CoreWeave Aktie: 22-Prozent-Minus in 30 Tagen
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 19:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Markt für Künstliche Intelligenz (KI) zeigt Risse in der bisherigen Euphorie, was den spezialisierten Cloud-Anbieter CoreWeave am heutigen Dienstag unmittelbar trifft.
Während das Unternehmen operativ ein massives Wachstum verzeichnet, belasten Warnungen vor einer Verlangsamung der KI-Entwicklung und eine hohe Verschuldung den Aktienkurs. Die Papiere von CoreWeave notieren aktuell bei 71,02 Euro und verzeichnen damit über einen Zeitraum von 30 Tagen ein Minus von 22 Prozent.
Warnsignale der Branchengrößen belasten den Kurs
Auslöser für die jüngste Skepsis sind Äußerungen der Chefs führender KI-Labore. Dario Amodei von Anthropic forderte am vergangenen Samstag eine Verlangsamung bei der Entwicklung großer Sprachmodelle und stärkere Sicherheitsvorkehrungen, eine Position, die auch von OpenAI-Chef Sam Altman unterstützt wird. Dies löste am gestrigen Montag einen breiten Ausverkauf bei Infrastruktur-Werten aus, da Anleger einen Rückgang der Investitionsbereitschaft bei Rechenzentren befürchten.
Die Analysten von Bernstein weisen in diesem Zusammenhang auf das Risiko hin, dass CoreWeave stark von der Nachfrage nach dem Training von Großmodellen abhängig ist. Diese Marktstimmung drückt die Aktie deutlich nach unten; der Wert liegt mittlerweile 46 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.
Rekordumsätze stehen hohen Finanzierungskosten gegenüber
Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 verdeutlichen die ambivalente Lage des im Jahr 2017 gegründeten Unternehmens, das seit März 2025 an der Börse gelistet ist. CoreWeave konnte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 112 Prozent auf 2,6 Milliarden US-Dollar steigern.
Besonders beeindruckend ist der Auftragsbestand (Backlog), der laut Unternehmensangaben auf 104 Milliarden US-Dollar angewachsen ist — ein Plus von 246 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Trotz dieser Auftragslage erwirtschaftete das Unternehmen im zweiten Quartal einen Nettoverlust von 626 Millionen US-Dollar. Die größte Belastung stellt dabei der Zinsaufwand dar, der sich auf 640 Millionen US-Dollar belief und damit die operativen Gewinne vollständig aufzehrte.
Mit Gesamtschulden von 33,8 Milliarden US-Dollar per Ende Juni und einer geplanten Investitionssumme von bis zu 39 Milliarden US-Dollar für das laufende Jahr bleibt der Kapitalbedarf extrem hoch. Dass CEO Michael Intrator und weitere Führungskräfte in der vergangenen Woche Aktienpakete im Gesamtwert von mehreren Millionen US-Dollar veräußerten, sorgte am Markt für zusätzliche Irritationen.
Neue Geschäftsfelder und optimistische Analystenstimmen
Um die Abhängigkeit vom reinen Modelltraining zu verringern, startete CoreWeave gestern den neuen Service „Physical AI Field Engineering“. Dabei werden eigene Ingenieure direkt in Teams von Kunden aus der Automobil-, Luftfahrt- und Robotikbranche integriert.
Ein prominentes Beispiel für diese Zusammenarbeit ist das Formel-1-Team Aston Martin Aramco, für das CoreWeave ein Transkriptionsmodell entwickelt hat, das Funkkanäle in Echtzeit auswertet und Ergebnisse in weniger als 30 Sekunden liefert.
Nvidia, das mit rund 11,5 Prozent an CoreWeave beteiligt ist, bleibt ein enger strategischer Partner. CoreWeave betreibt mittlerweile 51 Rechenzentren in Nordamerika und Europa, die mit mehr als 250.000 Nvidia-Grafikprozessoren bestückt sind.
Trotz der aktuellen Kursverluste und der bilanziellen Herausforderungen gibt es auf der Analystenseite weiterhin sehr optimistische Stimmen. John McPeake von Rosenblatt Securities sieht aufgrund des enormen Backlogs und der technologischen Effizienz ein massives Potenzial und bestätigte ein Kursziel von 250 US-Dollar. Das durchschnittliche Konsens-Kursziel von 38 befragten Analysten liegt derzeit bei 144,46 US-Dollar, was deutlich über dem aktuellen Marktniveau angesiedelt ist.
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