zweifelt an der Erholung
Morgan Stanley reagierte gestern mit einer Herabstufung von „Equal-weight“ auf „Underweight“. Analyst Michael Cyprys senkte das Kursziel von 258 auf 120 US-Dollar. Er begründete dies mit schwächerem Handel, vorsichtigeren Umsatzaussichten und Unsicherheit nach dem Binance-Hack.
Die Skepsis richtet sich damit nicht gegen das technische Potenzial einzelner Produkte. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie schnell Coinbase wieder belastbar höhere operative Erträge erzielen kann.
Für 2027 kürzte Morgan Stanley die Umsatzprognose um 28% und die Prognose für das bereinigte EBITDA um 47%. Der Start des KI-Handels setzt diesen Bedenken eine neue Wachstumsinitiative entgegen. Wegen der noch kleinen Ausgangsbasis kann er die schwächeren Aussichten im Kerngeschäft bislang jedoch nicht entkräften.
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