Commerzbank Aktie: Bafin schaltet EZB ein
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 00:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Übernahmeschlacht um die Commerzbank tritt in eine neue Phase ein – und die Börse reagiert prompt. Die Aktie kletterte am Dienstag auf 39,65 Euro und damit auf den höchsten Stand seit 2010. Auslöser war ein Bloomberg-Bericht, wonach UniCredit eine entscheidende regulatorische Hürde genommen hat.
Bafin leitet Antrag an EZB weiter
Die deutsche Finanzaufsicht hat demnach den Antrag der Italiener, ihre Beteiligung über die Marke von 30 Prozent hinaus aufzustocken, an die Europäische Zentralbank weitergereicht. Für die EZB beginnt damit eine Prüffrist von 60 Tagen, die sich bei Bedarf um weitere 20 Tage verlängern kann. Offizielle Stellungnahmen von UniCredit, Bafin oder Commerzbank blieben aus – die Information stammt aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen.
Der Vorgang markiert einen handfesten Fortschritt in einem Übernahmekampf, der seit fast zwei Jahren läuft. Seit dem überraschenden Einstieg von UniCredit im September 2024 hat sich der Börsenwert der Commerzbank mehr als verdreifacht und liegt inzwischen bei knapp 43 Milliarden Euro. UniCredit selbst wird mit knapp 130 Milliarden Euro bewertet – nach einem Kursanstieg von fast 140 Prozent seit Spätsommer 2024, der die Aktie auf das höchste Niveau seit 2009 hievt.
Orlopp sucht die einvernehmliche Lösung
Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte den Italienern Ende Juli Gespräche angeboten und dabei klargestellt: "Die Mehrheitsverhältnisse auf der nächsten Hauptversammlung sind klar." Eine Blockade über den Bund als Großaktionär schloss er aus – "keine Abkürzung über Berlin" werde es geben. UniCredit hält nach Ablauf der jüngsten Angebotsfrist einen wirtschaftlichen Anteil von 47,59 Prozent, was rund 49,65 Prozent der Stimmrechte entspricht. Eine vollständige Übernahme visiert das Management für das vierte Quartal 2026 an.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp zeigte sich zuletzt kompromissbereit, verfolgt aber eigene Prioritäten. Ihr Ziel: Einschnitte im globalen Geschäft begrenzen und die eigenständige Börsennotierung erhalten. Das steht im Kontrast zu den Plänen von UniCredit-Chef Andrea Orcel, der nach einer Fusion Einsparungen von 1,4 Milliarden Euro realisieren will.
Am Donnerstag legt die Commerzbank ihre Zahlen zum zweiten Quartal vor – nur wenige Tage nach der Bafin-Freigabe dürfte das eigentlich für Schlagzeilen sorgen. Kurz danach sollen die eigentlichen Verhandlungen zwischen beiden Banken beginnen. Ob sie zu der von Orlopp anvisierten einvernehmlichen Lösung führen, entscheidet sich in den kommenden Wochen, während parallel die EZB-Prüfung ihren Lauf nimmt.
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