Coupang Aktie: Moreno fordert Section-301-Untersuchung
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der südkoreanische E-Commerce-Riese Coupang steht im Zentrum eines sich verschärfenden Handelskonflikts zwischen Washington und Seoul. Nachdem der US-Kongress mit Zöllen gedroht und ein Senator eine offizielle Untersuchung der südkoreanischen Regulierungspraktiken gefordert hat, gerät das Unternehmen unter politischen und juristischen Druck.
Anleger blicken besorgt auf drohende Sanktionen und ein milliardenschweres Schiedsverfahren, das die diplomatischen Beziehungen beider Länder belastet.
US-Politik fordert Untersuchung wegen Diskriminierung
Der US-Senator Bernie Moreno drängt auf eine Untersuchung nach „Section 301“ des US-Handelsgesetzes gegen Südkorea. Laut Businesskorea wirft Moreno den Behörden in Seoul vor, Coupang durch diskriminierende Maßnahmen gezielt zu schaden. Er verwies dabei auf Ermittlungen durch insgesamt zehn Behörden und eine Rekordstrafe.
Die Spannungen werden durch die Drohung des US-Kongresses verschärft, als Vergeltung für die Sanktionen gegen den Online-Händler Importzölle gegen südkoreanische Waren zu verhängen.
Hintergrund des Konflikts ist unter anderem ein Bußgeld in Höhe von 625 Milliarden Won, was etwa 457,2 Millionen US-Dollar entspricht. Die südkoreanische Regierung begründet die Strafe mit dem Vorwurf, dass persönliche Daten von rund 37,55 Millionen Betroffenen gefährdet seien.
Coupang widerspricht dieser Darstellung deutlich und gibt an, dass lediglich 3.000 Konten betroffen seien. Parallel dazu kündigte Donald Trump bereits am 16. August eine Reduzierung gemeinsamer Militärübungen an, was den Druck auf die politische Allianz zusätzlich erhöht.
Schiedsverfahren und rechtliche Prüfung in Seoul
Neben der politischen Ebene sieht sich die südkoreanische Regierung mit rechtlichen Schritten großer Investoren konfrontiert. Medienberichten zufolge prüfen die Behörden in Seoul derzeit die Risiken eines ISDS-Schiedsverfahrens (Investor-State Dispute Settlement).
Die Investoren Greenoaks, die einen Anteil von 3,38 Prozent an Coupang halten, und Altimeter hatten bereits im Januar entsprechende Verfahren eingeleitet. Eine 90-tägige Konsultationsfrist endete am 22. April ohne eine Einigung.
Die südkoreanische Regierung lässt ihre Position nun von spezialisierten Anwaltskanzleien wie Peter & Kim sowie Arnold & Porter prüfen. Währenddessen beobachten US-Diplomaten in Seoul eine Beschwerde gegen den Interim-CEO Harold Rogers und weitere Führungskräfte genau.
Dem Management wird vorgeworfen, gegen Gesetze zur Zeugenaussage verstoßen zu haben. Coupang verteidigte seine Position in einer offiziellen Erklärung, während die nationale Sicherheitsbehörde NIS die Darstellung des Unternehmens zu internen Datenuntersuchungen bestreitet.
Operative Zahlen und Analysteneinschätzungen
Trotz der rechtlichen Turbulenzen konnte Coupang im zweiten Quartal die Erwartungen beim Ergebnis je Aktie übertreffen. Das Unternehmen meldete einen Verlust von 0,09 US-Dollar pro Aktie, während Analysten im Konsens mit einem Minus von 0,27 US-Dollar gerechnet hatten.
Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent auf 8,86 Milliarden US-Dollar. Dennoch belasten die regulatorischen Risiken den Aktienkurs massiv. Am gestrigen Montag schloss das Papier bei 13,80 € – ein Rückgang von 3,3 Prozent zum Vortag.
Mit einem Kursminus von 34 Prozent seit Jahresbeginn reflektiert der Wert die Skepsis des Marktes gegenüber dem schwierigen regulatorischen Umfeld in Südkorea. Die Aktie notiert aktuell weit unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 28,88 €. Analysten sind derzeit gespalten: Während Mizuho das Kursziel auf 22 US-Dollar festsetzte, vergab Weiss Ratings zuletzt ein „Sell“-Rating.
Im August kam es zudem zu Insiderverkäufen: Harold Rogers veräußerte am 10. August 192.110 Aktien zu einem Preis von 16,18 US-Dollar. Anleger beobachten nun, ob die angekündigten Lockerungen bei Standortbeschränkungen für den Einzelhandel in Südkorea, die zuletzt am 25. August wieder zurückgezogen wurden, in Zukunft doch noch Entlastung bringen könnten.
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