Computacenter Aktie: KI-Rollout wartet auf Nutzennachweis
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 18:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Beim Trendthema KĂŒnstliche Intelligenz schlĂ€gt der britische IT-Dienstleister Computacenter einen betont vorsichtigen Kurs ein. Statt sich unĂŒberlegt auf autonome Softwaresysteme zu stĂŒrzen, setzt das Unternehmen auf strenge Kontrollmechanismen und erprobt Technologien zunĂ€chst intern. Im Zentrum der Strategie steht der Nachweis eines messbaren geschĂ€ftlichen Nutzens vor dem groĂflĂ€chigen Rollout bei Kunden.
Vorsichtiger Ansatz statt Hype
Computacenter will bei sogenannter agentischer KI nichts ĂŒberstĂŒrzen. Kasim Iqbal, Leiter des Bereichs Automatisierung bei Computacenter, betonte, dass Vertrauen, DatenqualitĂ€t und Governance an erster Stelle stehen mĂŒssen. Das Unternehmen nutzt KI derzeit vor allem intern fĂŒr Sprachverarbeitung, unstrukturierte Daten und Assistenzprogramme wie Copilot, um Praxiserfahrung zu sammeln.
FĂŒr viele ArbeitsablĂ€ufe reiche die etablierte robotergesteuerte Prozessautomatisierung (RPA) weiterhin vollkommen aus. Computacenter setzt RPA seit rund zehn Jahren ein und will Fehler der Vergangenheit vermeiden, als teils ungeeignete AnwendungsfĂ€lle automatisiert wurden. Nach EinschĂ€tzung von Iqbal dĂŒrfte KI die traditionelle Prozessautomatisierung kurzfristig nicht ablösen.
Vielmehr liege das Potenzial in einer Kombination: KI analysiert unstrukturierte Daten und fĂ€llt Entscheidungen, wĂ€hrend RPA diese anschlieĂend ausfĂŒhrt. Zur Steuerung dieses Prozesses hat der Konzern eigens ein internes Gremium fĂŒr KI-Governance und -Strategie eingerichtet.
Fundamentale StÀrke nach Rekordhalbjahr
Die Debatte um den geschĂ€ftlichen Mehrwert von KI fĂ€llt in eine operative Wachstumsphase des IT-Konzerns. Im ersten Halbjahr 2026 kletterte der Umsatz um 71,6 Prozent auf 6,85 Milliarden Pfund, wĂ€hrend der bereinigte Vorsteuergewinn um 87 Prozent auf 152,4 Millionen Pfund anzog. GestĂŒtzt auf einen Auftragsbestand von 9,3 Milliarden Pfund wurde die Gewinnprognose nach oben korrigiert (vor rund einem Monat, seither +5,8 %).
Wachstumstreiber bleibt vor allem Nordamerika, wo sich der operative Gewinn mehr als verdoppelte und mittlerweile 62 Prozent des Spartenergebnisses ausmacht. Allerdings sank die Bruttomarge im Halbjahr von 12,6 Prozent auf 9,6 Prozent, und das GeschĂ€ft mit Managed Services verzeichnete RĂŒckgĂ€nge.
Analysten sehen weiteres Potenzial
An der Börse reflektiert der Kurs den operativen Zuwachs: Im deutschen Handel steht die Aktie bei 64,00 Euro und verzeichnet seit Jahresbeginn ein Plus von 86 Prozent. Damit notiert das Papier komfortabel ĂŒber seinem 200-Tage-Durchschnitt von 46,84 Euro.
Die Experten zeigen sich ĂŒberwiegend zuversichtlich fĂŒr den weiteren GeschĂ€ftsverlauf.
Vor dem anstehenden britischen Haushalt am 28. Oktober blicken Anleger im Technologiesektor nun verstĂ€rkt darauf, wie sich die IT-Ausgaben von Unternehmen und öffentlicher Hand entwickeln und wie zĂŒgig sich Investitionen in neue Softwarelösungen tatsĂ€chlich monetarisieren lassen.
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