Covestro Aktie: Force Majeure für Polyetherpolyole
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 08:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Werkstoffhersteller Covestro sieht sich an seinem wichtigen Produktionsstandort in Dormagen mit betrieblichen Einschränkungen konfrontiert. Medienberichten zufolge hat das Unternehmen am vergangenen Dienstag Force Majeure für Polyetherpolyole erklärt.
Grund für diese Maßnahme ist das anhaltende Niedrigwasser des Rheins, welches die Rohstoffversorgung und den Abtransport der Fertigerzeugnisse erheblich erschwert. Durch die Erklärung der „höheren Gewalt“ ist Covestro vorübergehend von Lieferverpflichtungen für ausgewählte Produkte entbunden, da die logistischen Rahmenbedingungen eine vollständige Vertragserfüllung derzeit unmöglich machen.
Lieferengpässe durch Rheinniedrigwasser
Die Produktion von Polyetherpolyolen, die unter anderem in der Matratzen- und Polstermöbelindustrie sowie in der Automobilbranche zum Einsatz kommen, leidet unter der eingeschränkten Schiffbarkeit des Flusses. Dormagen ist für Covestro einer der zentralen europäischen Standorte.
Die aktuelle Situation unterstreicht die Abhängigkeit der chemischen Industrie von stabilen Wasserständen für den Massenguttransport. Bereits in der Vergangenheit hatten extreme Trockenperioden zu ähnlichen logistischen Engpässen geführt, die nun erneut die Lieferfähigkeit des Konzerns beeinträchtigen.
An der Börse zeigt sich der Titel von den operativen Nachrichten am Dienstagmorgen wenig belastet. Der vorbörsliche Kurs notiert bei 60,50 Euro, was einem leichten Zuwachs von 0,2 Prozent entspricht. Damit bewegt sich das Papier weiterhin in Schlagdistanz zu seinem 52-Wochen-Hoch von 61,50 Euro, das erst im Januar dieses Jahres erreicht wurde.
Starke Halbjahresbilanz und Prognoseerhöhung
Die operativen Störungen treffen das Unternehmen in einer Phase, in der es sich wirtschaftlich zuletzt stabilisiert zeigte. Für das erste Halbjahr 2026 wies Covestro einen Umsatz von 6.729 Millionen Euro aus. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) belief sich in diesem Zeitraum auf 669 Millionen Euro. Auf Basis dieser Entwicklung hatte das Management bereits Anfang Juli die EBITDA-Prognose für das Gesamtjahr 2026 angehoben.
Dieser Optimismus folgt auf ein herausforderndes Geschäftsjahr 2025, das der Konzern mit einem Umsatz von 12,9 Milliarden Euro abschloss. Trotz eines Rückgangs des EBITDA auf 740 Millionen Euro im Vorjahr und eines negativen Free Operating Cash Flow von 283 Millionen Euro gelang es dem Unternehmen, durch das Effizienzprogramm „STRONG“ Einsparungen in Höhe von 275 Millionen Euro zu realisieren. Die jüngsten Halbjahreszahlen deuten darauf hin, dass diese Sparmaßnahmen und eine verbesserte Marktlage zunehmend Wirkung zeigen.
Strukturwandel unter neuer Eigentümerschaft
Hinter den Kulissen bereitet Covestro den Übergang in eine neue Ära vor. Nach der erfolgreichen Übernahme durch die Adnoc-Investmentgesellschaft XRG P.J.S.C., die sich 95,02 Prozent der Anteile gesichert hat, steht ein Squeeze-out der verbliebenen Minderheitsaktionäre bevor.
Ein entsprechendes formales Verlangen wurde bereits eingereicht, wobei die Barabfindung auf 59,46 Euro je Aktie festgesetzt wurde. Der aktuelle Börsenkurs liegt damit über dem Niveau der geplanten Abfindung. Parallel dazu zieht sich Covestro sukzessive von der Börse zurück; der Wechsel vom Prime Standard in den General Standard wurde bereits vollzogen.
Auch personell werden die Weichen neu gestellt. Zum 1. Oktober übernimmt Klaus Fröhlich, bisher Group Chief Investment Officer bei ADNOC, den Posten des Finanzvorstands. Er folgt auf Christian Baier, der das Unternehmen Ende September verlassen wird.
An der Spitze des Vorstands steht mittelfristig ebenfalls eine Veränderung an: CEO Markus Steilemann hat angekündigt, seinen Vertrag nach Ablauf am 31. Mai 2028 nicht erneut zu verlängern. Damit steht der Konzern vor einer Phase personeller und struktureller Neuausrichtung unter dem Dach seines neuen Mehrheitseigentümers.
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